Panorama

Die Mozzarella-Misere Büffel mit Brucellose-Bakterien

Die Müllberge in den Straßen von Neapel stinken seit Wochen zum Himmel, Nacht für Nacht stecken erboste Neapolitaner aus Protest die Abfallhaufen in ihren Vierteln an. Dabei ist die Müll-Misere in der süditalienischen Region Kampanien nicht der einzige Notstand, der die Gemüter bis zum Überkochen erhitzt. Es gibt auch den Mozzarella-Alarm. Schon fürchten Feinschmecker um die weichen, weißen, saftig-säuerlichen Kugeln aus Büffelmilch. Doch rund um Caserta nördlich von Neapel steht viel mehr auf dem Spiel: Etwa 32 000 mit Brucellose-Bakterien infizierte Büffel sollen in die Schlachthäuser, um diese seit langem grassierende Krankheit einzudämmen. Und einmal mehr ist auch von der Mafia die Rede, wenn gefragt wird, wie es denn soweit kommen konnte.

"Insalata caprese", die beliebte italienische Vorspeise in den Farben des Landes, ist ohne den außen festen und innen feuchten Käse undenkbar - weißer Mozzarella, rote Tomaten und grünes Basilikum wechseln sich ab. Und auch als Pizzabelag wird der gezogene Frischkäse weltweit geschätzt. Die Delikatesse "Mozzarella di bufala" ist dabei nicht zu verwechseln mit einer ordinären Käsekugel aus Kuhmilch. Mozzarella aus pasteurisierter und erhitzter Büffelmilch ist teuer und damit ein gutes Geschäft. Doch jetzt trifft die Züchter gleich zweifach die Krise.

Zuerst ging der Mozzarella-Absatz zurück, da Kunden wegen des Müllnotstands Angst vor Giften wie Dioxin in der Nahrung haben. Jetzt macht ein Stäbchenbakterium Furore, das die vor allem im Mittelmeerraum und in den Tropen verbreitete Krankheit Brucellose auslöst. Auch als Maltafieber bekannt, wird die Infektionskrankheit über infizierte Tiere oder Nahrungsmittel verbreitet. Um den Bakterien-Notstand in Kampanien in den Griff zu bekommen, kümmert sich offiziell ein "Sonderkommissar" der Regierung um die Mozzarella- Front: Andrea Cozzolino soll dafür sorgen, dass in den nächsten beiden Jahren 32 000 infizierte Büffel (von etwa 400 000 in ganz Italien) notgeschlachtet werden und nur unbedenklicher Mozzarella auf die Teller kommt. 66 Millionen Euro bringt er als Entschädigung mit.

"Aber unser traditionelles Produkt ist doch sicher", empört sich Kampaniens Konsortium, das Mozzarella mit DOP-Siegel vertreibt, also mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Es werde streng kontrolliert, und die Büffelmilch komme in Kontakt mit kochend heißem Wasser, was ausreiche, um die Bakterien abzutöten. Antonio Pepe, der als zuständiger Richter schon mit Haftbefehlen gegen mehrere Züchter und Tierärzte wegen eines Skandals um kranke Büffel vorgegangen ist, hält dem entgegen: "Die Erreger sind erst bei Erhitzung auf 71,7 Grad unschädlich", beim DOP-Käse seien aber nur 33 bis 36 Grad vorgesehen.

Beim Geschäft mit dem Mozzarella mischt auch die Mafia mit, was ein drakonisches Vorgehen gegen die Krankheitswelle erschwert. "Ein großer Teil der Zuchtbetriebe von Caserta wird direkt oder indirekt von der Camorra kontrolliert, was bisher die Ausrottung des Übels in der Tat verhindert hat", so hielt die angesehene Turiner Zeitung "La Stampa" fest. Tierärzte seien bedroht, Testergebnisse verfälscht und kranke Büffel versteckt worden. Mit Büffelschlachtungen und strengen Kontrollen soll der Sonderkommissar nun reinen Tisch machen und für einen Neuanfang sorgen. Die Konkurrenz schläft derweil nicht und die Zeitung warnte: "Deutschland hat dank rumänischer und bulgarischer Büffelmilch bereits die führenden Mozzarella-Produzenten in Europa."

Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

Quelle: n-tv.de