Panorama

Weitere Waggons ohne Klimaanlage Bahn kämpft gegen den Sommer

Die Bahn steht in der Hitzewelle am Pranger. Nach massiven Problemen am Wochenende will der Konzern die Kühltechnik der ICE-Züge besonders überprüfen. Bundespolizei und Eisenbahn-Bundesamt nehmen Untersuchungen auf.

2s2i0340.jpg6361718601059733948.jpg

Protest gegen das Mammutprojekt "Stuttgart 21" am vergangenen Wochenende. Für den Umbau des Bahnhofs werden Milliarden ausgegeben - für funktionierende Klimaanlagen ist kein Geld da.

(Foto: dpa)

Das Hitzechaos bei der Deutschen Bahn hält an. Nach den Worten eines Bahn-Sprechers gab es über die drei Totalausfälle der Klimaanlage hinaus in weiteren Zügen in einzelnen Waggons einen Ausfall der Klimaanlage. Um wie viele weitere Züge es sich handle, könne er aber nicht sagen.

Dem Sprecher zufolge erhielten die Zugchefs und Zugbegleiter inzwischen die verbindliche Anweisung, bei einem Totalausfall der Klimaanlage den Zug am nächstmöglichen Bahnhof zu stoppen. Bei einem Teilausfall liege es im Ermessen des Zugchefs, ob der Zug weiterfahren kann.

Am Samstag war in drei ICEs die Klimaanlage komplett ausgefallen, weshalb zwei der Züge in Hannover und einer in Bielefeld geräumt werden mussten. In Bielefeld kamen neun Schülerinnen und Schüler von zwei verschiedenen Schulen dehydriert ins Krankenhaus, alle Verletzten konnten die Krankenhäuser aber wieder verlassen.

Über 40 Grad im IC nach Amsterdam

In mehreren Wagen eines IC von Berlin nach Amsterdam sei die Klimaanlage ausgefallen, sagte eine Augenzeugin der Deutschen Presse-Agentur. Nachdem der Zug mehrmals die Fahrt unterbrechen musste, sei er in Hannover komplett gestoppt worden. "In einigen Wagen herrschten Temperaturen von über 40 Grad", sagte die Reisende Kathrin Wunderer, die mit vier Kindern ins westfälische Rheine unterwegs war. Einige ältere Fahrgäste seien in Wagen mit funktionierender Klimaanlage umgesetzt worden. "Kollabiert ist niemand."

2s3n5111.jpg588602324612469436.jpg

Neun Schüler mussten nach der Zugfahrt behandelt werden.

(Foto: dpa)

Ein angekündigter Ersatzzug, der in Hannover bereitgestellt werden sollte, sei gestrichen worden. Die Fahrgäste wurden auf eine Regionalbahn nach Hamm verwiesen. "Die war aber überfüllt, da standen die Leute wie die Ölsardinen in den Gängen. Ein

Zusteigen war nicht möglich", berichtete Wunderer. Viele Fahrgäste mussten dann am Bahnsteig warten. "Die Stimmung unter den Reisenden war matt. Sie hatten keine Energie mehr, um sich aufzuregen."

Staatsanwalt und Bundesamt ermitteln

Für die Bahn hat das Hitzechaos ein Nachspiel. Wegen des Verdachts auf fahrlässiger Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung ermittelt die Bielefelder Staatsanwaltschaft gegen Bahn-Verantwortliche.

Wie ein Sprecher der Bundespolizei in Münster sagte, wurden Ermittlungen gegen namentlich noch nicht bekannte Bahn-Verantwortliche wegen des am Samstag in Bielefeld gestoppten ICE eingeleitet. Für diese Ermittlungen habe die Bundespolizei mit der Befragung von Zeugen begonnen. Außerdem müsse eine technische Untersuchung durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) abgewartet werden.

2s3m4643.jpg4479867765202186525.jpg

In gleich mehreren Zügen waren die Klimaanlagen ausgefallen.

(Foto: dpa)

Ein Sprecher des Eisenbahnbundesamtes sagte, es seien Untersuchungen eingeleitet worden, wie es zum Ausfall der Klimaanlage in mehreren Zügen kommen konnte. Dabei sollten sowohl die Fahrzeuge als auch die betrieblichen Abläufe untersucht werden.

Ramsauer verharmlost

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) forderte Konsequenzen, warnte aber davor, die Probleme "zu einer nationalen Tragödie hoch zu stilisieren". Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, die Klimaanlagen-Defekte seien ein hausgemachtes Problem. "Es waren alles Züge des Typs ICE 2. Das sind Züge, die jetzt 15 Jahre alt sind", sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Eine Generalüberholung sei dringend nötig. Die Bahn hatte bereits zuvor eine Modernisierung der ICE-2-Flotte für rund 100 Millionen Euro angekündigt.

Fatal sei der Umgang mit Störungen, sagte Naumann. "Was die Bahn noch immer nicht gelernt hat, ist, mit Krisen umzugehen", sagte Naumann. "Wenn es kritisch wird, muss man einen Zug auch mal anhalten und nicht nur, wenn er nicht weiterfahren kann, sondern auch, wenn im Inneren Dinge des Komforts nicht mehr stimmen."

Quelle: ntv.de, AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.