Panorama

Lob der Frauen Der Dalai Lama ist da

Zum Auftakt seines Deutschland-Besuchs ist der Dalai Lama in Hamburg begeistert gefeiert worden. Am Flughafen und am Rathaus der Stadt jubelten dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter tausende Gläubige und Schaulustige zu. Seinen zehntägigen Aufenthalt begann der Träger des Friedensnobelpreises mit einem Appell für die Gleichberechtigung der Frauen. "Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Weiblichkeit ist ein Symbol von Mitgefühl", sagte er. Eine Zuschauerin am Flughafen sagte, sie sei tief beeindruckt vom Dalai Lama. "Er ist so, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt - humorvoll und unglaublich sympathisch."

"Ich bin sehr glücklich, wieder in Deutschland zu sein", sagte der 72-Jährige, der wie immer seinen traditionellen weinroten Ordensrock und eine Gebetskette trug. Er wolle Menschen treffen, zuhören und Erfahrungen austauschen. Der Dalai Lama nimmt in der Hansestadt an einem Nonnenkongress teil und will Vorträge vor 30.000 Besuchern und Gläubigen aus 32 Nationen im Tennisstadion der Hansestadt halten. Themen sind Globalisierung, Frieden und Buddhismus. Es wird erwartet, dass er auf dem Nonnenkongress offiziell bekannt gibt, dass fortan auch Frauen in die Führungsetage des tibetischen Buddhismus einziehen dürfen.

Der Dalai Lama war mit einer Privatmaschine aus Irland gekommen. Vertreter des Tibetischen Zentrums Hamburg, dessen Schirmherr er ist, und Vertreter der tibetischen Exilregierung begrüßten ihn auf dem roten Teppich und reichten ihm weiße Schals, die Glück bringen sollen. "Der Besuch seiner Heiligkeit wird für viele Menschen bedeutsam sein", sagte Geshe Pema Samten, der vor vier Jahren vom Dalai Lama nach Deutschland entsandt wurde. "Er wird ihnen zeigen, wie sie Mitgefühl, Liebe und ein gutes Herz entwickeln können."

Mit einer schwarzen Limousine und einer Polizeieskorte wurde der 72-Jährige anschließend mit seiner Entourage, darunter persönliche Berater, Ritualmeister und sein Privatsekretär, zu seinem Hotel in die Innenstadt gefahren. Dabei mag er es gar nicht, bevorzugt behandelt zu werden: "Als ich mal in seiner Entourage mitfuhr, raste der Konvoi durch die Stadt, alle Ampeln waren grün geschaltet", erinnert sich Pressechef Andreas Hilmer. "Da fand er hinterher, das sei doch ungerecht. Alle müssten seinetwegen anhalten, die hätten es doch alle viel eiliger. Er sei alt, er habe Zeit." Später empfing der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust den Dalai Lama wie einen Staatsgast im Rathaus.

Die Popularität des Dalai Lama in Deutschland ist ungebrochen: Er erfreut sich mittlerweile sogar größerer Beliebtheit als Papst Benedikt XVI. Laut einer Umfrage sehen ihn 44 Prozent der Bundesbürger als Vorbild - und nur 42 Prozent den deutschen Papst. Vor allem unter den Jüngeren und Gebildeteren liegt der Dalai Lama vorn, wie "Spiegel" berichtete. Im Westen wurde der Dalai Lama 1989 weithin bekannt, als er für sein Bemühen um eine gewaltlose Lösung des Tibetproblems den Friedensnobelpreis bekam.

Im Alter von zwei Jahren wurde Tenzin Gyatso 1937 als Reinkarnation des 13. Dalai Lama anerkannt. Mit fünfzehn Jahren wurde er zum geistigen und weltlichen Oberhaupt Tibets ernannt. Kurz darauf marschierten chinesische Truppen in Tibet ein. 1959 flüchtete der Dalai Lama nach Indien, wohin ihm rund hunderttausend Tibeter folgten. Aus dem Exil versuchte der Dalai Lama dann auf vielen Wegen, das Schicksal der Menschen in seiner Heimat zu verbessern. Sein Ziel ist, in Verhandlungen mit der chinesischen Regierung Autonomie und Selbstverwaltung für Tibet zu erreichen.

Quelle: ntv.de

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