Panorama

Ex-Papst feiert Geburtstag Benedikt XVI. begeht 90. gut bayrisch

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Jospeh Ratzinger feiert heute seinen 90. Geburtstag.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er wollte nie Papst werden und sein Pontifikat war auf den ersten Blick von wenig Glück geprägt. Doch Joseph Ratzinger hat auch Bewegung in die Kirche gebracht. Der emerierte Papst Benedikt XVI. feiert heute seinen 90. Geburtstag.

Schon gute vier Jahre lebt Papst Benedikt XVI. hinter den Mauern des Vatikan ein weitgehend zurückgezogenes Leben. Zu seinem 90. Geburtstag am Ostersonntag öffnet der emeritierte Papst aber mal wieder die Tore für Gäste. Die Bayerischen Gebirgsschützen kommen am Osterwochenende, sein Bruder Georg, auch Ministerpräsident Horst Seehofer. Und natürlich wird anlässlich des Festtags ein feierlicher Gottesdienst begangen.

Der am 16. April 1927 in Marktl am Inn nahe der Grenze zu Österreich geborene Joseph Ratzinger hat in der katholischen Kirche schon jetzt seinen Platz als historischer Papst sicher. Er ist das Kirchenoberhaupt, welches mit seiner Emeritierung 2013 auch seinen Nachfolgern die Möglichkeit gegeben hat, das Ende ihres Pontifikats selbst zu bestimmen. Doch mindestens so nachhaltig ist auch das theologische Wirken Benedikts. Das Wort "Glaube" werde vom Pontifikat Benedikts bleiben, sagte gerade der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch in Radio Vatikan. "Ich glaube, das Ganze seiner Theologie und seines Pontifikats ist eine Symphonie der Vertiefung des Glaubens."

"Tu mir dies nicht an"

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Joseph Ratzinger (r.) und sein Bruder Georg werden 1951 zusammen mit 42 anderen jungen Männern in Freising zu Priestern geweiht.

(Foto: dpa)

Ratzinger war am 19. April 2005 zum ersten deutschen Papst seit fast 500 Jahren gewählt worden. Trotz jahrelang beißender Kritik an dem wegen seiner konservativen Haltung als "Panzerkardinal" verschrieenen Ratzinger war die Wahl auch in Deutschland für viele Anlass zur Freude. Für Ratzinger selbst allerdings nicht. "Ich habe mit tiefster Überzeugung zum Herrn gesagt: Tu mir dies nicht an", berichtete er einmal deutschen Pilgern. Doch "das Fallbeil" sei auf ihn niedergegangen.

Nach einem über 23 Jahre langen Wirken als oberster Glaubenshüter unter Johannes Paul II. hatte es ihn für das Altenteil eigentlich zurück nach Bayern gezogen. In seinem Haus in Pentling bei Regensburg wollte er noch ein paar Bücher schreiben. Als er dann doch gewählt wurde, beschrieb Benedikt sich in größter Demut als einfachen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Vielleicht war es dieser fehlende Ehrgeiz, das Amt unbedingt haben zu wollen, in Kombination mit einer gewissen Naivität, die Benedikt später von einem Skandal in den nächsten führten. Immer wieder ließ ihn dabei der Klerus alleine.

Im Skandal um die aufgehobene Exkommunizierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson, im Missbrauchskandal der Kirche, nach der missverständlichen Regensburger Rede zum Islam oder bei den vielen innerkirchlichen Problemen wie etwa "Vatileaks" blieb er ohne große Unterstützung. Benedikt XVI. bekam den Laden nicht in den Griff - und sah sich dadurch über viele Phasen seines Pontifikats in der Defensive. Angesichts der Pannen gingen auch die vielen Fortschritte in seiner Amtszeit unter.

"Professor Papst"

Benedikt trieb das Verhältnis zu anderen Glaubensgemeinschaften voran, vor allem zu den Orthodoxen und zum Judentum. Und er legte bei seinem letzten Deutschlandbesuch 2011 mit seiner Rede in Freiburg das Fundament für die Forderung nach einer bescheidenen Kirche. Während sein Nachfolger Papst Franziskus durch ganz unmittelbar wirkende Menschlichkeit anspricht, vermittelte Benedikt ganz ähnliche Ideen im Stil des vergeistigten Akademikers. Als "Professor Papst" bezeichneten ihn viele deshalb auch etwas abschätzig.

Doch der schon mit 29 Jahren habilitierte und später als Professor in München, Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg lehrende Jahrhunderttheologe Ratzinger versuchte den Glauben immer schon eher vom Verstand her zu erklären.

Auch die Entscheidung zum Rücktritt traf er wohl überlegt. Sein Nachfolger findet dieses wegweisend. "Benedikt hat mit viel Mut eine Tür für emeritierte Päpste geöffnet", sagte Franziskus einmal. Sorgen, Benedikt könnte quasi als konservativer Neben-Papst eine Spaltung der Kirche betreiben, haben sich nie bewahrheitet.

Quelle: ntv.de, Ralf Isermann, AFP