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Samstag, 11. Juli 2015

Gewalttat in Mittelfranken: Ansbacher Amokläufer tötete im Wahn

Er fuhr in seinem silbernen Cabrio und erschoss gezielt zwei Menschen. Jetzt legt ein Gutachten den Schluss nahe, dass der Amokläufer während der Tat unter einer "akuten Psychose" litt.

Nach dem verstörendem Amoklauf von Leutershausen suchen die Ermittler nach Hintergründen und Motiven. Laut Staatsanwaltschaft geht die Tat mit zwei Toten wohl auf eine gravierende psychische Erkrankung zurück. Nach einer ersten Untersuchung durch einen psychiatrischen Sachverständigen gebe es den Verdacht auf eine "akute Psychose mit einem bizarren Wahnsystem" bei dem Beschuldigten, teilte die Staatsanwaltschaft Ansbach mit. Nach derzeitigen Erkenntnissen gebe es "dringende Gründe" für die Annahme, dass seine Schuldfähigkeit zur Tatzeit "zumindest erheblich vermindert" gewesen sei.

Waffenschein - Waffenbesitzkarte

Wer einen Waffenschein besitzt, darf eine geladene Schusswaffe in der Öffentlichkeit am Körper tragen. Dieses Dokument ist einem kleinen Kreis von Personen vorbehalten.
Die Waffenbesitzkarte erlaubt zwar den Erwerb und den Besitz, nicht aber das Führen von Waffen. Ständig bei sich tragen darf man die Waffe also nicht, die Karte berechtigt aber zur geregelten Nutzung - bei Sportschützen etwa im Schützenheim.

Zu einer abschließenden Diagnose sind demnach noch weitere Untersuchungen nötig. Das Gutachten des Sachverständigen liege vermutlich frühestens in zwei bis drei Monaten vor.

Laut Staatsanwaltschaft gab der Beschuldigte vor einem Ermittlungsrichter an, Krankenpfleger zu sein und seit ein bis zwei Monaten keinen Job zu haben. Zu dem Amoklauf vom Vortag, dem eine 82 Jahre alte Frau und ein 72 Jahre alter Mann zum Opfer gefallen waren, äußerte er sich nicht. Daher blieb auch das Motiv des mutmaßlichen Täters weiter im Dunkeln.

Täter war kein Mitglied im Schützenverein

Bekannt ist indes, dass der Mann eine Waffenbesitzkarte hatte. Er besaß seine Pistole und seinen Revolver somit legal, hätte sie aber nur in einem Schützenheim benutzen und nicht ungesichert in der Öffentlichkeit mit sich führen dürfen. Zu den örtlichen gehört der mutmaßliche Täter aber nicht. "Der ist in ganz Ansbach nicht bekannt", sagte Norbert Rzychon vom SV Germania 1882. Wenige Stunden nach der Tat hätten sich die Vereine aus Ansbach und den Ortsteilen zusammengeschaltet - doch niemand kannte den Mann, der nach Angaben der Ermittler aus Ansbach stammt.

Der Ermittlungsrichter erließ einen Unterbringungsbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes in zwei Fällen, des versuchten Mordes in zwei Fällen sowie der Bedrohung und der Nötigung. Der 47-Jährige wurde anschließend statt in ein Gefängnis in das Bezirkskrankenhaus Ansbach gebracht.

Die Ermittlungen laufen derzeit weiter, 25 Beamte sind für den Fall abgestellt. Am Montagnachmittag will die Staatsanwaltschaft über den Stand in einer Pressekonferenz informieren.

Quelle: n-tv.de