Panorama

Enkel in den USA umgebracht Deutsche entgeht der Todesstrafe

Eine Deutsche ertränkt in den USA ihren Enkel in der Badewanne, angeblich weil sie ihm das Schicksal eines Scheidungskindes ersparen will. Sie entgeht der Todesstrafe, muss aber für mehr als 21 Jahre ins Gefängnis. Ihr früherer Schwiegersohn ist empört.

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Die 73-Jährige auf einer Aufnahme der Polizei von Apalachicola.

Eine 73 Jahre alte Baden-Württembergerin, die in den USA ihren fünfjährigen Enkel in der Badewanne ertränkt hat, ist in einem Gerichtsverfahren in Florida der Todesstrafe entgangen.

Die Rentnerin aus Nufringen in der Nähe von Böblingen wurde wegen Totschlags zu 21 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, berichtete die Lokalzeitung "Apalachicola Times". Bis dahin hatte die Anklagebehörde die Hinrichtung der Frau verlangt. Ursprünglich hatte sie ihr Mord und Kindesmisshandlung vorgeworfen.

Der Verteidiger der Frau hatte geltend gemacht, dass die Großmutter unter Demenz und Depressionen litt, letzteres infolge einer Schädelfraktur, die sie sich als Fünfjährige im Zweiten Weltkrieg in ihrer Heimatstadt Breslau zugezogen habe. Dem Bericht zufolge einigten sich Anklage und Verteidigung auf die Strafe von 21 Jahren und sechs Monaten. Die Staatsanwaltschaft ließ daraufhin die Anklagepunkte Mord und Misshandlung fallen.

Die Richterin folgte der Einigung. Sie sah es als erwiesen an, dass die Deutsche ihren in Amerika geborenen Enkelsohn im Januar 2010 im Ferienort St. George Island umbrachte, weil sie ihm das Schicksal eines Scheidungskindes ersparen wollte. Dieses Motiv hatte ihr Ehemann in seiner Zeugenaussage genannt. Seiner Aussage zufolge wollte die Frau sich nach der Tat selbst umbringen.

Die Eltern des Jungen hatten sich 2006 scheiden lassen. Der Junge habe meist bei seiner Mutter im Bundesstaat Georgia gelebt. Der Vater verfolgte die Verkündung des Strafmaßes mit Tränen in den Augen, berichteten Gerichtsreporter. Der Aussage des Großvaters über die Motive der 73-Jährigen schenkte er keinen Glauben. Er forderte ein Strafmaß von 30 Jahren.

Quelle: n-tv.de, hvo/dpa

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