Panorama

Schwierige Beziehung Den Briten ist der Papst nicht heilig

Im Vorfeld seines Besuches in Großbritannien wird der Papst gerne auf die Schippe genommen. Doch warum beschäftigt er die Briten so sehr?

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Nur 4,2 Millionen Briten sind Katholiken. Der letzte Papstbesuch in Großbritannien, ein inoffizieller, liegt 28 Jahre zurück.

(Foto: dpa)

Eigentlich sind Katholiken in Großbritannien eine religiöse Minderheit, und bis zum Papstbesuch im September ist es auch noch Monate hin. Trotzdem ist Benedikt XVI. in den Schlagzeilen und öffentlichen Diskussionen schon jetzt allgegenwärtig. Seit er Anfang des Jahres ankündigte, vom 16. bis zum 19. September dieses Jahres die Briten zu besuchen, gibt es regelmäßig neue Skandale zu vermelden. Dabei werden der Papst und seine Kirche durchaus ernsthaft und fundiert kritisiert, oft aber auch einfach veräppelt. Man fragt sich: Warum beschäftigt der Papst die Briten überhaupt so sehr? Und was macht ihn zum Sündenbock und sogar zur Witzfigur?

Natürlich haben die Briten historisch eine schwierige Beziehung zum Oberhaupt der katholischen Kirche, nachdem König Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert mit dem damaligen Papst brach und die "Kirche von England" entstand. Heute gibt es nur rund 4,2 Millionen Katholiken in England und Wales, die meisten Briten sind Anglikaner. Doch das allein kann die Kritik nicht erklären, meinen viele.

"Im politisch korrekten Großbritannien sind die Leute normalerweise sehr darauf bedacht, niemanden zu beleidigen - und das ist auch gut so. Aber den Papst anzugreifen, das scheint okay zu sein", schreibt Catherine Pepinster, Redakteurin einer katholischen Zeitung, in der Zeitung "The Independent".

"Protest the Pope"

Die jüngste Attacke: Junge Mitarbeiter des britischen Auswärtigen Amtes stellten ein unorthodoxes Programm für den Staatsbesuch des Kirchenoberhaupts zusammen. So sollte er Kondome der Marke "Benedikt" verteilen, eine Ehe zwischen Homosexuellen schließen oder Purzelbäume mit Kindern schlagen, um für einen gesunden Lebensstil zu werben. Die Vorschläge waren natürlich nicht ernst gemeint und auch niemals für das öffentliche Auge bestimmt. Aber nachdem sie versehentlich doch herauskamen, waren Kirchenvertreter und Politiker schockiert.

Auch ernste Vorwürfe werden immer wieder vorgebracht. Anfang Februar löste die Kritik des Papstes an einem Gleichstellungsgesetz eine Welle der Empörung aus. Auch die Papst-Reaktionen zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Irland und anderen Ländern werden in Großbritannien aufmerksam verfolgt. Die Atheisten Richard Dawkins und Christopher Hitchens wollen den Papst deshalb sogar auf britischem Boden festnehmen lassen.

Homosexuelle und Menschenrechtsaktivisten haben die Gruppe "Protest the Pope" ins Leben gerufen, mit der sie gegen den Papst und die Ansichten der katholischen Kirche demonstrieren wollen. Kritik gibt es außerdem an den Millionenkosten für den Staatsbesuch, die der Steuerzahler tragen muss.

Historische Dimension

Der Papstbesuch hat tatsächlich historische Dimensionen. Zuletzt war Benedikts Vorgänger, Johannes Paul II., vor 28 Jahren im Königreich. Das war allerdings kein offizieller Staatsbesuch, sondern wurde als pastorale Visite von der Kirche finanziert. Zuvor hatte seit der Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert kein katholisches Oberhaupt englischen Boden betreten.

"Ich glaube, das Christentum ist so sehr ein Möbelstück unserer Gesellschaft, dass es vernachlässigt und für selbstverständlich genommen wird", sagte der Bischof von Chester, Peter Forster, der zur Kirche von England gehört, dem Sender BBC. "Vertrautheit aber führt oft zu Verdruss."

Mark Lawson von der Zeitung "The Guardian" findet noch eine andere Erklärung für die schwierige Beziehung: Bücher wie zum Beispiel die "Da Vinci Code"-Reihe von Dan Brown zeigten, dass sich die Kirche bestens für harsche Kritik eigne und sie durch ihr Verhalten auch heraufbeschwöre. Zum einen habe sie sich durch ihre Ablehnung der Abtreibung, ihre Frauenfeindlichkeit und andere antiliberale Ansichten selbst geschwächt. Außerdem sei sie eine der letzten großen Strukturen, die ihren weltweiten Einfluss durch eine rigide Kontrolle durchsetzten - Angriffe seien damit vorprogrammiert.

Quelle: ntv.de, Britta Gürke, dpa

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