Panorama

Coronavirus in Berlin Amtsärzte fordern "radikales Handeln"

Ein Arzt trägt ein Stethoskop um den Hals. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild

Amtsärzte fordern radikalere Maßnahmen.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Archivbild)

Wie viele Veranstaltungen müssen nun zum Schutz vor dem Sars-CoV-2-Virus abgesagt werden? In Berlin sind sich Politiker und Virologen nicht einig über das Ausmaß der Maßnahmen. Amtsärzte fordern vom Senat "radikales Handeln". Virologe Drosten fordert derweil mehr finanzielle Mittel für die Gesundheitsämter.

In einem offenen Brief fordern die Berliner Amtsärzte den Senat zu "radikalem Handeln" auf. Alle Veranstaltungen mit Publikum in der Hauptstadt müssten abgesagt, Klubs und Kneipen geschlossen werden. "Wir müssen in der jetzigen Phase alle sozialen Kontakte unterbinden, um die Zahl der Infizierten möglichst niedrig zu halten", sagte Patrick Larscheid, der Amtsarzt von Berlin-Reinickendorf, im Interview mit dem RBB-Inforadio. Er verwies auf den Fall von einem Infizierten, der beim Besuch des Klubs "Trompete" 17 andere Menschen angesteckt hatte.

Lars Schaade, der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts sagte bereits gestern, es gehe darum, "Abstand zwischen die Menschen zu bringen". Unabhängig von den zahlreichen abgesagten Großveranstaltungen sollte sich jeder im Einzelfall überlegen, zu welchen Veranstaltungen er noch gehe. Auch bei Besuchen von Gaststätten solle jeder überlegen, wann er dort hingehe. Das gelte auch für Treffen mit mehreren Menschen im privaten Bereich. "Hier wird an die Eigenverantwortung appelliert."

*Datenschutz

Ein Verzicht auf soziale Kontakte ist vor allem ein persönlicher Einschnitt. Werden allerdings immer mehr Veranstaltungen von den Gesundheitsämtern abgesagt, entstehen für die Ämter immer höhere Regresskosten, denn die Ämter müssen private Veranstalter entschädigen. Die Entscheider in den lokalen Gesundheitsämtern stehen auch deshalb unter einem enormen Druck.

Absagen und die finanziellen Belastungen der Ämter

Charité-Virologe Christian Drosten hat in einem NDR-Podcast gestern gefordert, die Gesundheitsämter auch finanziell besser auszustatten, damit sie frei entscheiden können. "Ich würde mir wünschen, dass es einen staatlichen Fonds speziell für lokale Gesundheitsämter gibt, um die Problematik der Regresspflicht abzumildern", sagte er im Interview mit dem NDR: "Wir haben eine Naturkatastrophe, die in Zeitlupe abläuft und wenn wir diese Zeichen nicht erkennen wollen, dann laufen wir vielleicht in die gleiche Situation rein wie in Italien." Deutschland habe seinen Ausbruch früh erkannt und müsse aus diesem Vorsprung jetzt aber auch etwas machen, erklärte der anerkannte Virologe, der auch die Bundesregierung berät.

*Datenschutz

"Das müssen sich jetzt alle klarmachen, ganz besonders die Entscheidungsträger. Das sind nicht nur Politiker, sondern auch Personen in Ämtern, die einfach Courage zeigen müssen", sagte Drosten weiter. Der Experte bekräftigt immer wieder die Dringlichkeit, denn wenn weiter zu wenig getan werde, werde es in vier Wochen in Deutschland genauso schlimm sein wie aktuell in Italien. In seinem heutigen Podcast erklärt Drosten erstmals, dass seiner Meinung nach auch Schulschließungen ein geeignetes Mittel seien, um die weitere Virusausbreitung einzudämmen. Bis vor Kurzem hatte er sich noch gegen die Schließung von Schulen und Kitas ausgesprochen.

Quelle: ntv.de, sgu