Panorama

Lockdown für Rekord-Hotspot Das Berchtesgadener Land wird abgeriegelt

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Bergidyll und Corona-Hotspot: Das Berchtesgadener Land bekommt den Lockdown.

(Foto: imago images/imagebroker)

Noch sind die Ursachen für die Infektionsexplosion im Berchtesgadener Land unklar, aber die Folgen stehen schon fest: Ministerpräsident Söder verhängt einen Lockdown über Deutschlands Corona-Hotspot Nummer eins. Einsame Weihnachten sollen damit verhindert werden.

Erstmals seit dem Lockdown im Frühjahr gelten wegen extrem gestiegener Corona-Zahlen im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land wieder strikte Ausgangsbeschränkungen. Sie gelten ab Dienstagnachmittag 14 Uhr. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist dann nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Das teilte Agrarministerin Michaela Kaniber am Abend nach einer Krisensitzung mit Landratsamt und Regierung von Oberbayern in Bad Reichenhall mit.

Ministerpräsident Markus Söder hatte bereits am Morgen erklärt, man werde praktisch einen "Lockdown" in dem Landkreis verhängen. Es werde ein Maßnahmenpaket geben, "das einem Lockdown entspricht", sagte Söder. Das Robert-Koch-Institut meldete zu Wochenbeginn für den Landkreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von 252,1 - das war zunächst ein bundesweiter Rekord.

Der bayerische Kreis übertrifft damit Berlin-Neukölln, das mit einer Inzidenz von 193,1 an zweiter Stelle liegt. Seit Freitag kamen im Berchtesgadener Land weitere 118 bestätigte Corona-Fälle hinzu, wie das Landratsamt mitteilte. Das Gesundheitsamt ermittele bei allen positiv Getesteten die Kontaktpersonen und leite die notwendigen Maßnahmen ein. Aktuell seien 701 direkte Kontaktpersonen in Quarantäne. Die Lage in den örtlichen Krankenhäusern ist derzeit stabil. So werden im Berchtesgadener Land 13 Covid-19-Patienten stationär behandelt, jedoch bisher keiner davon auf einer Intensivstation. 234 Menschen seien akut infiziert.

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Die Kontakte der Infizierten könnten nicht mehr verfolgt werden, warnte Söder. "Also müssen Kontakte fundamental beschränkt werden." Der Landkreis Berchtesgadener Land ist mit einer Bevölkerungsdichte von 126 pro Quadratkilometer vergleichsweise dünn besiedelt. Wie es zu der Infektionswelle kommen konnte, ist nicht genau geklärt. "Ausgangspunkt war auch wieder eine entsprechende Party", sagte Söder am Morgen. Möglicherweise kommen weitere Infektionsherde infrage. Auch die Nähe zu Österreich dränge zu einschneidenden Maßnahmen, sagte der CSU-Chef. Wenn jetzt nicht konsequent gehandelt werde, sei die hohe Zahl nicht mehr zu reduzieren.

"Massive Kontrollen": Mehr Maskensünder als Parksünder

Söder sagte weiter, die Zahlen müssten gedrückt werden, damit daraus keine Gefahr für andere entstehe. Es werde das "härteste Protokoll sein, das man an der Stelle anwenden muss, um schnell wieder eine Kontrolle über das Infektionsgeschehen zu bekommen". Andernfalls drohten "einsame Weihnachten", sagte Söder.

Für den gesamten Freistaat kündigte der Ministerpräsident "massive" Kontrollen der Corona-Schutzmaßnahmen an - sowie Bußgelder bei Verstößen. "Wir werden in Bayern sehr darauf achten, dass Polizei und Ordnungsbehörden die Durchsetzung der Regeln erreichen." Zwar hielten sich mehr als 90 Prozent der Menschen im Moment daran, "aber es gibt auch einige, die das nicht tun". Der CSU-Chef verwies insbesondere auf illegale Partys. Die Staatsregierung wird laut Söder die bayerischen Städte bitten, ihre Ordnungskräfte weniger auf die Suche nach Parksündern zu schicken, sondern verstärkt auch nach "Maskensündern". Denn die Einhaltung der Maskenpflicht sei gegenwärtig wichtiger als die Frage, ob jemand falsch parke.

Warum die Zahlen in dem Landkreis in den letzten sieben Tagen derartig explodiert sind, teilten die Behörden nicht mit. Bei einem Polizei-Einsatz in einer Shisha-Bar am Samstagabend stießen die Beamten jedoch auf erhebliche Regelverstöße: Als Polizisten die Bar in Freilassing kontrollierten, stellten sie deutlich mehr als 100 Gäste fest - erlaubt waren maximal 80. Außerdem wurde die wegen der hohen Corona-Infektionen verhängte Sperrstunde nicht eingehalten. "Ein Hygienekonzept war zwar vorhanden, jedoch hielten sich die wenigsten Gäste daran. Der 30-jährige Betreiber führte zudem keine zwingend vorgeschriebene Gästeliste", beschrieb das Polizeipräsidium Oberbayern Süd die Verhältnisse bei der Kontrolle. Den Betreiber erwarte nun ein hohes Bußgeld.

Quelle: ntv.de, mau/dpa