Panorama

Eine Stadt erlebt die Flut als Alltag Bad Schandau, immer wieder Bad Schandau

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Aufnahme aus Bad Schandau aus dem Jahr 2010: Jetzt haben die Menschen hier vorgesorgt.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Bad Schandau sind die Menschen Kummer gewohnt. Kaum ein Ort in Sachsen ist so oft vom Hochwasser betroffen: Schon 2002, 2006 und 2010 traten Elbe respektive Kirnitzsch über die Ufer. Auch dieses Jahr erwarten die Menschen hier wieder die Flut. Doch Bad Schandau ist vorbereitet.

"Humor ist das Letzte, was wir verlieren", sagt Andreas Eggert. Der Bürgermeister von Bad Schandau hat nachgerechnet. Jedes Mal, wenn es eine Fußballweltmeisterschaft gab, wurde seine Stadt in den vergangenen Jahren vom Hochwasser heimgesucht - 2002, 2006 und 2010. Und jedes Mal hatte die deutsche Nationalelf keine Chance. Das trifft freilich auch auf Bad Schandau zu. Die Elbe fließt mitten durch den Ort, der Stadtteil Krippen liegt auf der anderen Seite. Nach Eggerts Rechnung kommt die Flut ein Jahr zu früh, dafür wird es fast genauso heftig wie 2002. Damals stand das Wasser 3,90 Meter hoch auf dem Markt und reichte bis zum ersten Obergeschoss - jetzt sind 3 Meter vorausgesagt.

Wie lebt es sich in einer Stadt, die "Jahrhunderthochwasser" im Abstand von elf Jahren erlebt? Wenige Stunden vor dem Eintreffen des Scheitels wirkt der Marktplatz wie ausgestorben. Doch die Menschen in Bad Schandau haben schon seit Tagen vorgesorgt. Die Geschäfte am Markt sind leer geräumt. Constanze Skersies vom Friseurgeschäft Salon Conny hat sich entschlossen, auch die Deckenlampen noch abschrauben zu lassen. Das ganze Inventar steht in der über dem Salon liegenden Wohnung und auf dem Dach. "Man hofft ja immer, dass es nicht ganz so schlimm wird", sagt die Friseurmeisterin. An ruhigen Schlaf sei dennoch nicht zu denken: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Die Hilfsbereitschaft anderer ist für Frau Skersies Trost.

Touristen verlassen die Stadt

Schräg gegenüber auf dem Markt steht das Hotel "Elbresidenz" es gilt als das beste Haus am Platz. Das Hotel war noch am Wochenende ausgebucht, Feinschmecker hatten sich zu einem Gourmet-Festival namens "Genussfusion" eingefunden. Die Wetterprognosen verdarben vielen Gästen den Appetit, sie reisten eher ab. Die letzten verließen am Montag Bad Schandau, da schwappte das Wasser schon langsam auf den Markt. "Die Gäste haben mit viel mitleidigem Verständnis reagiert", berichtet Hoteldirektor Matthias Opitz. "Man ist down. Ich habe in den letzten 48 Stunden nur zwei geschlafen", sagt der Chef. Wenn alles gut gehe, könne er das Haus vielleicht schon in einem Monat wieder eröffnen.

Opitz hat die Empfangshalle geräumt und auch die teuren Garnituren nach oben gebracht. Nur die eingebauten hölzernen Unterlagen blieben stehen. "Das ist jetzt nur noch Holzklasse", witzelt ein Arbeiter, der bei der Sicherstellung der Möbel half. Bei der Flut 2002 war das Hotel noch nicht saniert und eröffnet. Jetzt hat Opitz metallene Spundwände an seinem Haus anbringen lassen. Sie sind aber gerade mal halb so hoch wie die jetzt vorhergesagten Wasserstände.

Von Flut zu Flut wird Bad Schandau kleiner

Bürgermeister Eggert sagt, dass man einen Ort wie Bad Schandau im engen Tal der Elbe nicht wirklich schützen kann. Eine Flutmauer würde nicht nur die finanziellen Dimensionen sprengen. Doch die Bürger hätten aus dem Hochwasser von 2002 viel gelernt, weshalb nun die Schäden viel geringer ausfallen dürften. Teure Technik sei nicht mehr im Keller oder im Erdgeschoss installiert worden, außerdem habe man bei der Sanierung besser geeignete Baumaterialien verwendet.

Dennoch befürchtet Eggert als Folge des neuerlichen Hochwassers einen weiteren Aderlass für die Stadt. Nach der Flut 2006 hätten etwa 100 Bürger entnervt aufgegeben und die Stadt verlassen. "Wer bisher durchgehalten hat, dem geht vielleicht jetzt die Kraft aus."

Quelle: ntv.de, Jörg Schurig, dpa