Panorama
Im niederösterreichischen Melk.
Im niederösterreichischen Melk.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Mittwoch, 24. Juni 2009

Hochwasser in Bayern und Österreich: Der Süden versinkt im Regen

Die Menschen in Norddeutschland reiben sich ungläubig die Augen: Während es bei ihnen sonnig ist, versinken Bayern und Österreich im Regen.

Nach mehr als zwei Tagen Dauerregen spitzt sich die Lage in den Hochwassergebieten Österreichs zu. Erste Todesopfer wurden befürchtet. Nach Angaben der Polizei stürzte am Dienstagnachmittag ein Geländewagen bei Graz in die Hochwasser führende Mur. Obwohl die Polizei sofort eine intensive Suche einleitete, konnten zunächst weder das Fahrzeug noch mögliche Insassen gefunden werden.

In Wien kam es am Nachmittag zu ersten Überschwemmungen durch die Donau. Wegen des Einbruchs von Feuchtigkeit musste das Kunstdepot des Albertina-Museums in der Innenstadt mit etwa 950.000 Werken vorsichtshalber evakuiert werden.

Hochwasser in Steyr.
Hochwasser in Steyr.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Vor allem am Alpenrand in Nieder- und Oberösterreich fielen riesige Regenmengen - in St. Pölten zum Beispiel innerhalb von 48 Stunden 164 Liter pro Quadratmeter. Statistisch fallen solche Mengen etwa alle 50 Jahre. Die größte Wassermenge wurde in Lunz am See mit 207 Litern gemessen.

Männer von Damm gespült

In Amstetten (Niederösterreich) konnten zwei Mitarbeiter der Wasserwerke erst in letzter Sekunde aus der Ybbs gerettet werden. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete, waren die Männer auf dem Damm der Ybbs mit Sicherungsarbeiten beschäftigt, als sie mitsamt einem Teil des Schutzwalls weggespült wurden. Erst nach etwa einer Stunde konnten sie von der Feuerwehr mit Seilen und Schlauchbooten in Sicherheit gebracht werden.

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Meteorologen sagten voraus, dass der Regen bis Donnerstag langsam nachlässt. Nach APA-Angaben waren allein in Ober- und Niederösterreich fast 6000 Feuerwehrleute im Dauereinsatz. Die Donau und zahlreiche andere Flüsse wie Steyr, Enns, Krems und Traun traten an mehreren Stellen über die Ufer. Das Untere Kremstal stand kurz vor einer flächendeckenden Überflutung. Keller mussten leergepumpt, gefährdete Bereiche durch Sandsäcke geschützt werden.

10.000 Soldaten in Alarmbereitschaft

Nach Angaben des Automobilclubs ÖAMTC waren landesweit etwa 50 Straßen gesperrt. Im Osten der Alpenrepublik konnten Bahnstrecken teilweise nicht befahren werden. Die Hauptstrecken seien jedoch nicht betroffen, sagte der Sprecher der Österreichischen Bundesbahnen ÖBB, Thomas Berger. Für den Fall größerer Überflutungen versetzte das Bundesheer 10.000 Soldaten in Alarmbereitschaft.

In Süddeutschland führte der Dauerregen besonders in Oberbayern zu Überflutungen von Äckern und kleineren Straßen. Die höchste Niederschlagsmenge meldete der Wetterdienst meteomedia von der Winkelmoos-Alm mit mehr als 138 Litern innerhalb von 48 Stunden. Im Berchtesgadener Land sollte der kräftige Dauerregen bei kühler Tagestemperatur von zehn Grad noch bis zum Donnerstag andauern.

Auf oberbayerischen Autobahnen kam es auf nassen Fahrbahnen zu mehreren Unfällen. Auf der A 8 München-Salzburg stellte sich ein Lastwagen quer, auf der A 95, der Inntal-Autobahn, wurden bei der Aquaplaning-Schleuderpartie eines Autos zwei Menschen verletzt. In mehreren oberbayerischen Gemeinden, so in Schliersee, Bernau am Chiemsee und Grassau, liefen Keller voll Wasser und mussten leergepumpt werden.

Hochwasser auch in Polen

Nach schweren Regenfällen sind im Süden Polens mehrere Flüsse über die Ufer getreten und Häuser überschwemmt worden. In der Stadt Tschenstochau pumpte die Feuerwehr hunderte Keller leer. In der Region um die Städte Krakau und Rzeszow waren nach Fernsehberichten mehrere Straßen nicht mehr befahrbar. Einige regionale Behörden riefen Flutalarm aus, Meteorologen warnten vor weiteren heftigen Niederschlägen in den kommenden Tagen. In Krakau hofften die Behörden auf eine Wetterbesserung.

Im Juni 2006 hatten nach schweren Überschwemmungen in Südpolen hunderte von Bauern ihre Höfe verlassen müssen. Bei der bislang schwersten Flut 1997 wurden in Polen 54 Menschen getötet, mehr als 160.000 mussten aus ihren Häusern fliehen.

Quelle: n-tv.de