Panorama
Donnerstag, 21. Oktober 2010

Winnenden-Prozess: "Blutrache steht im Raum"

Der Amoklauf des 17-jährigen Tim K. war nur möglich, weil sein Vater die Tatwaffe im unverschlossenen Schlafzimmerschrank aufbewahrte. Davon sind die Angehörigen einiger Opfer überzeugt. Sollte das Gericht anders entscheiden, denkt einer offenbar an Selbstjustiz.

Der Mann steht schon unter Polizeischutz.
Der Mann steht schon unter Polizeischutz.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden ist möglicherweise wegen Morddrohungen gegen den Angeklagten gefährdet. Ein Hinterbliebener eines Opfers hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von einem möglichen Anschlag auf den 51 Jahre alten Unternehmer gesprochen.

Bei Gesprächen zur Opferbetreuung kam heraus, dass sich der Vater eines getöteten Schülers "in den Emotionen verändert" hat. Im Raum stehe Blutrache, heißt es. Ob die Gefährdung für den Angeklagten von dem Vater oder der erweiterten Familie des Opfers aus dem Ausland ausgehe, sei unklar. Es gebe deutliche Anzeichen, dass die Gefährdung für den Angeklagten ansteige.

Der Prozess gegen den Vater von Tim K. ist unterbrochen, weil der Angeklagte krankgeschrieben ist. Es gibt ein ärztliches Attest, das dem Vater eine psychische Erkrankung wegen der Bedrohungslage bescheinigt. In einem weiteren Attest ist von Beschwerden wegen einer bereits länger andauernden Herzerkrankung die Rede. Nach der Strafprozessordnung darf eine Hauptverhandlung bis zu drei Wochen unterbrochen werden.

Geheimes neues Leben

Die für den Personenschutz zuständige Polizei in Waiblingen wollte keine Stellungnahme abgeben. Ein Sprecher sagte aber, die polizeilichen Maßnahmen zum Schutz des Angeklagten seien "modifiziert" worden. Das Landgericht prüft, ob ein psychiatrisches Gutachten zur Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten einzuholen ist. Sollte der 51-Jährige vollständig verhandlungsunfähig sein, platzt der Prozess.

Die Pistole, mit der Tim K. schoss: Sie war nicht eingeschlossen.
Die Pistole, mit der Tim K. schoss: Sie war nicht eingeschlossen.(Foto: dpa)

In den Fall ist auch das Landeskriminalamt eingeschaltet. Der Schutz des gefährdeten Unternehmers wurde größtmöglich hochgefahren. Der Mann lebt mit seiner Frau und einer Tochter an einem geheimen Ort mit einer anderen Identität. Die Familie war kurz nach dem Amoklauf weggezogen. Sie hatte bereits damals Morddrohungen erhalten.

Der Sportschütze muss sich seit Mitte September vor dem Landgericht Stuttgart verantworten, weil er eine seiner Pistolen unverschlossen aufbewahrt hatte. Sein Sohn erschoss damit am 11. März vergangenen Jahres in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst.

"Wir nehmen die Bedrohungslage gegen den Angeklagten sehr, sehr ernst", sagte Verteidiger Hubert Gorka. Dem Vernehmen nach gab es vergangene Woche ein Sicherheitsgespräch zwischen Polizei, dem Angeklagten und seinen Verteidigern. Ob am kommenden Dienstag verhandelt wird, konnte Gorka nicht sagen.

Die "Bild"-Zeitung berichtete, dass ein Hinterbliebener während des Prozesses der Polizei zweimal aufgefallen sei. Einmal versuchte er auszuspähen, mit welchem Fahrzeug der Angeklagte vom Gerichtsgelände gebracht wird. Ein anderes Mal soll er versucht haben, in einen für ihn gesperrten Teil des Sicherheitsbereiches vorzudringen.

Quelle: n-tv.de