Panorama

Junge Schläger in Münster vor Gericht Beschuldigter bricht in Tränen aus

Tränen und tiefe Narben nach einem sinnlosen Gewaltausbruch: In Münster steht ein jugendliches Trio vor Gericht, das einen Fremden nach einer nächtlichen Busfahrt beinahe zu Tode geprügelt hat. Das Opfer kann sich an nichts mehr erinnern.

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Justizbeamter im Sitzungssaal: Obwohl zwei der Angeklagten minderjährig sind, findet der Prozess öffentlich statt.

(Foto: dpa)

Prügelattacke nach Busfahrt: Drei Jugendliche sollen einen heute 31-Jährigen im vergangenen Jahr in Münster fast zu Tode geprügelt haben. Vor dem Landgericht Münster hat nun der Prozess gegen sie begonnen. Ihnen wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen. Der Mann hatte nach der Tat tagelang im Koma gelegen. Zum Auftakt gaben die Jugendlichen die Tat zu.

Der Älteste der Angeklagten, der 19-jährige Dimitrij M., erhob schwere Vorwürfe gegen seinen Bekannten Karolis S., der die treibende Kraft hinter dem Gewaltausbruch gewesen sein soll. Er hatte dem Fremden nach eigenen Angaben noch gegen den Kopf getreten, als dieser schon bewusstlos am Boden lag. "Ich konnte mich nicht kontrollieren", sagte der 17-Jährige vor Gericht.

Der Jüngste der Drei, da waren sich die Beschuldigten einig, habe weder auf den damals 30-jährigen Martin H. eingeschlagen noch ihn getreten. Unter Tränen brach der 16-Jährige seine Aussage ab. "Ich bin mir sicher, dass so etwas nie wieder vorkommt", erklärte Andreas S. Das sagte er auch Martin H., der zum Ende des Prozesstages im Zeugenstuhl Platz nahm, mit gesenktem Haupt und einer Narbe am Kopf, die von seiner Platzwunde herrührt.

Geplanter Überfall

Der Mann aus Münster kann sich an nichts mehr erinnern. "Ich möchte einfach meine Ruhe haben", sagte er. Als H. Anfang November 2010 im Bus auf der Fahrt vom Hauptbahnhof in Münster nach Hause saß, begann ein Jugendlicher Streit mit dem 30-Jährigen. Er habe sich wohl auf dessen Hand gesetzt, gab Karolis S. vor Gericht zu Protokoll. Daraufhin habe Martin H. gesagt: "Mach dich nicht so breit, Pisser." Noch im Bus reifte der Plan, den fremden Mann "abzuziehen".

Als der 30-Jährige ausstieg, folgten ihm die Jugendlichen. Eine Verfolgungsjagd und Schlägerei begannen, die in einem kleinen Gewerbegebiet endete. Dort nahmen die Jungen Martin H. sein Portemonnaie ab und ließen ihn blutend zurück. An einer Tankstelle kauften sie mit dem Geld des 30-Jährigen Bier und Zigaretten.

Martin H. wurde kurz darauf von Spaziergängern gefunden. "Hätte er länger dort gelegen, wäre er gestorben", sagte seine Anwältin am Rande der Verhandlung am Donnerstag. Nach Monaten im Krankenhaus und einer Reha-Klinik will er bald den Schritt zurück in den Beruf wagen.

Mehrere Dutzend Zuschauer verfolgten am Donnerstag den ersten von sieben Prozessterminen, der trotz der zwei minderjährigen Angeklagten öffentlich stattfand. Am kommenden Dienstag geht es weiter. Dann stehen weitere Zeugenaussagen auf dem Programm.

Anklage gegen Berliner U-Bahnschläger

Unterdessen wird in Berlin knapp zwei Wochen nach einem brutalen Überfall im U-Bahnhof Friedrichstraße gegen einen 18-Jährigen Anklage erhoben. Das teilten die Berliner Justizverwaltung und Staatsanwaltschaft mit. Angeklagt wird offenbar wegen versuchten Totschlags und nicht versuchten Mordes. Der Schüler hatte seinem Opfer, das schon am Boden lag, aus purer Streitlust mehrfach gegen den Kopf getreten. Der Vorfall vom Ostersamstag löste bundesweit Entsetzen aus.

Quelle: ntv.de, dpa