Panorama

Gaddafis Schönheits-OP Chirurg lüftet Geheimnis

Die Berichte aus dem Bürgerkriegsland Libyen zeigen einen brutalen wie auch exzentrischen Gaddafi. Seine Auftritte lassen erahnen, dass er nicht minder eitel ist. Ein Chirurg lüftet nun das Geheimnis einer skurrilen Schönheits-OP, inklusive Hungergelüsten Gaddafis.

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Der brasilianische Arzt Liacyr Ribeiro (r) und Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi, aufgenommen 1994 in Tripolis.

(Foto: dpa)

Ob mit Regenschirm im Militärfahrzeug oder geifernd mit riesiger Sonnenbrille vor Anhängern: Libyens ebenso skrupelloser wie verschrobener Machthaber Muammar al-Gaddafi liebt die Inszenierung. Und noch vor wenigen Jahren glaubte der heute 68-jährige Diktator, mit Hilfe der Chirurgie wieder wie einst als junger Revolutionsführer vor seine Anhänger treten zu können.

Gaddafi wollte für die Jugend seines Landes attraktiv bleiben und setzte dazu auf das Können eines renommierten plastischen Chirurgen aus Brasilien. Liacyr Ribeiro wusste 1994 zunächst gar nicht, wie ihm geschah. Der heute in Rio de Janeiro praktizierende Arzt fand sich unter abenteuerlichen Umständen im Bunker des damals 53-jährigen Gaddafi in Tripolis wieder. Der Revolutionsführer begrüßte ihn freundlich. "Er sagte, er sei schon viele Jahre an der Macht und er wolle nicht, dass die Jugendlichen ihn als Alten ansähen", schilderte Ribeiro den Anfang der Begegnung.

Der Mediziner, der zwei Bücher zum Thema plastische Chirurgie schrieb, erzählte die erstaunliche Geschichte kürzlich der brasilianischen Zeitschrift "Época". "Seither kamen Journalisten aus aller Welt, aus Belgien, Portugal, den USA und Frankreich auf mich zu", sagte der 70-Jährige in Rio. Und jetzt geht auch das Bild um die Welt, das den Doktor gemeinsam zeigt mit dem damals noch viel jüngeren Gaddafi. Lang ist's her. "Das war schon ein Abenteuer", erinnerte sich Ribeiro an das Jahr 1994.

Gaddafi "freundlich und gebildet"

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Ribeiro (M), aufgenommen 1994 bei seinem Aufenthalt in Tripolis.

(Foto: dpa)

Damals war er einer Einladung nach Tripolis zu einem Kongress gefolgt. Dort angekommen bat ihn ein Mann namens Mohamed Zaid mitzukommen und eine sehr "liebenswerte Person" zu behandeln. Gesagt, getan. Im Auto ging es durch verwinkelte Straßen von Tripolis, vorbei an Wachen und bewaffneten Soldaten, bis der Begleiter dem verblüfften Gast eröffnete: "Sie werden unseren Führer untersuchen." Der erschien dann in langer Tunika. Als "freundlich und gebildet", beschrieb ihn Ribeiro.

"Er schüttelte meine Hand und erklärte mir in einwandfreiem Englisch (...), was er wollte. Er machte mir keine Angst." Der Schönheitschirurg informierte seinen Patienten dann über die Optionen und empfahl ein komplettes Face-Lifting, bei dem die Gesichtshaut gespannt wird. Doch Gaddafi lehnte eine solch radikale Behandlung ab. "Er verlangte einen natürlichen Eingriff, der keine Spuren wie Narben hinter den Ohren hinterlässt."

Und so saugte Ribeiro bei ersten Treffen zunächst nur etwas Fett vom Bauch ab und glättete einige tiefe Falten auf der Stirn Gaddafis. Im Jahr darauf - 1995 - kam er zurück und Gaddafi unterzog sich einem weiteren Eingriff. Mitten in der Behandlung habe Gaddafi dann einen Hamburger bestellt, erinnerte sich der Arzt, der früher auch Präsident der Vereinigung für Plastische Chirurgie in Brasilien war. Daraufhin seien die chirurgischen Instrumente weg geräumt und Sandwiches für das ganze Team serviert worden.

Für das bessere Verständnis

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Der Schönheitschirurg praktiziert heute in Rio de Janeiro.

(Foto: dpa)

Ribeiro betreute Gaddafi dann noch zehn Tage in Tripolis. "Dieser Ort ohne Frauen und (alkoholische) Getränke muss ein Opfer für Sie sein. Sie können gehen", beschied ihm dann der Gastgeber. Fünf Jahre später sei nochmals eine Anfrage aus Tripolis für eine erneute Behandlung gekommen. Die habe er aber wegen gesundheitlicher Probleme in seiner Familie abgelehnt. Danach war Ruhe. "Ich glaube, das hat sie (die Libyer) verletzt", vermutet der Mediziner.

Das Lüften des Geheimnisses nach so langer Zeit will Ribeiro nicht als PR-Maßnahme verstanden wissen, um neue Kunden in seine Praxis zu locken. "Zu erzählen, dass ich Gaddafi operiert habe, ist eine Anti-Werbung, schließlich ist sein äußeres Erscheinen nicht gut." Er wolle vielmehr zum Verstehen einer historischen Figur beitragen, über die es viele Spekulationen und nur wenige Informationen gebe. Er habe Gaddafi auch nichts in Rechnung gestellt. "Damals fühlte ich mich doch geehrt, einen Staatschef zu behandeln."

Quelle: ntv.de, Helmut Reuter, dpa