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Mord mit Kreissäge Bekommt Gabriele P. lebenslang?

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Gabriele P. droht eine Verurteilung wegen Mordes.

(Foto: picture alliance / Matthias Balk)

Die Tat erscheint bizarr und besonders grausam: Eine Frau tötet ihren Freund während der für ein Sexspiel gefesselt ist und die Augen verbunden hat. Im Prozess erweist sich die Wahrheitssuche als schwierig. Nun fällt das Urteil.

Dass Gabriele P. ihren Freund Sebastian H. mit einer Handkreissäge tötete, ist erwiesen. Die Studentin hat die Tat gestanden. Auch die Umstände der Tat sind unstrittig. H. lag im Dachgeschoss des Hauses in Haar bei München für ein Sexspiel gefesselt und mit einer zugeklebten Taucherbrille auf einer Matratze, als er zu Tode kam. Doch die Motive der Pädagogik-Studentin für die schwer vorstellbare Tat sind auch unmittelbar vor der Urteilsverkündung nur schwer zu ergründen.

Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer lebenslange Haft wegen Mordes, die Verteidigung bestritt eine Tötungsabsicht und plädierte auf Totschlag. Mehrere Jahre lang waren Gabriele P. und Sebastian H. ein Paar. Glaubt man der heute 32-Jährigen, waren es Jahre, in denen sie häufig benebelt von Marihuana und Alkohol von ihrem späteren Opfer geschlagen, gedemütigt und zu Sexspielen gezwungen wurde, die sie selbst nicht wollte.

Obwohl viele Aussagen im Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht wurden, bleibt ein verstörendes Bild über die Beziehung des Paares. Eine Zeugin hatte berichtet, dass sie mit Gabriele P. und Sebastian H. über einen längeren Zeitraum in einer Dreierbeziehung gelebt hatte. H. sei oft sehr launisch gewesen und habe P. immer kontrollieren wollen. Beide Frauen hätten in ständiger Habachtstellung gelebt.

Unerklärbare Tat

Trotzdem habe sie die Bluttat nicht geplant, betonte Gabriele P. in einer Erklärung. Sie bereue die Tat zutiefst und könne sich die Geschehnisse im Dezember 2008 einfach nicht erklären. "Ich soll etwas erklären, was ich selbst nicht verstehe", sagte die Angeklagte. "Ich merk' selber, dass ich ständig davor weglaufe, mich zu erinnern." Ihre Verteidigerin sprach von einer "Verzweiflungstat". Ein psychiatrischer Gutachter beschrieb P. als "sehr selbstunsichere Person, die mit einem tiefgreifenden Partnerkonflikt zu kämpfen hatte". Dennoch sei sie voll schuldfähig.

Erst ihrem neuen Freund habe sie sich anvertrauen können. Der half ihr dann im Sommer 2009 auch bei der Beseitigung der Leiche, die noch immer im Dachgeschoss lag, als er Gabriele P. kennenlernte. Inzwischen wurden der Mann und ein weiterer Beteiligter wegen Strafvereitelung zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Die Adoptiveltern des Opfers, die in dem Prozess als Nebenkläger auftraten, hatten vermutet, ihr Sohn habe den Kontakt zu ihnen abgebrochen und sei mit einer Freundin nach Rumänien gegangen. Jahrelang habe sie sich Vorwürfe gemacht, berichtete die Mutter vor Gericht. Nach dem Leichenfund habe sie gewusst: "Er hat sich nicht mehr gemeldet, weil er sich nicht melden wollte, sondern weil er sich nicht melden konnte." Heute fällt das Urteil.

Quelle: n-tv.de, sba

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