Panorama

Kunst per Knopfdruck Automat spuckt Unikate aus

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Letzte Vorbereitungen für die Aufstellung des Automaten laufen.

(Foto: dpa)

Kunst vermutet man in erster Linie in Museen und Galerien - in München aber kommt sie jetzt auch aus dem Automaten. Vier Münchner Design-Studentinnen beobachten, dass viele Menschen zwar schöne Kunst machen, aber keine Ahnung vom Marketing haben. Der "Unikat Automat" schafft Abhilfe.

Bemalte Leinwände, Designer-T-Shirts oder selbst gemachte Ohrringe - am Münchner Hauptbahnhof gibt es vom 28. November an junge Kunst und Designer-Stücke aus dem Automaten, dem „Unikat-Automaten“. Gegründet haben ihn vier Münchner Designstudentinnen der Hochschule München. Im „Unikat-Automaten“ gibt es Selbstgemachtes zum Mitnehmen - 24 Stunden lang. Die Unikate kosten zwischen 10 und 77 Euro.

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Nicht alle Menschen gehen gerne in Ausstellungen.

(Foto: dpa)

Zum Sortiment des zwei Meter hohen Automaten gehören unter anderem die Filzfotografien des 51 Jahre alten Fotografen Anton Kammerl. Sie hängen normalerweise in Galerien, jetzt kann man zwei seiner Motive aus dem Automaten ziehen: eine poppige Comicfigur oder gesichtslose Schaufensterpuppenköpfe. „Ich hoffe, dass mit dem Automaten auch Leute meine Kunst kennenlernen, die nicht in Galerien gehen würden“, sagt Kammerl.

Künstler ohne Marketingwissen

Auf die Idee mit dem Automaten kam die 23 Jahre alte Kommunikationsdesignerin Luisa Jablonski vor zwei Jahren. „Ich habe im Studium gemerkt, dass so viele Leute etwas Kreatives machen, sich aber nicht gut mit Marketing auskennen.“ Die Werke aber, so die Überlegung, bräuchten unbedingt eine Plattform.

Weil Ladenräume und Ausstellungsflächen in der bayerischen Landeshauptstadt, die für ihre hohen Mietpreise berüchtigt ist, für Studenten kaum bezahlbar sind, musste eine günstigere Alternative her: der „Unikat-Automat“. Zusammen mit ihren drei Kommilitonen Nicola Lieke, Miriam Geiger und Jaqueline Häußler machte Jablonski sich im Februar 2010 an die Umsetzung.

Idee sticht heraus

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Nicola Lieke (l) und Luisa Jablonski überzeugen mit ihrer Idee und werden so finanziert.

(Foto: dpa)

„Am Anfang nahm uns niemand ernst. Jetzt sitzen wir jeden Tag im Büro“, sagt sie. Die größte Hürde aber war das Geld. Der Automat mit seinen verschieden großen Fächern sollte ganz speziell angefertigt sein - das kostet. Auch wenn die jungen Frauen ihr ganzes Erspartes hineingesteckt haben - „wir hätten das niemals allein stemmen können“, sagt Lieke. Dann nahte Hilfe des Münchner Unternehmens „Strascheg Center For Entrepreneurship SCE“, das sich nach eigenen Angaben die Unterstützung studentischer Unternehmer auf die Fahnen geschrieben hat. „Die Idee der Mädels ist herausgestochen“, sagt Herbert Gillig vom SCE.

Wenn alles gut geht, soll München nicht der einzige Standort des „Unikat Automaten“ bleiben: „Die Deutsche Bahn hat uns versprochen: Wenn der erste Automat läuft, können wir ihn an vielen Bahnhöfen aufstellen“, sagt Jablonski. In Berlin gibt es bereits seit 2006 etwas Ähnliches: Dort haben Künstler Zigarettenautomaten umfunktioniert und verkaufen darin nun ihre Gedichte, Zeichnungen oder andere Objekte. Im selben Jahr bekam auch Köln das nach Angaben der Macher „kleinste Schaufenster der Welt“. Junge Künstler und Designer stellten mitten in der Stadt eine kleine Glasvitrine auf, in der jeden Tag ein neues Werk gezeigt und angeboten wurde - und nannten das Ganze „Frischware“.

Quelle: n-tv.de, Caroline von Eichhorn, dpa