Panorama

Zum Tod von Amy Winehouse Back to Black

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Ein Bild aus dem Jahr 2007. Lang ist es her.

(Foto: AP)

Ihr Leben: eine Achterbahnfahrt. Talent, Erfolg, Reichtum. Sie hätte alles haben können. Sie sollte für James Bond singen, die Lichtgestalt der Grammys sein, sie hätte den Soundtrack eines Lebensgefühls liefern können, und was hat sie gemacht? Sich in den Abgrund manövriert. Verdammt!

Was für Meldungen: Hungerkatastrophe in Afrika, dort stirbt alle sechs Minuten ein Kind, ein Verrückter schlachtet über 80 Jugendliche auf einer norwegischen Insel ab und legt Bomben in Oslo. Und dann kommt die Nachricht, dass sich eine der talentiertesten Sängerinnen unserer Zeit in den Abgrund ge ..., ja was denn eigentlich? Gesoffen hat? Gehungert hat? Geliebt hat? Gelebt hat? Jetzt ist Amy Winehouse tatsächlich tot, und es ist nicht so, dass man es nicht hätte sehen können. Trotzdem ist die Nachricht auch unfassbar, denn heutzutage sind wir jung, schön und gefälligst glücklich und erfolgreich!

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Welche Dämonen haben in ihr gewohnt?

(Foto: REUTERS)

Sie sang diese Lieder, die von Erfahrung, Unglück, Melancholie, Tod und Leid erzählten: "Back To Black", "Love Is A Losing Game", "Tears Dry On Their Own", um nur einige, besonders schöne, besonders wichtige zu nennen. Überhaupt schön: Schön im üblichen Sinne war sie vielleicht nicht, aber sie war besonders. Schön war vor allem ihre Stimme, die konnte einiges wettmachen. Immer hoffte man, dass sie weitersingen würde, dass sie nicht von der Bühne sackt, dass sie sich an den Text erinnert, der im Übrigen auch fast immer schön war, außergewöhnlich, weise, erfahren, zum Nachdenken. Schön war auch diese rotzige Art, wie sie auf der Bühne stand, manchmal ungewollt sexy (leider schon lange nicht mehr), aber immer mit dieser grandiosen Scheißegal-Attitüde. Genial, weil diese Stimme dahinter steckte und kein hohles Gekreische. Schade, schade, schade.

Tears in Heaven

Warum hat sie keiner retten können? Warum nicht die Eltern, nicht die Freunde (hatte sie welche?), nicht die Fans? Nicht ihr Erfolg? Ist es nicht das, was wir alle wollen? Wie oft wünscht man sich, so singen zu können wie eine Amy Winehouse, den Mut zu haben, auf eine Bühne zu steigen und das zu tun, worauf man Lust hat? Sie hätte alles haben können, warum hat sie es sich nicht genommen? Diese Frage ist deswegen so brutal, weil sie einfach nicht zu beantworten ist. Vor ihr hat es schon andere in den zu frühen Tod gezogen, zynisch könnte man nun sagen: "Willkommen im Club der Siebenundzwanzigjährigen", wo schon Janis Joplin, Brian Jones, Jimi Hendrix, Jim Morrison und Kurt Cobain auf Wolke 7 auf sie warten, um "Tears In Heaven" zu singen.

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Maximale Katastrophe für Eltern: Das Kind stirbt zuerst.

(Foto: dpa)

Vor kurzem musste sie ihre Tournee absagen: Sie hatte eine "Rehab" hinter sich, alle hatten gehofft, dass sie den Strapazen, aber auch den Freuden einer großen Tournee gewachsen sein würde, und dann hat sie auf der Bühne versagt. Gestottert, falsch gesungen, die Backgroundsänger singen lassen, getorkelt. Sie wurde ausgebuht. Sicher wollten ihre Fans ihr damit nicht sagen, dass sie nichts wert ist, dass sie sie nicht mehr lieben, sie wollten nur ihre Enttäuschung damit zum Ausdruck bringen, dass ihr Star es einfach nicht schaffte, sich in den Griff zu bekommen.

Wir haben auf das dritte Album gewartet - jetzt wird es wohl bald ein "Best of" geben. Drogen können einen grausamen Kreislauf auslösen. "Stronger Than Me", sang sie auf ihrem Album "Frank" - die schlimmste Vorahnung ist wahr geworden.

Quelle: ntv.de