Panorama

Lange Haftstrafen verhängt Ärzte-Ehepaar ermordet seine Kinder

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"Es war der Wille, die Kinder zu töten", sagte der Vorsitzende Richter, der den grausamen Mord durch den Vater als erwiesen ansah.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit Hammer und Messer tötet ein Mann seine beiden Kinder. Dann zünden er und seine Frau das gemeinsame Haus an, weil ihnen eine Zwangsvollstreckung droht. Auch sich selbst wollen die Zahnärzte umbringen. Doch sie überleben - und werden jetzt vom Landgericht Darmstadt verurteilt.

Ein Ehepaar aus Hessen soll wegen Mordes an seinen beiden Kindern für lange Zeit in Haft. Das Landgericht Darmstadt verurteilte den 59-jährigen Mann wegen zweifachen Mordes und schwerer Brandstiftung zu einer lebenslangen Haftstrafe. Zudem sah die Kammer in seinem Fall eine besondere Schwere der Schuld, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Praxis so gut wie ausschließt. Die Ehefrau wurde wegen Beihilfe zum zweifachen Mord und schwerer Brandstiftung zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Motiv und Auslöser der grausamen Tat war die bevorstehende Räumung des zwangsversteigerten Hauses der Familie. Sie bildete das Ende einer Kette in einem Insolvenzverfahren des Zahnärzte-Paares, das zuvor in Wohlstand gelebt hatte. Die beiden sollen beschlossen haben, das Haus anzuzünden und mit der zehnjährigen Tochter und dem 13-jährigen Sohn zu sterben. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Vater in der Nacht zum 31. August 2018 seine schlafenden Kinder mit einem Hammer erschlagen, dann erstochen und anschließend die Betten mit den Leichen angezündet hat.

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Der Plan, sich bei laufendem Motor mit Kohlenmonoxid zu vergiften, ging für das Ehepaar nicht auf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Anschließend haben die Eltern das Haus in Brand gesetzt. Daraufhin sollen sie versucht haben, sich in ihrem Auto bei laufendem Motor durch eine Kohlenmonoxidvergiftung selbst zu töten. Zuvor hatten sie Schlaftabletten genommen. Einsatzkräfte entdeckten die Eltern und konnten sie retten.

Es seien brave, sportliche Kinder gewesen, jetzt seien sie tot, sagt der Vorsitzende Richter Volker Wagner. "Getötet durch die Hände ihres Vaters, eines Arztes." Es sei ein Gefühl der Ausweglosigkeit gewesen. "Es war der Wille, die Kinder zu töten", so Wagner. Der 59-Jährige habe dies bei vollem Bewusstsein getan.

Ehefrau schiebt Verantwortung auf ihren Mann

Die Staatsanwaltschaft hatte für beide Angeklagten eine lebenslange Haft wegen Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen gefordert. Der Anwalt des Vaters forderte eine mehrjährige Haftstrafe, ohne ein genaues Strafmaß zu nennen. Er wertete die Tat als Mord, weil der geständige Angeklagte die schlafenden Kinder erschlagen und erstochen hat. Sein Mandant sei allerdings vermindert schuldfähig gewesen, weil er zuvor Schlaftabletten genommen habe. Dieser Auffassung folgten die Richter nicht.

Der Zahnarzt räumte im Prozess das Gewaltverbrechen ein, seine Ehefrau schob die Verantwortung auf ihren Mann. Ihre Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und will jetzt Revision einlegen. Richter Wagner aber sieht beide in der Schuld. Er schlug zu, sie duldete wissentlich das Verbrechen. Der 59-Jährige wird von einem Gutachter als Egomane ohne viel soziale Reflexion beschrieben. Sein Leben war demnach von Besitztümern und Statusgehabe geprägt. In einer ersten Vernehmung soll er darauf bestanden haben, mit "Dr. Dr." angesprochen zu werden.

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Das Haus, ein Motorboot, geleaste Sportwagen, 2800 Paar Damenschuhe - selbst in seinen Aussagen vor Gericht waren die Besitztümer und das seiner Meinung nach ungerechte Insolvenzverfahren immer zuerst Thema, bevor er über die Kinder sprach. In der Tatnacht gewann dann offensichtlich die Angst vor dem sozialen Abstieg die Oberhand vor allen anderen Gefühlen.

Typisch für einen Narzissten

Während die 47-Jährige vor Gericht zu Protokoll gab, sie habe ihren Kindern ein positives Lebensgefühl jenseits materieller Werte vermitteln wollen, konnte er diesen Gedanken wohl nicht ertragen. Nach Aussagen eines Gutachters gab der Familienvater an, dass sich in der Nacht vor seinem inneren Auge immer und immer wieder ein Film abspulte: Er sah, wie die Kinder vor den Augen des grinsenden Insolvenzverwalters mit einem Köfferchen das Haus verlassen müssen.

"Intelligenz steht archaischem Verhalten nicht entgegen", urteilt Richter Wagner. Die Erfahrung zeige: Wenn die Situation passe, könne jeder Mensch aus noch so nichtigem Grund einen anderen Menschen umbringen. Typisch für einen Narzissten habe der Angeklagte sein Verhalten auf seine Frau projiziert. Und sie sei stets folgsam bis zum Schluss gewesen, sie habe mitgemacht, weil sie nicht mehr gewusst habe, wie sie aus der Situation herauskommen sollte. "Dafür konnten ihre Kinder nichts, gar nichts", sagt Wagner.

Quelle: n-tv.de, aeh/AFP/dpa