Panorama

Fischbrühe für den Frieden Chef-Chefköche kochen in Israel

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Tommy Kurpradit (USA), Christian Garcia (Monaco), Gilles Bragard (Präsident des Club Chefs des Chefs), Schalom Kadosh (Israel), Ulrich Kerz (Deutschland), Jérome Rigaud (Russland) (l.-r.).

(Foto: dpa)

Die Köche von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt kochen in einem israelischen Hotel für den Frieden. Sie alle sind Mitglieder im "Club Chefs des Chefs", zu dem auch Bundeskanzlerinnenkoch Ulrich Kerz gehört. Er ist für den Nachtisch zuständig.

Im Tel Aviver Herodes-Hotel fand ein internationales Gipfeltreffen der Chefs aller Chefs statt. Vertreten waren der Kreml, der Palais d´Elysée, das Bundeskanzleramt, das Weiße Haus und Monacos Prinzenpalast. Aber nicht die eigentlichen Chefs, also Sarkozy, Merkel, Obama, Albert und Medwedew waren erschienen, den Nahostfrieden gemeinsam mit Israelis und Palästinensern schmackhaft zu machen, sondern die Küchenchefs der Mächtigen dieser Welt.

Die Initiative zu dem Gipfel am Herd hatte der israelische Koch Schalom Kadosch bei einem Besuch im Kreml ergriffen. Der exklusive Klub der Köche griff die Idee auf, bereiste das Land und griff dann zum Kochlöffel. Zu dem Dinner unter dem Titel "Für den Frieden kochen" sang die israelische Liedermacherin Achinoam Nini, auch bekannt als Noa. Sie hat schon dem Papst ein "Ave Maria" gesungen. Alle Einkünfte des gemeinsam gekochten Galadinners "für einige Dutzend Spender" kämen dem Peres-Friedenszentrum zugute. Der Sprecher der Initiative, Roi Yellin, wollte weder Namen noch die Höhe des Eintrittsgeldes "in Höhe von einigen Tausend Schekel" verraten.

Christian Garcia, Küchenchef des Prinzen von Monaco, bereitete ein "Rouget de méditerranée au vert, jus de poissons de roche, fenouil et haricots du pays". Wie es sich in diesen feinen Kreisen geziemt, wurde die Speisen auf dem Menü auf Französisch vorgestellt, aber mit hebräischer Übersetzung für die israelischen Gäste. Gemeint sind Filets der mediterranen Rotbarbe in Fischbrühe mit Fenchel und Gartenerbsen. Ulrich Kerz repräsentierte die deutsche Bundeskanzlerin und komponierte eine "Symphonie aus Äpfeln, Joghurt-Mousse und karamellisierten Weintrauben".

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Schalom Kadosch schaut seinem deutschen Kollegen Ulrich Kerz über die Schulter.

(Foto: dpa)

Für Obama konnte nur der 26 Jahre alte und in Thailand geborene Sous-Chef Tommy Kurpradit kommen, da die Chefköchin des amerikanischen Präsidenten, Cristeta Comerford, sich vor der Abreise nach Israel den Arm gebrochen hatte. Die Spezialität des Weißen Hauses nannte sich "Lasagna mit Gemüse vom Markt, einem Mousselin aus Topinambour und einer Trüffel-Vinaigrette". Topinambur ist ein kartoffelähnliches Gemüse, das auch unter dem Namen "Jerusalem-Artischocke" bekannt ist.

Der Moskauer Koch Jérome Rigaud, ein Franzose, steuerte eine Borschtsuppe "nach Art des Kreml" bei. Der Leibkoch von Sarkozy präsentierte ganz unfranzösisch eine "Wiener Bar" mit Kräutern, Zucchini und kristallisierten Tomaten. Den israelischen Beitrag lieferte Schalom Kadosch, Küchenchef der Hotelgruppe Fattal. Er bereitete einen warmen Salat mit Getreidekörnern und Bohnen, eingepackt in ein Mangoldblatt mit einer Sauce gegrillter Paprikas. Israel ist eines der wenigen Länder, in dem sich der Staatschef keinen Chefkoch hält - möglicherweise eine Tradition aus der Gründerzeit Israels, als man noch bescheiden lebte. Kadosch hofft auf eine politische Wirkung des Treffens: "Diese Leute haben die Ohren ihrer Chefs", sagte er der amerikanischen Online-Zeitung "Global Post". "Ich bin sicher, sie werden nach Hause fahren und ihren Bossen sagen, dass es in Israel viel mehr gibt als Soldaten an Straßenecken und die Panzer, die man im Fernsehen sieht."

Quelle: ntv.de, Ulrich W. Sahm

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