Panorama

Mondfinsternis hinter Wolken verhüllt "Blutmond" ignoriert Deutschland

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Gedränge auf dem Großen Feldberg im Taunus nördlich von Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

Die längste Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren entpuppt sich für Profis und Hobbyastronomen aus Deutschland als wolkenreiche Enttäuschung. Der "Blutmond" bleibt fast überall verborgen. Bilder aus Israel zeigen einen unheimlich leuchtenden Erdbegleiter. Deutsche "Mofi"-Fans hoffen nun auf besseres Wetter zur nächsten Finsternis im Jahr 2015.

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Nur schwach ist der rote Mond vom Feldberg durch einen Wolkenschleier zu erkennen.

(Foto: dpa)

Selten waren Balkons, Dachfenster, Berggipfel und Straßenecken mit freiem Blick nach Südosten zu so später Stunde so lebhaft bevölkert wie am Abend des 15. Juni 2011: Mit einer totalen Mondfinsternis kurz nach Sonnenuntergang lockte ein außergewöhnliches astronomisches Spektakel Wissenschaftler und Laien zu später Stunde ins Freie. Das Wetter machte den deutschen Fans der Mondfinsternis - kurz "Mofi" - allerdings einen Strich durch die Rechnung: Das seltene Himmelsereignis blieb in der Nacht zum Donnerstag in den meisten Teilen Deutschlands hinter Wolken verborgen.

Andernorts hatten Beobachter mehr Glück. Himmelsgucker etwa in Italien, Israel und Pakistan konnten einen rot schimmernden "Blutmond" bestaunen. Es war die längste Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren. Die totale Phase begann kurz vor 21.30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ): Der Mond tauchte komplett in den Erdschatten ein, wie Livebilder aus Israel zeigten. In Deutschland kroch der Erdtrabant zu dieser Zeit gerade erst über den Horizont. Bundesweit behinderten viele Wolken den Blick auf das kosmische Schattenspiel.

Bessere Chancen hatten die Einwohner im Süden des Landes. Dort gab es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vereinzelte Wolkenlücken. Freie Sicht zum Südosthorizont vorausgesetzt, konnten Beobachter in Deutschland das Himmelsschauspiel noch bis Mitternacht beobachten. Vielerorts sei der Himmel aber komplett zugezogen gewesen, berichteten die Meteorologen in Offenbach. Auch die Vereinigung der Sternfreunde (VdS) hatte kein Glück. "Weder im Westen von Köln noch in Kirchheim bei Erfurt konnten wir während der Wanderung des Mondes durch den Kernschatten der Erde eine passende Lücke in den Wolken ergattern", berichteten die Amateurastronomen im Internet.

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Hunderte Menschen warten am Abend auf dem Olympiaberg in München auf die totale Mondfinsternis. Der Trabant passierte den Kernschatten der Erde auch hier hinter einem Wolkenband.

(Foto: dpa)

"Es sind Wolkenlücken dagewesen, aber das Ganze hat sich zu sehr am Horizont abgespielt", berichtete VdS-Sprecher Jost Jahn in Nebel auf der Nordseeinsel Amrum. "Es wäre reine Glückssache gewesen, da einen Blick schräg hindurch zu erhaschen."

Im Kernschatten der Erde

Zu einer Mondfinsternis kommt es, wenn der Mond aus der Sicht der Sonne genau hinter der Erde vorbeiläuft, so dass der "blaue Planet" seinen gewaltigen Schatten auf den Erdtrabanten wirft. In diesem Jahr trifft der Mond auf seiner Umlaufbahn um die Erde den Schatten besonders zentral, daher ist die Finsternis die längste seit mehr als zehn Jahren. Ganz finster wird der Mond dabei allerdings nicht.

Während der sogenannten Totalität glimmt der Mond meist in einem dunklen Rot. Die Färbung rührt von rötlichem Licht, das von der Erdatmosphäre in den Erdschatten gelenkt wird. Der genaue Farbton des verfinsterten Mondes hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Asche- und Staubgehalt der Erdatmosphäre ab und kann von Finsternis zu Finsternis variieren. Live-Bilder aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigten den verfinsterten Erdtrabanten in kräftigem Rot.

Die nächste totale Mondfinsternis ist in Deutschland erst im Jahr 2015 wieder zu sehen. Zwar kommt es am 10. Dezember 2011 erneut zu einer totalen Mondfinsternis. Über Deutschland wird der Mond dann jedoch erst nach dem Ende der totalen Phase aufgehen - und damit selbst bei bestem Wetter nicht zu sehen sein.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa