Panorama

"Stop Taxing My Period!" Australien überdenkt Tampon-Steuer

In vielen Ländern gelten Tampons als Luxusartikel. Auch in Deutschland. Sie werden höher besteuert als Toilettenpapier - oder auch Tierfutter. In Australien regt sich wegen der hohen Steuersätze Widerstand, die Regierung wird wohl einlenken.

tampon.jpg

Tampons sind längst keine Luxusprodukte mehr.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer in Deutschland Tampons oder Babywindeln kauft, muss 19 Prozent Mehrwertsteuer bezahlen. Für Toilettenpapier werden indes nur 7 Prozent fällig. Das ist ungerecht, heißt es nicht selten. Auch in anderen Ländern wird dieses Thema diskutiert. Australien könnte nun Vorreiter in Fragen der Steuergerechtigkeit werden. Denn nach Protesten gegen die sogenannte Tampon-Steuer will Finanzminister Joe Hockey die Abgabe überdenken.

Hygieneartikel für Frauen wie Tampons und Binden "sollten wohl" als notwendige Produkte gelten und deshalb von der fraglichen zusätzlichen Mehrwertsteuer ausgenommen sein, räumte Hockey ein. Eine entsprechende Änderung müsse aber von den regionalen Regierungen unterstützt werden, weil diese von den Steuereinnahmen profitierten.

Der Minister kündigte an, das Thema im Juli bei einem Finanzministertreffen auf die Tagesordnung zu setzen. Auch die oppositionelle Labor-Partei erklärte, Schritte hin zu einer Abschaffung der Besteuerung von Tampons und Binden zu unterstützen.

Die australische Studentin Subeta Vimalarajah hatte mit einer Onlinepetition unter dem Motto "Stoppt die Besteuerung meiner Periode!" mehr als 94.000 Unterschriften gesammelt. Vimalarajah argumentierte, dass "Menschen, die die Periode bekommen, Binden und Tampons nicht zum Spaß kaufen - warum also müssen wir alle zwei, drei oder vier Wochen zusätzliche zehn Prozent bezahlen?". Es handle sich "nicht nur um eine sexistische, sondern um eine zutiefst unfaire Steuer".

Die sogenannte Waren- und Dienstleistungssteuer war im Jahr 2000 eingeführt worden. Während Produkte wie Kondome und Sonnenschutzcreme sowie die meisten Nahrungsmittel von der Steuer ausgenommen sind, werden Tampons und andere Hygieneartikel für Frauen besteuert.

Proteste auch in anderen Ländern

Auch in anderen Ländern gibt es ähnliche Aktionen. In Großbritannien wurden bei einer Petition gegen eine Tampon-Steuer von fünf Prozent bereits mehr als 230.000 Unterschriften erzielt, eine Abschaffung ist aber aufgrund von EU-Richtlinien unwahrscheinlich. Ähnliche Petitionen gibt es in Frankreich, Italien, Malaysia und Kanada.

Auch in Deutschland werden 19 Prozent Mehrwertsteuer für Tampons fällig - im Gegensatz zum Tierfutter. Tierfutter wird hierzulande als lebenswichtiges Gut für die Tiere angesehen und daher staatlich gefördert. Tampons gelten hingegen als nicht existentiell wichtig, da man offenbar auch ohne sie überleben kann. Also muss man mehr dafür zahlen. Toilettenpapier steht indes im Verdacht, überlebenswichtig zu sein.

Über den Sinn und Unsinn steuerlicher Vorteile wird auch im Lebensmittelbereich diskutiert. So gilt für Gewürze wie Pfeffer, Majoran oder Basilikum der niedrige Satz, für Würzmischungen der Regelsatz. Krabben und Garnelen belegt der Fiskus mit 7 Prozent, Hummer und Langusten mit 19 Prozent.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP

Mehr zum Thema