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Widerstand gegen "schlechte Tradition" Chinesen wollen keine Hunde mehr essen

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In China wächst der Widerstand gegen das Verspeisen von Hunden.

(Foto: dpa)

In China essen sie Hunde? Bald nicht mehr, fordern Aktivisten. Und verschaffen sich zunehmend Gehör. Denn immer mehr Chinesen haben heute selbst Hunde zu Hause. Da passt ein Hundebraten nicht mehr.

Die toten Hundekörper liegen aufgetürmt an dem kleinen Stand. In einer Schale hat der Verkäufer das Fleisch der Vierbeiner bereits in kleine Häppchen geschnitten. Es ist das jährliche "Hundefleisch-Fest" in Yulin in Chinas Region Guangxi. Alleine 10.000 Tiere sterben in diesem Jahr, heißt es in dem Bericht von Chinas Staatsfernsehen. Ein wichtiges Ritual, sagen die Befürworter. Aber ihr Einfluss scheint zu schwinden, und sogar die Provinzregierung muss sich schon für das Schlachten rechtfertigen.

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Hundefleisch in einem Pekinger Restaurant.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Aktivistin Du Yufeng ist nach Yulin gereist, um gegen das Fest zu protestieren. Hundefleisch gehört auf keinen Teller in China, fordert sie beim Fest vergangenen Freitag. "Das ist eine schlechte Tradition in einigen Regionen. Aber es stimmt nicht, dass Chinesen einfach gerne Hunde essen."

Hundefleisch hat in China eine Jahrtausende alte Tradition. Schon vor 2000 Jahren sollen die Kaiser Hundefleisch gegessen haben. Doch der Volksmund sagt bis heute "gourou shangbuliao xi". Das heißt so viel wie, Hundefleisch kann bei offiziellen Banketten nicht serviert werden - eher etwas für die unteren gesellschaftlichen Klassen also.

Lange Zeit nur Wachhunde

Hunde gab es lange Zeit in China nur auf dem Land als Wachtiere. Als Haustiere hatten die Kommunisten sie verboten, denn sie galten als Synonym für eine bourgeoise Lebensweise. Aber mit dem wachsenden Lebensstandard der Bevölkerung gab die Regierung ihre strenge Position auf, und gestattet seit einigen Jahren auch Hunde in den Großstädten.

Das Kilogramm Hundefleisch ist in China schon für etwa 50 Yuan (rund sechs Euro) zu haben. Kritiker klagen, dass das günstige Angebot auf den Märkten das Ergebnis von illegalem Handel ist. Lizenzen für die Zucht von Hunden sind teuer. "Der Diebstahl von Hunden für den Handel mit deren Fleisch ist Teil der organisierten Kriminalität geworden", sagte Grace Ge Gabriel vom Internationalen Tierschutz-Fonds (Ifaw) im März. Sie machte die Aussagen, nachdem Aktivisten 2200 Hunde von Lastwagen in der zentralchinesischen Region Chongqing und der südwestlichen Provinz Guizhou geholt hatten.

Aber je mehr sich viele Chinesen an Hunde als Haustiere im Stadtbild gewöhnen, desto stärker scheinen auch die Argumente der Tierschützer anzukommen. Fiffi auf dem Teller? Das passt nicht. He Yong vom Ifaw schätzt die Zahl der Hundeschutz-Gruppen in China auf mehr als 100. "Ich denke, dass die Bewegung jetzt sehr groß ist." In den Großstädten wie Peking, Shanghai und Guangzhou gebe es schon viel Unterstützer. "Sogar in traditionellen Hochburgen des Hundefleisches wie Guangxi und Guizhou" gebe es große Bewegungen.

100 Hunde gerettet

Nicht nur junge Tierliebhaber mobilisieren gegen den Brauch. Auch buddhistische Mönche plädieren für neue Speisekarten. Schwester Wuliang zog von Schlachthaus zu Schlachthaus, um die Hunde vor ihrem schnellen Ende zu bewahren. "Wir kaufen sie. So haben wir schon 100 Hunde gerettet. Viele andere Gruppen sind hier ebenfalls aktiv", erzählt sie am Telefon von ihren Aktionen in Yulin.

Trotz aller Kampagnen hofft He Yong letztlich auf die politische Führung in Peking. "Ich denke, die Regierung sollte mehr Verantwortung übernehmen, und das Essen von Hundefleisch verbieten." Ein starker Wunsch. Aber noch gibt die populäre Suchmaschine Sohu.com alleine in der Hauptstadt Peking 135.000 Ergebnisse für Orte mit Hundefleisch aus.

Quelle: n-tv.de, Stephan Scheuer, dpa

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