Panorama

Gefährliches Erbe aus DDR-Zeiten Chemische Altlasten bedrohen ganze Stadt

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Für den Fall, dass bei den Messungen eine Gesundheitsgefährdung festgestellt werden sollte, hat die Stadt einen Plan B mit Ausweichquartieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Regionale Medien nennen sie die "Krebs-Schule". Gemeint ist eine Grundschule in der brandenburgischen Stadt Forst, an der sich Krebsfälle unter Schülern und Lehrern häufen. Grund könnte eine immense Verseuchung der Umwelt sein.

Wegen erheblicher Schadstoffbelastung muss möglicherweise eine Grundschule in Brandenburg geschlossen werden. Dutzende Eltern verweigern schon jetzt die Unterrichtung ihrer Kinder in der Stadt Forst. Bislang sind nach Angaben des stellvertretenden Bürgermeisters Sven Zuber drei Viertklässler an Krebs erkrankt. Ob es einen Zusammenhang mit den Hinterlassenschaften einer chemischen Reinigung aus DDR-Zeiten gibt, werde derzeit untersucht. Das Ergebnis werde in der kommenden Woche erwartet.

Aber nicht nur die Eltern sind beunruhigt. Auch Betreuer sollen nach Angaben der "Bild"-Zeitung betroffen sein - zwei Erzieher und ein Lehrer seien ebenfalls an Krebs erkrankt, schreibt das Blatt.

Nach Bekanntwerden der Erkrankungen hatte die Stadt Mitte März Messungen der Raumluft in dem Gebäude veranlasst, und zwar auf Spuren von Fluorchlorkohlenwasserstoffen. Zudem sei der Boden rund um das Schulgebäude untersucht worden. Bereits Ende März hätten aber besorgte Eltern ihre Kinder vom Schulbetrieb nach den Osterferien abgemeldet, so Zuber. "Nach derzeitigem Stand soll die Schule am kommenden Montag wieder starten." Die drei Schüler aus der vierten Klasse seien an unterschiedlichen Formen von Krebs erkrankt, betonte Zuber.

LCKW in Boden geleitet

Gemeinde, Schule und Elternvertreter hatten vereinbart, dass nach Eingang der Messergebnisse am 16. April über das weitere Vorgehen beraten werden soll. Zur Not soll dann in anderen Gebäuden unterrichtet werden.

Bereits im Jahr 2002 sollen Untersuchungen in Forst ergeben haben, dass sich das krebserregende LCKW (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe) von der ehemaligen "Lausitzer Textilreinigung Forst" über das Grundwasser in weite Teile der Stadt ausgebreitet hat. Dort darf seitdem kein Grundwasser mehr gefördert werden.

Zu DDR-Zeiten waren in der Reinigung die LCKW als Lösungsmittel verwendet und offenbar einfach in die Erde geleitet worden. Seitdem herrscht in der 19.000 Einwohner zählenden Stadt unweit der polnischen Grenze Angst vor den Folgen der Einleitung.

Quelle: ntv.de, ppo