Panorama

Papst Franziskus ruft im Irak an Deutsche Katholiken sehen "Kulturrevolution"

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Papst Franziskus findet häufig deutliche Worte.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Brandrede des Papstes zum Zustand der Kurie lässt auch die Katholiken in Deutschland aufhorchen: "Eine Kulturrevolution" sieht ZdK-Chef Alois Glück - und "massive Gegner". Franziskus selbst greift an Heiligabend zum Telefonhörer.

Papst Franziskus hat an Heiligabend mit irakischen Flüchtlingen telefoniert, die in einem Lager nahe Erbil in der Kurdenregion leben. An Weihnachten denke er besonders an die Kinder und die Älteren, sagte der Pontifex Maximus. "Denken wir an die Kinder, wenn Jesus zu uns kommt. Und ich denke auch an die Großeltern, die Älteren", fügte er hinzu. "Ich bin Euch nahe, von ganzem Herzen sehr nahe." Die Menschen in dem Camp von Ankawa waren im Sommer aus Mossul und der Ninive-Ebene gekommen, von wo sie vor den Kämpfern der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) geflohen waren.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, fand indes nach der Brandrede des Papstes vor der römischen Kurie Mut bescheinigt. "Dieser Papst ist mutig und mit seinem Gottvertrauen angstfrei", sagte Glück der "Passauer Neuen Presse". Der Papst betreibe mit seiner scharfen Verurteilung von Fehlentwicklungen in der katholischen Kirche eine "Kulturrevolution", fügte Glück hinzu. Daraus ergäben sich "Spannungen und Konflikte". Der Papst wisse selbst, dass er mit seiner Position innerhalb der Kurie massive Gegner habe.

Therapie für den Kirchenstaat

Der Papst hatte nur zwei Tage vor Heiligabend gesagt, viele katholische Priester, Bischöfe und Kardinäle litten an "geistlichem Alzheimer". Zu den 15 Krankheiten, mit denen der Kirchenstaat infiziert sei, gehörten auch "existenzielle Schizophrenie", "sozialer Exhibitionismus" und "Machtgier". Die Geistlichen seien von Gier und Egoismus getrieben, allzu viele Würdenträger seien Sklaven ihrer "Leidenschaften, Launen und Manien" und hielten sich für "unsterblich". Er bat um Hilfe dabei, eine Therapie für seinen kranken Kirchenstaat zu finden.

Für den Politikwissenschaftler Otto Kallscheuer war die Rede des Papstes ein "Aufruf ans Kirchenvolk: 'Nun helft mir doch!'" Neu sei in der Ansprache des Papstes die Offenheit, mit der er "klassische Fehler, die sich innerhalb einer zentralisierten Bürokratie anhäufen, auch als persönliche Sünden angesprochen" habe, sagte Kallscheuer dem Deutschlandradio Kultur. Es gehe aber nicht nur um ein "moralisches Ins-Gewissen-Reden", sondern der Papst stehe vor der "weitaus komplizierteren Aufgabe des Umbaus einer internationalen Bürokratie".

Quelle: n-tv.de, rpe/AFP

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