Panorama

Schütze von Ansbach unter Drogen? Amokläufer hatte noch 200 Schuss dabei

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In Ansbach trauern Angehörige um die Opfer der Bluttat.

(Foto: dpa)

Über den 47-jährigen Amokläufer aus Ansbach kommen immer mehr Details ans Licht: Der Mann hat seit Jahren schwere psychische Probleme, in seiner Wohnung finden Ermittler Cannabispflanzen. Außerdem hatte er sich reichlich mit Munition eingedeckt.

Der für den Tod von zwei Menschen verantwortliche mutmaßliche Amokläufer von Ansbach leidet nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit Jahren unter psychischen Problemen. Aus in der Wohnung des 47-Jährigen gefundenen Unterlagen gehe hervor, dass er bereits seit über zehn Jahren psychische Probleme habe, teilten die Ermittler mit. Wegen der ärztlichen Schweigepflicht könnten zu diesen Problemen keine näheren Angaben gemacht werden.

Außerdem prüfen die Ermittler, ob der nach seiner Festnahme in einer Psychiatrie untergebrachte Mann bei seiner Bluttat am Freitag unter Drogeneinfluss stand. In seiner Wohnung seien 18 Cannabispflanzen in verschiedenen Wachstumsstadien entdeckt worden. Eine Auswertung der von dem mutmaßlichen Amokläufer genommenen Blutprobe werde aber voraussichtlich noch eine Woche in Anspruch nehmen. Im Fahrzeug des Mannes stellten die Fahnder 200 Schuss noch nicht verbrauchte Munition sicher.

Gewalttätig auf der Arbeit

Die Ermittler fanden zudem heraus, dass der Mann im Februar an seinem damaligen Arbeitsplatz als Krankenpfleger einem Patienten die Hand verdreht haben soll. Daraufhin sei ihm gekündigt worden. Zur Anzeige gekommen sei der Übergriff aber nicht. Nach wie vor lägen aus der Vergangenheit keine Hinweise auf Straftaten des Ansbachers vor.

Nach den nun vorliegenden Erkenntnissen bedrohte der Mann bei seinem Amoklauf mehr Menschen als bisher bekannt. Der 47-Jährige habe nicht nur zwei Senioren im Alter von 82 und 72 Jahren erschossen und auf eine Pkw-Fahrerin und eine Traktorfahrer gefeuert, ohne sie zu treffen, sondern noch zwei Passanten und einen Bauarbeiter mit der Pistole bedroht. Alle drei hätten dies als schlechten Scherz angesehen und dies auch geäußert. Der mit seinem Auto umher fahrende Amokläufer sei dann weiter gefahren ohne einen Schuss abzugeben.

Von Mechanikern überwältigt

Schließlich habe er noch in der Tankstelle, in der er schließlich überwältigt wurde, eine Kundin bedroht. Die ältere Dame habe dem Mann gesagt, er solle seine Waffe wegtun. Der Amokläufer habe sie daraufhin aufgefordert, die Tankstelle zu verlassen, ansonsten knalle er sie ab. Nachdem die Frau das Gebäude verlassen hatte, habe der 47-Jährige kurz seine Pistole abgelegt.

Diesen Moment hatte eine Tankstellenmitarbeiterin genutzt um die Waffe zu nehmen, zwei Mechaniker konnten den Amokläufer kurz darauf überwältigen. Insgesamt gab dieser der Staatsanwaltschaft zufolge mindestens sieben Schüsse ab.

Der 47-Jährige ist Mitglied in einem Schützenverein im mittelfränkischen Heilsbronn - unweit von Ansbach entfernt. Seine Waffen besaß er daher legal. Bei der jüngsten Überprüfung des Sportschützen im Jahr 2013 war den Behörden nichts aufgefallen. "Da war alles in Ordnung", sagte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Der nächste Check wäre turnusgemäß Ende 2016 fällig gewesen.

"Ich kannte ihn, er hat aber zuletzt nicht sehr viel bei uns trainiert", sagte eine Sportschützin des Vereins. "Er wirkte auf mich normal."

Quelle: ntv.de, bdk/AFP/dpa