Panorama

Wer teilt oder mitfährt, spart Car-Sharing boomt

Die Zeiten, als die Kunden von Mitfahrzentralen meist auf abgeschabten Sitzen betagter Studenten-Autos Platz nehmen mussten, sind vorbei. "Im vergangenen Monat hat beispielsweise ein Porschefahrer seinen zweiten Sitzplatz für Mitfahrer angeboten", berichtet Javor Milev, Sprecher der Internet-Plattformen mitfahrzentrale.de und pendlernetz.de. Auch andere Wagen der gehobenen Klasse seien nicht mehr selten. Bei den Neu-Anmeldungen auf den Plattformen gebe es Steigerungsraten bis zu 40 Prozent, seit dem Frühjahr bei der Mitfahrzentrale sogar bis zu 14.000 Registrierungen pro Monat. Ähnlich ist die Entwicklung bei Anbietern von Car-Sharing.

Angesichts hoher Spritpreise und gekürzter Pendlerpauschale gehe der Wunsch nach Senkung der Kosten durch Mitfahrer quer durch alle Altersgruppen und Berufe, sagt Milev: "Das sind die Schichtarbeiter, die täglich kürzere Fahrten zur Arbeit haben genauso wie Selbstständige, die lange Strecken fahren müssen." Die derzeitigen Rekordzahlen habe es sonst nur bei außergewöhnlichen Ereignissen wie etwa beim Bahnstreik im vergangenen Herbst gegeben.

Geteiltes Leid an der Tanksäule

"Als sich der Spritpreis langsam in Richtung von 1,50 Euro pro Liter entwickelte, war offenbar die Schmerzgrenze erreicht, etwa seit einem Jahr boomt das Geschäft", meint die Sprecherin des Car-Sharing- Unternehmens cambio, Bettina Dannheim. So konnte das Unternehmen etwa in Hamburg seit dem 1. Juli 2007 die Zahl seiner Kunden auf rund 830 fast verdoppeln, entsprechend stieg die Zahl der Stationen (11) und Fahrzeuge (34). Kräftige Zuwächse gab es auch in Bremen und Köln. "Umfragen haben ergeben, dass sich viele Kunden für uns entscheiden, wenn ansonsten der Kauf eines neuen Wagens ansteht", sagte Dannheim. Schon jeder dritte Neukunde habe sich im vergangenen Jahr mit der Unterschrift unter den Car-Sharing-Vertrag vom eigenen Wagen getrennt.

Bundesweit bieten inzwischen knapp einhundert Unternehmen Car-Sharing in 260 Orten an. Fast vollständig abgedeckt sind die Orte über 100.000 Einwohner, aber es gibt bereits auch Angebote in kleinen Ortschaften wie dem niedersächsische Göhrde (675 Einwohner) oder dem thüringischen Tonndorf (674 Einwohner). Nach Angaben des Bundesverbands CarSharing (bcs) stieg die Zahl der Nutzer im vergangenen Jahr um rund 21.000 auf 116.000 (22,2 Prozent) und die Zahl der bereitgestellten Fahrzeuge um gut zehn Prozent auf 3200.

Hauptmotiv sei im Gegensatz zu den 1980er und 90er Jahren nicht der Umweltgedanke, sondern der schlichte Einsatz des Rechenstifts, meint bcs-Geschäftsstellenleiter Dirk Bake. "Ein Privatauto wird im Schnitt maximal eine Stunde pro Tag gefahren und die Fixkosten beim Stillstand werden voll vom Halter getragen", erklärt der Experte. "Ein Car-Sharing-Auto läuft acht bis zehn Stunden täglich und die Kosten verteilen sich auf viele Schultern." Ein Rechenexempel, das immer mehr Autofahrer überzeugt. "In den vergangenen Jahren hatten wir immer wieder Zuwächse um rund zehn Prozent, seit dem vergangenen Sommer erwarten wir eine Verdoppelung dieses Werts."

Flexibilität gewährleistet

Dies steigert auch die Flexibilität des Angebots: Je mehr Stationen eröffnet werden, desto kürzer wird der Anmarschweg, je mehr Fahrzeuge, desto eher ist auch kurzfristig ein Auto verfügbar. "Das ist das Gegenteil von einem Teufelskreis", meint Bake. "Im bundesweiten Durchschnitt liegt die Vermittlungsquote bei 95 Prozent, das heißt: Der Kunde kriegt so gut wie immer sein Fahrzeug."

Ein Angebot, dass die Düsseldorfer Angestellte Gabriele Pars schon vor mehr als fünf Jahren vom Car-Sharing überzeugt hat. "Ausschlaggebend war der Standort direkt um die Ecke und der günstige Preis", sagt die 51-Jährige. Allerdings seien die Anforderungen der Nutzer gestiegen. "Die Autos sind größer und damit auch teurer geworden als früher." Im Vergleich zu einem eigenen Auto sind die Kosten allerdings immer noch mehr als moderat, meint der Hamburger Dirk Claus: "Ich habe letztens den Speicher aufgeräumt und ein Auto für die Fahrt zur Müll-Station gebraucht - gekostet hat das nicht einmal 20 Euro."

Klaus Peters, dpa

Quelle: ntv.de