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Tochter siegt vor Gericht Arzt muss Samenspender nennen

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Eine 80- bis 100-fache Vergrößerung der Befruchtung einer Eizelle mit einer Injektionspipette. Die darüber liegende Injektionspipette mit einem Durchmessser von 5 Mikrometer ist in Originalgröße zu sehen.

(Foto: dpa)

Das Urteil könnte Signalwirkung haben: Die 21-jährige Tochter eines anonymen Samenspenders erstreitet vor dem Oberlandesgericht Hamm das Recht, den Namen ihres Vaters zu erfahren. Der beklagte Arzt teilt mit, dass die Daten zu dem Fall nicht mehr vorlägen. Das Gericht glaubt ihm aber nicht.

Eine Samenbank muss einem anonym gezeugten Kind den Namen des leiblichen Vaters nennen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm in einem wegweisenden Urteil entschieden. Geklagt hatte eine 21 Jahre alte Frau, deren Mutter sich auf diese Weise befruchten lassen hatte. Die Richter im westfälischen Hamm werteten das im Grundgesetz festgelegte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit höher als das Recht eines Spenders auf Anonymität. Eine Revision ließ das OLG nicht zu. Der Beklagte kann aber mit juristischen Kniffen beim Bundesgerichtshof noch zu einem Revisionsgrund kommen.

Der beklagte Fortpflanzungsmediziner Thomas Katzorke beruft sich weiter darauf, dass die Daten zu dem Fall nicht mehr vorlägen. Die Unterlagen hätten damals nur zehn Jahr aufbewahrt werden müssen, sagte Katzorke in einer ersten Reaktion auf die Gerichtsentscheidung. Katzorke, der bei der Verkündung der Entscheidung nicht anwesend war, bezeichnete das Urteil als "rein theoretisch".

Die Richter des Oberverwaltungsgerichts nahmen dem Mediziner die Argumentation nicht ab. Bei einer Befragung hatte er sich in Widersprüche verstrickt und zugegeben, dass nicht alle Daten vernichtet wurden.

Etwa 100.000 Kinder von Samenspendern

Die Klägerin Sarah P. wollte sich nicht selbst zu ihrem juristischen Erfolg äußern. Der Anwalt der jungen Frau kündigte aber eine Stellungnahme an. Seit rund vier Jahren weiß die 21-Jährige, dass ihr Vater nicht ihr Erzeuger ist. Sie kämpft gemeinsam mit dem Verein Spenderkinder auf juristischem Weg für das Recht, den biologischen Vater kennenzulernen.

Bereits 1989 hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass es zu den Persönlichkeitsrechten eines Menschen gehört, seine genetische Herkunft zu kennen. Erst das Jahr 2007 brachte mit dem Gewebegesetz eine Neuerung: Unterlagen zur Samenspende, die als Gewebeübertragung gilt, müssen jetzt 30 Jahre aufbewahrt werden.

Zur Zahl der Betroffenen in Deutschland gibt es nur Schätzungen. Das Essener Novum-Zentrum für Reproduktionsmedizin, das der jetzt beklagte Mediziner Katzorke leitet, geht von rund 100.000 Kindern anonymer Samenspender aus.

Kinder, die durch einen anonymen Samenspender gezeugt werden, können später eine gesetzliche Vaterschaft anfechten. Für die Spender von Samen an alleinstehende Frauen könnte eine Situation wie nach einem One-Night-Stand entsehen - auch hier mit allen sich daraus ergebenden rechtlichen Konsequenzen wie Unterhalt und Erbschaftsrecht.

Einige Mediziner kritisieren diese Möglichkeit und fordern vom Gesetzgeber unter anderem, die Samenspender von allen Unterhalts- und Erbschaftsansprüchen freizustellen.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts