Panorama

Schiefer als in Pisa Bad Frankenhausens Turm gerettet

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4,60 Meter weicht die Spitze vom Lot ab - das ist spitze.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er ist einzigartig: Am Fuße des Kyffhäuser Denkmals steht der höchste schiefe Turm Europas. Nach jahrelangem Kampf ist dieser vor dem langsamen Einsturz bewahrt.

Deutschlands höchster schiefer Turm ist gerettet. Aus dem Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" fließen für den Erhalt des Kirchtums im thüringischen Bad Frankenhausen 950.000 Euro, wie die Stadt berichtet. "Ich bin unfassbar froh darüber, dass uns die Rettung in letzter Minute geglückt ist. Dass der Bund unseren Schiefen Turm sogar als Baudenkmal mit besonderer nationaler Wahrnehmbarkeit, städtebaulichen Qualitäten und überdurchschnittlicher Qualität eingestuft hat, erfüllt uns mit großem Stolz", sagte Bürgermeister Matthias Strejc.

Der 56 Meter hohe Kirchturm neigt sich nach Angaben der Stadt 4,60 Meter und weicht damit einen halben Meter mehr vom Lot ab als der Schiefe Turm in Pisa. Grund sind den Angaben zufolge Hohlräume im Untergrund. Im Jahr 1920 hatte die Schieflage 2,21 Meter betragen. Mit erheblichen Mitteln konnte seit der Wende die einseitige Absenkung beinahe gestoppt werden - von anfangs gut sechs Zentimeter jährlich.

Mit dem Bescheid des Bundes kommt nun offenbar eine seit Jahren andauernde Rettung zu einem Abschluss. Die Kommune hatte das Kirchgebäude vor einigen Jahren von der Evangelischen Landeskirche für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen. Immer wieder in den vergangenen Jahrzehnten war sogar der Abriss erwogen worden. Die Landeskirche überließ Ende 2011 der Kommune zudem 150.000 Euro, die für den Abriss vorgesehen waren. Für die Stabilisierung hatten Experten Kosten zwischen 800.000 und 1,1 Millionen Euro veranschlagt. Ziel der Stadt ist es, den Turm mit einer Art Stahl-Korsett zu stabilisieren.

Die Kommune war in der Folge mehrfach mit Anträgen für finanzielle Hilfen beim Land gescheitert. Mit etlichen Aktionen sammelte die Stadt am Fuße des Kyfffhäuser Denkmals Geld. Mit dem Turm als Wahrzeichen soll der Tourismus angekurbelt werden.

Das Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" ist der Stadt zufolge in diesem Jahr erstmals ausgeschrieben worden. Das Gesamtvolumen belaufe sich auf 50 Millionen Euro. Insgesamt seien in 271 Anträgen 900 Millionen Euro Fördermitteln beantragt worden - womit das Programm mehr als 18-fach überzeichnet gewesen sei.

Quelle: n-tv.de, jwu