Panorama

Unbedeutende Probleme am Reaktor? Atom-Eisbrecher muss umkehren

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Schiffsverkehr vor Murmansk: Der Hafen im Nordwesten Russlands bleibt dank der Wirkung des Golfstroms eisfrei.

(Foto: REUTERS)

Beunruhigende Nachricht aus dem Nordpolarmeer: Vor der Küste Sibiriens kämpft die Besatzung eines russischen Atom-Eisbrechers mit Problemen am Nuklearantrieb. Das Schiff bricht seine Reise ab und steuert den Heimathafen Murmansk an.

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Russische Technik im Hafen von Murmansk: Auf der Bordwand des ebenfalls atomar angetriebenen Eisbrechers Jamal prangt ein mittlerweile veraltet wirkendes Symbol des Fortschritts (Beispielbild).

(Foto: REUTERS)

Im Nordpolarmeer vor der Küste Sibiriens ist der atomare Antrieb eines russischen Eisbrechers leck geschlagen. Auf dem Schiff "Taimyr" sei ein "unbedeutender Anstieg" von Radioaktivität gemessen worden, teilte Russlands staatlicher Atomflottenbetreiber Rosatomflot mit.

Den Angaben zufolge trat eine geringe Menge Radioaktivität aus. Es bestehe aber keine Gefahr für die Besatzung, sagte eine Rosatomflot-Sprecherin. Auf der für nukleare Ereignisse sei der Zwischenfall mit 0 eingestuft worden. Notfalls könne die "Taimyr" auch mit Diesel betrieben werden, hieß es.

Der Vorfall ereignete sich demnach in der Nähe der Küste als das Schiff aus der Mündungsregion des Flusses Jenissej in die Karasee ausgelaufen sei. Der Eisbrecher, der im Nordpolarmeer kreuzt, sei daraufhin in seinen Heimathafen in der Stadt Murmansk zurückbeordert worden, hieß es. Dort soll das Leck näher untersucht werden.

Hält die Kühlung durch?

"Wenn sich die Situation verschlechtert, wird das Reaktorsystem heruntergefahren", erklärte Rosatomflot weiter. Anschließend werde der vorgesehene Kühlungsprozess einsetzen. Die Mündung des Jenissej liegt in der Luftlinie rund 1000 Kilometer entfernt.

Der Vorfall habe keine Sicherheitsrelevanz, teilte Rosatomflot mit. Zur Zahl der Besatzungsmitglieder auf dem Schiff äußerte sich Rosatomflot nicht.

Russland betreibt bereits seit den 1980er Jahren eine Flotte atomar betriebener Eisbrecher. Die robust ausgelegten Schiffe sind in der Regel mit zwei voneinander unabhängigen Reaktoren mit eigenen Kühlkreisläufen ausgestattet. Bei der "Taimyr" handelt sich dagegen offenbar um einen Flusseisbrecher mit nur einem Reaktor.

Durchs Eis mit hundertausend PS

Im Bauch der Eisbrecher kommt dabei Technik aus dem militärischen U-Bootbau zur Anwendung: Für diese Zwecke hatten die Ingenieure auf beiden Seiten des Atlantiks besonders kompakte und autark arbeitende Nuklearanlagen entwickelt. Zusammen

Die russischen Atomeisbrecher verfügen mit ihren verstärkten Rümpfen und der zusätzlichen Ausstattung über die höchste Eisklasse. Der Nuklearantrieb macht sie nicht nur besonders leistungsstark, sondern auch weitgehend unabhängig von der Brennstoffversorgung. Sie wurden entworfen, um die Schifffahrtswege im Norden Russlands möglichst ständig befahrbar zu halten.

In der Nordpolarregion liegen nicht nur wichtige Wirtschaftszentren des Landes, deren Versorgung über Häfen wie Murmansk läuft. Das Eismeer gilt mit seinen dem Festland vorgelagerten Inseln auch als besonders rohstoffreich. Die großen Ströme Sibiriens sind - zumindest im Sommer - bis weit ins Hinterland schiffbar.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa