Panorama

Wissenschaftliche Standards verletzt Behörden kritisieren Rattenstudie

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Französische Wissenschaftler untersuchten 200 Ratten über einen Zeitraum von zwei Jahren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Studie von französischen Wissenschaftlern erregt tagelang Besorgnis. Ratten, die zwei Jahre lang den Genmais NK 603 aßen, erkranken danach auffällig häufig an Krebs. Jetzt äußern europäische und deutsche Behörden Kritik an den Wissenschaftlern. Doch nicht alle halten sie für berechtigt.

Verheerende Kritik an "Rattenstudie": Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hält die französische Untersuchung zu den schädlichen Wirkungen von Genmais nicht für aussagekräftig. Auch deutsche Wissenschaftler kritisieren die Studie.

Ein Forscherteam der Universität im westfranzösischen Caen hatte Krebserkrankungen und den frühen Tod von 200 Ratten auf den Konsum des genetisch verändertem Mais NK 603 des Herstellers Monsanto zurückgeführt. Das Team untersuchte die Tiere zwei Jahre lang und setzte sie auch dem zugehörigen Pflanzenschutzmittels Glyphosat aus. Die Efsa-Wissenschaftler bemängeln jetzt schwere handwerkliche Fehler und Datenlücken.

So sei schon das Forschungsziel der Wissenschaftler um Gilles-Eric Séralini nicht klar umrissen gewesen, schreiben die Efsa-Experten. Auch die Zahl der Versuchtstiere sei viel zu gering für eine verlässliche Aussage gewesen. Gerade einmal zehn Ratten waren in einer Testgruppe. Krebs komme bei der verwendeten Rattenart ohnehin vergleichsweise häufig vor, statistische Rückschlüsse seien unter diesen Bedingungen nicht möglich. Zudem fehlten Daten etwa zum Futter oder zu den Schäden, die die Ratten im Laufe der zweijährigen Untersuchung entwickelten.

Séralini lehnte eine Weitergabe seiner Daten an Efsa überdies ab und forderte von Efsa, ihrerseits die Daten offenzulegen, die zu einer Zulassung der Maissorte geführt hätten.

"Schlussfolgerungen zum unterschiedlichen Auftreten von Tumoren zwischen den Behandlungsgruppen können ... nicht gezogen werden", bilanziert die Efsa danach. Zu Wochenbeginn hatte bereits das Bundesinstitut für Risikobewertung der Studie die wissenschaftliche Sorgfalt abgesprochen.

Greenpeace fordert Zulassungsstopp

Das Institut Testbiotech hält dagegen Bewertungen durch die Behörden für nicht ausreichend, um die Zweifel an der Sicherheit der Produkte auszuräumen. "Solange die Untersuchungsergebnisse der französischen Studie nicht eindeutig widerlegt werden, ist es unverantwortlich, diese nur aufgrund von methodischen Mängeln zu verwerfen", sagt Christoph Then von Testbiotech. "Selbst wenn diese Studie nicht als endgültiger Beweis für die Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen angesehen wird, liegt die Beweislast jetzt bei der Industrie: Diese muss zeigen, dass ihre Produkte für die Verbraucher sicher sind. Hier geht es nicht um eine theoretische Frage, sondern ganz konkret um den Schutz der Verbraucher."

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte einen Zulassungsstopp für neue Genpflanzen. "Es gibt eine nicht hinnehmbare Lücke in den bestehenden EU-Sicherheitstests, die mögliche Langzeitfolgen für Gesundheit und Umwelt weitgehend ignorieren", sagte Greenpeace-Experte Marco Contiero. Anders als in der Studie der Franzosen werden Genpflanzen derzeit  in der Regel vor einer Zulassung  meist nur über einen Zeitraum von bis zu 90 Tagen auf mögliche  Gefahren getestet.

Ein Sprecher von Monsanto Deutschland sagte, man werde die Studie des Forscherteams eingehend prüfen. Danach "werden wir die Erkenntnisse öffentlich kommentieren."

Die Efsa hat für ihre erste Bewertung nur untersucht, ob die Studie wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Die Autoren der Studie können nun weitere Daten nachreichen. Eine zweite, ausführlichere Stellungnahme der Efsa soll Ende Oktober folgen. Darin wird die EU-Behörde die Ergebnisse selbst einordnen und auch die Bewertungen anderer Wissenschaftler berücksichtigen.

Die Studie hatte die Debatte um die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa neu befeuert. Der Mais NK 603 ist in der Europäischen Union als Rohstoff für die Lebensmittelindustrie oder als Futtermittel zugelassen, aber nicht zum Anbau. Hersteller müssen die Verwendung auf der Packung kenntlich machen. Daher ist der Mais nach Expertenangaben in der EU kaum verbreitet.

Quelle: ntv.de, ieh/dpa/AFP