Panorama

Problembaustelle im Rheintal Bahn verlängert Sperrung bei Rastatt

60c0786db5b740bb461b0590f4808008.jpg

Deformierte Gleise wie nach einem Erdbeben: An der Tunnelbaustelle bei Rastatt bleibt die Strecke noch mehrere Wochen gesperrt.

dpa

Die Sicherungsarbeiten an der Tunnelbaustelle bei Rastatt sind komplizierter als erwartet: Auf der für den Schienenverkehr wichtigen Nord-Süd-Trasse rollt der Verkehr wohl erst wieder im Herbst. Die 18 Millionen Euro teure Tunnelbohrmaschine wird begraben.

Das Notkonzept der Deutschen Bahn muss länger in Kraft bleiben als gedacht: Die für den Personen- und Güterverkehr wichtige Nord-Süd-Trasse Rheintalbahn kann neuesten Erkenntnissen zufolge voraussichtlich erst am 7. Oktober wieder freigegeben werden. Das teilten die Deutsche Bahn und die Arbeitsgemeinschaft Tunnel Rastatt in Karlsruhe mit. Bislang war von einer möglichen Freigabe bis Mitte September die Rede.

Damit führt der drohende Tunneleinsturz bei Rastatt im Bahnverkehr weiter zu massiven Behinderungen. Derzeit müssen bis zu 200 Güterzüge täglich sowie viele Fernverkehrszüge großräumig umgeleitet werden. Für Bahnreisende setzt die Bahn zwischen Baden-Baden und Rastatt Busse ein, bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Die Rheintalbahn ist eine der meistbefahrenen Verbindungen Deutschlands und eine der wichtigsten Gütertrassen im innereuropäischen Schienenverkehr.

Erdrutsch im Tunnel

Auslöser für die Komplettsperrung war ein unvorhergesehener Zwischenfall bei den Arbeiten an einem Tunnel bei Rastatt: Am 12. August war es dort zu massiven Komplikationen gekommen. Beim Vortrieb des Tunnels war die nur fünf Meter unter der Erdoberfläche arbeitende Tunnelbohrmaschine in Schwierigkeiten geraten: Tunnelsegmente verschoben sich, Wasser und Erdreich drangen in den Tunnel ein.

Über der Baustelle entstand eine Bodensenke unter den Gleisen der Rheintalbahn. Die Schienenstrecke sackte auf einer Länge von mehreren Metern ab und musste sofort komplett gesperrt werden. "Der Zugverkehr konnte rechtzeitig vor Eintritt des Schadens gestoppt werden", heißt es dazu bei der Bahn. Das Sicherheitskonzept an der Baustelle habe sich bewährt, betonte die Bahn. Die Gleise wurden demnach ständig überwacht. Zudem gab es eine ständige Verbindung zwischen den Arbeitern im Tunnel und dem für die Strecke zuständigen Fahrdienstleiter.

Notmaßnahmen zur Stabilisierung

7df7eec7af8688f5a377b39f7d94bef5.jpg

Krater unter den Gleisen: Ohne das Sicherungskonzept der Bahn hätte es hier zu Schlimmeren kommen können.

(Foto: dpa)

Um den einsturzgefährdeten Bereich zu sichern, leiteten Experten zunächst als Notfallmaßnahme rund 2000 Kubikmeter Flüssigbeton in den Tunnel. Der dadurch entstehende "Propfen" sollte den beschädigten Abschnitt vom restlichen Tunnel trennen und stabilisieren. "Da der Tunnel aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden darf, müssen alle Maßnahmen 'von außen' vorgenommen werden", teilte die Bahn mit.

Für den europäischen Schienenverkehr ergaben sich aus dem Vorfall massive Konsequenzen: Die Rheintalbahn ist ein Nadelöhr im europäischen Schienengüterverkehr. Zeitweise staute sich der Güterverkehr nach der Havarie der Tunnelbohrmaschine zwischen den Seehäfen Rotterdam und Genua. Die Bahn leitete die Züge nach und nach auf anderen Strecken um.

Unter Hochdruck arbeiteten die beteiligten Baufirmen, Sachverständige und Gutachter an einem Zeitplan zur Stabilisierung des Untergrundes im Bereich des Tunnels und zur Wiederherstellung der über der Baustelle verlaufenden Bahnstrecke.

Betonsarg für die Bohrmaschine

Wie die Bahn mitteilte, soll gemäß des neuen Plans ein 150 Meter langer Tunnelabschnitt mit rund 10.000 Kubikmetern Beton ausgefüllt werden. Dann soll eine 120 Meter lange und einen Meter dicke Betonplatte gegossen werden, auf der dann neue Gleise verlegt werden. Im Prinzip müssen die Ingenieure eine komplette Betonbrücke ohne Stützen quer über den einsturzgefährdeten Bereich legen.

Die Verfüllung der beschädigten Tunnelröhre soll bis Freitag abgeschlossen sein. Dabei wird auch die 18 Millionen Euro teure Tunnelbohrmaschine einbetoniert. Alleine der Bau der Bodenplatte werde dann drei Wochen dauern. "Wir sind überzeugt, dass dieser Zeitplan eingehalten wird", sagte der Bahnvorstand für Großprojekte, Dirk Rompf.

Anwohner dürfen zurückkehren

Die Rheintalbahn besteht seit 150 Jahren. Die 182 Kilometer lange Strecke Karlsruhe-Basel wird derzeit umfassend ausgebaut. Im Zuge dieses Neu- und Ausbauprojekts zur Erweiterung europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes soll ein Teil der Strecke durch einen Tunnel verlaufen, um die Stadt Rastatt vom Lärm zu befreien. Seit dem vergangenen Jahr wurden dazu zwei knapp 4300 Meter lange Tunnelröhren unter der Stadt Rastatt gebohrt.

Die Bewohner von vier direkt an der Schadenstelle gelegenen Häusern, dürfen nach Rompfs Angaben wahrscheinlich am Wochenende zurückkehren, wenn der Tunnel mit Beton gefüllt ist. Sie mussten die Gebäude aus Sicherheitsgründen verlassen.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

Mehr zum Thema