Panorama

Hunger, Krankheit und Krieg Afrikas Kinder kämpfen sich durch

Sie schuften als Tagelöhner und werden als Soldaten missbraucht: Millionen Kinder in Afrika kämpfen täglich um ihr Überleben. Der 16. Juni erinnert an ihr Schicksal.

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Simon und seine Klassenkameradin Esther laufen durch den Stadtteil Kibera in Nairobi.

(Foto: picture alliance / dpa)

Simon ist acht Jahre und lebt in Kibera, dem größten Slum von Nairobi. Voller Stolz trägt er in diesen Tagen ein Fußballshirt - eine Kleiderspende. Sein Mutter, eine Wäscherin, könnte es sich bei einem Tagesverdienst von weniger als einem Euro nicht leisten, ihren sechs Kindern neue Trikots zu kaufen.

Noch stolzer als auf das Trikot ist Simon auf seine Schulnoten. Wie viele Kinder und Jugendliche aus den Elendsvierteln hofft er, ein Stipendium für die höhere Schule zu bekommen, für den Aufstieg aus Armut und Chancenlosigkeit. "Ich will ein Doktor werden", träumt er. "Dann kann ich meiner Mama ein schönes Haus kaufen."

Afrika hat viele extreme Gesichter

Die gleichaltrige Princess wohnt nur wenige Kilometer Luftlinie von Kibera entfernt im Stadtteil Hurlingham, einer beliebten Wohngegend der aufstrebenden kenianischen Mittelklasse. Hunger und Armut kennen sie und ihre dreijährige Schwester Angel nicht, Haushaltspflichten ebenso wenig.

Alle Handgriffe im Haushalt werden von zwei Dienstmädchen erledigt. Der Schulbus der Privatschule holt die achtjährige jeden Morgen auf dem Grundstück der rund um die Uhr bewachten und mit Mauer und Elektrozaun umgebenen Wohnanlage ab und bringt sie auch wieder direkt nach Hause.

Die Kinder in den Slums und die wohlbehüteten Mittelschichtkinder hoffen auf Tor-Erfolge der afrikanischen Mannschaften bei der WM in Südafrika. Damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Kindheit in Afrika hat viele, oft extreme Gesichter. Auf keinem anderen Kontinent dürften die Lebensverhältnisse von Kindern so unterschiedlich sein.

Zum Beispiel Gesundheit

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Ein an Cholera erkranktes Kind bekommt ein Medikament.

(Foto: REUTERS)

In Europa sind Masern eine Kinderkrankheit, in Afrika ist die Krankheit ein Kinderkiller, auch wenn Impfkampagnen in den vergangenen Jahren die Zahl der Opfer deutlich senken konnten. Und jede Minute stirbt irgendwo in Afrika ein Kind an Malaria. Slumbewohner und die meisten Menschen in den Dörfern haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass mehr als ein Viertel der Todesfälle von Kleinkindern auf Durchfallerkrankungen zurückzuführen sind. Schmutziges Wasser ist meist der Grund dafür. Frühehe und -schwangerschaft ruinieren das Leben junger Mädchen in vielen Staaten Afrikas ebenso wie die Genitalverstümmelung, auch wenn diese barbarische Beschneidung vielerorts verboten ist.

Zum Beispiel Hunger

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Kinder einer Grundschule in der Nähe von Harare warten auf eine Mahlzeit.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Dürren und Missernten, auch als Folge des Klimawandels, verknappen Lebensmittel im afrikanischen Alltag immer wieder. Die ersten Opfer sind dann die Schwächsten - Kleinkinder, Kranke und alte Menschen. Zur Zeit warnen UN und Hilfsorganisationen vor einer drohenden Hungerkatastrophe in den Sahel-Staaten, vor allem in Niger. Schon jetzt sind Zehntausende Kinder schwer unterernährt.

Zum Beispiel Krieg

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In einem Camp am Rande von Bunia (Kongo) werden Kinder zu Soldaten ausgebildet.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ob in Darfur oder in Somalia, im Kongo oder in der Zentralafrikanischen Republik - im Rest der Welt oft vergessene Konflikte betreffen Hunderttausende Kinder. Sie erleben Eltern, die sie nicht beschützen können, das Trauma des Entwurzeltseins im Flüchtlingslager.

Tausende werden als Kindersoldaten zum Töten gezwungen, Mädchen als Sexsklavinnen missbraucht oder in Konfliktregionen von Soldaten oder Rebellen vergewaltigt. Allein für den Kongo rechnet die Hilfsorganisation "Peace direct" mit derzeit 8000 Kindersoldaten, einige erst acht Jahre alt.

Zum Beispiel Kinderarbeit

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Ein Kind zeigt seine geschundenen Hände. Der Junge arbeitet in der Goldmine Poushgin in Burkina Faso.

(Foto: dpa)

Zeit zum Spielen haben nur wenige afrikanische Kinder. Die meisten müssen schon früh Pflichten übernehmen - Wasser holen, Feuerholz sammeln, Vieh hüten. Auf den Straßen afrikanischer Großstädte bieten Kinder aus den Slums Erdnüsse, Bananen oder Zeitungen zum Verkauf an.

Andere betteln, oft unter den wachsamen Augen erwachsener Familienmitglieder. Traurigen Kinderaugen ist schwer zu widerstehen. Vielen, die mit ein paar Münzen helfen wollen, ist indes nicht klar, dass sie damit die geringen Chancen der Kinder weiter schmälern. Denn ein erfolgreiches Bettelkind ist für den Schulbesuch zu "schade".

Quelle: ntv.de, Eva Krafczyk, dpa

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