Panorama

Irrweg in den Westerwald200 Kilo Kokain sichergestellt

19.06.2009, 15:31 Uhr

Im Westerwald werden 200 Kilogramm Kokain in einem Container sichergestellt. Es handelt sich dabei um den bisher größten Rauschgiftfund in Rheinland-Pfalz. Die heiße Ware war aber offenbar gar nicht für Deutschland bestimmt.

Kokain
Kokain bewirkt eine Stimmungsaufhellung, ein Gefühl gesteigerter Leistungsfähigkeit sowie das Verschwinden von Hunger- und Müdigkeitsgefühlen. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Als Beschäftigte eines verarbeitenden Betriebs im Westerwald den Lastwagen aus Antwerpen öffnen, entdecken sie zwischen den bestellten Stoffresten acht Sporttaschen. Verdutzt ziehen sie die Reißverschlüsse der prall gefüllten schwarzen Taschen auf und finden darin lauter Päckchen mit hochreinem Kokain. Geschätzter Straßenverkaufswert: 40 Millionen Euro.

Das Unternehmen verständigt die Polizei, die das Kokain am ersten Freitag in diesem Juni sicherstellt. Eine der größten Mengen, die in den vergangenen Jahren in Deutschland auf einmal beschlagnahmt wurden, heißt es beim zuständigen Zollfahndungsamt in Frankfurt. Den Ermittlern im Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz (LKA) ist bald klar: "Da muss bei den Tätern was schief gelaufen sein."

Lkw-Fahrer als Täter ausgeschlossen

Coca
Kokain ist ein Alkaloid das aus den Blättern des Cocastrauchs gewonnen wird. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Droge sollte in ganz Europa verteilt werden - davon geht die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift von LKA und Zollfahndungsamt aus. Die beiden Lastwagenfahrer, die die Container von der belgischen Hafenstadt zu der Firma im rheinland-pfälzischen Altenkirchen gebracht haben, werden rasch als mögliche Täter ausgeschlossen.

Das mit fast 90 Prozent besonders reine Kokain war in ungefähr gleich großen Päckchen à ein Kilo verpackt. Wie beim Rauschgiftschmuggel üblich, sollten Plastik und viel Klebeband verhindern, dass die Droge am Geruch erkennbar ist.

"Entgegen dem früheren Ruf des Kokains als sogenannte Schickeria-Droge wird dieses mittlerweile quer durch alle gesellschaftlichen Schichten konsumiert", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Ermittlergruppe.

Größter Rauschgiftfund in Rheinland-Pfalz

1068 Kilogramm seien im vergangenen Jahr in Deutschland insgesamt sichergestellt worden, davon 366 am Frankfurter Flughafen. Vor knapp zwei Jahren entdeckten Fahnder in Bremerhaven in einer Weinladung aus Mittelamerika fast 400 Kilo. Der größte Kokain-Fund in der Geschichte Deutschlands wurde mit 1,25 Tonnen im Oktober 2002 in Kassel gemacht. Sieben Männer wurden anschließend wegen Drogenschmuggels und -handels vom Landgericht Kassel zu eineinhalb bis neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Kokain stammte aus Kolumbien.

Die Herkunft der im Westerwald gefundenen Droge wird noch untersucht. "Der Stoff kann sehr wohl aus Kolumbien kommen", sagte ein LKA-Sprecher. Im Fokus der Ermittler steht der genaue Transportweg. Fest steht, dass die Taschen mit dem Kokain in einem von zwei Containern per Schiff von Honduras in Zentralamerika nach Antwerpen gebracht wurden.

Quelle: Ira Schaible, dpa