Panorama

"Neokolonialistische Attacke" Cholera in Simbabwe

Internationale Hilfsorganisationen und auch Nachbarländer warnen immer eindringlicher vor einer Ausweitung der Cholera in Simbabwe. Die Regierung in dem südafrikanischen Krisenland bezeichnete den Ausbruch der Epidemie als "neokolonialistische biologische Attacke". Nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fielen der Epidemie bislang knapp 800 Menschen zum Opfer, 16.700 sind an der Cholera erkrankt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte am selben Tag den Präsidenten Robert Mugabe zur Einsicht auf. "Er sollte für sein Land und sein Volk, die viel zu lange und viel zu viel gelitten haben, in die Zukunft blicken", erklärte er am Rande einer Feier zum 60. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte in Genf. Deswegen sollte er die Macht mit der Opposition teilen.

Ban trat auch den Äußerungen Mugabes entschieden entgegen, wonach die Cholera unter Kontrolle sei. Er habe "alarmierende Berichte" erhalten, die Mugabes Ansicht eindeutig widerlegten, führte er weiter aus. Simbabwes Führung versuchte indes, Mugabes Bemerkungen herunterzuspielen. Präsidentensprecher George Charamba behauptete, es habe sich um Ironie gehandelt. Mugabe hatte am Vortag erklärt, sein Land habe die Cholera gemeinsam mit der WHO im Griff: "Es gibt keine Cholera (mehr). Damit gibt es auch keinen Grund mehr für Krieg."

Oxfam belegt höhere Zahl

Der Geschäftsführer der Hilfsorganisation Oxfam, Paul Bendix, sagte dagegen im rbb-Inforadio, es gebe Belege dafür, dass die Zahl der Toten weit über der bisher genannten Zahl von knapp 800 liege. Auch die Zahl der Erkrankten sei viel höher als bislang angenommen. Er selbst gehe von etwa 60.000 Menschen aus, die durch die Krankheit gefährdet seien, fügte Bendix hinzu. Die WHO hatte zuletzt von mehr als 16.700 Erkrankten in Simbabwe gesprochen. Zudem gebe es bereits die ersten Toten durch Milzbrand. Zentrum des Cholera-Ausbruchs ist die dicht besiedelte Hauptstadt Harare.

Auch Nachbarländer betroffen

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), die in fast allen Provinzen des Landes Ambulanzen eingerichtet hat, sprach vom schwersten Cholera-Ausbruch seit Jahren. Hunger und mangelnde Wasserqualität verschlimmerten die Lage. Simbabwe hatte deswegen in der vergangenen Woche den nationalen Notstand ausgerufen. Betroffen sind mittlerweile auch alle Nachbarländer. In der Stadt Beitbridge an der Grenze zu Südafrika versorgten MSF-Mitarbeiter bisher mehr als 3000 Patienten mit Verdacht auf Cholera.

Völkermord-Attacke der Briten

Der Informationsminister von Simbabwe, Sikhanyiso Ndlovu, führte indes den Cholera-Ausbruch auf die angeblichen Umtriebe der ehemaligen Kolonialmächte zurück. Cholera- und Milzbrand-Erreger seien von diesen seinerzeit in den Boden des Landes "gepflanzt" worden, wo sie sich über die Jahre hin "entwickelt" hätten. "Der unerklärte biologische Krieg geht also lange nach Kriegsende noch weiter." Außerdem wären "geheime Kommandos" im Lande unterwegs, um weitere Bakterien in Umlauf zu bringen. "Es ist eine Völkermord-Attacke der Briten auf die Simbabwer", wetterte Ndlovu in Harare.

Quelle: n-tv.de

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