Panorama

Steuben-Parade Deutsches Brauchtum in New York

Völkerfreundschaft wird nicht in den Konsulaten gemacht, sondern auf der Straße - davon ist Lars Halter überzeugt. Der 33 Jahre alte deutsche Journalist, der unter anderem für n-tv berichtet, ist seit zwei Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender der deutsch-amerikanischen Steuben-Parade in New York, die an diesem Samstag zum 50. Mal durch Manhattan zieht.

Spielmannszüge, Schützenvereine, Chöre und Volkstanzgruppen aus ganz Nordamerika und Deutschland marschieren dann wieder die Fifth Avenue hinauf. Neben dem Sternenbanner werden so viele schwarz-rot-goldene Fahnen geschwenkt wie zuletzt bei der Fußballweltmeisterschaft. Selbst das Empire State Building erstrahlt erstmals in den deutschen Nationalfarben. Beim anschließenden Mini-Oktoberfest in Central Park sollen Deutsche und Amerikaner beim Bierchen zusammensitzen. Völkerfreundschaft leicht gemacht.

"Mich würde es freuen, wenn wir ein positives Image hinkriegen würden, nach dem Motto: Es ist super, mit den Deutschen zu feiern", so der Vorsitzende Halter. Er muss einen schwierigen Spagat hinkriegen. Wegen ihres etwas altmodischen Images wird die Steuben-Parade von manchen leicht belächelt. Von den deutsch-amerikanischen Organisatoren seit Jahrzehnten jedoch mit Leidenschaft als Schaufenster deutschen Brauchtums aus der Heimat hochgehalten. Schließlich kann sich jeder vierte US-Bürger heute auf deutsche Vorfahren berufen.

Größte ethnische Gruppe

Damit bilden Menschen deutscher Herkunft die größte ethnische Gruppe der USA. Traditionsreiche New Yorker Vereine wie die "United Bavarians", der "Volksfest Vereen vun Brooklyn un Umgegend" oder der "Canstatter Volksfest Verein" bezeugen die Geschichte der Einwanderergruppen. Das deutsche Generalkonsulat schätzt die Zahl der Deutsch-Amerikaner im Großraum New York heute auf 500.000.

Die Parade ist nach dem Preußen Friedrich Wilhelm von Steuben (1730-1794) benannt, der maßgeblich am Sieg der Amerikaner im Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Kolonialmacht beteiligt war. 1777 half er General George Washington mit preußischer Disziplin aus einem Haufen patriotischer Bauern eine schlagkräftige Armee zu formen. Wenig später entschieden die Amerikaner den Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten für sich.

Auf politischer Ebene jedenfalls wurde die Parade immer ernst genommen - als Brückenbauer nach dem Zweiten Weltkrieg. Ranghohe deutsche Politiker wie Bundespräsidenten Walter Scheel, Karl Carstens, Richard von Weizsäcker und Johannes Rau kamen persönlich. Ihnen folgten Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel sowie zahlreiche Ministerpräsidenten.

Sternenbanner

Zur ersten Parade in Manhattan am 20. September 1958 (die allererste fand ein Jahr zuvor im Stadtteil Queens statt) schickte der damalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower ein Sternenbanner, das kurz zuvor noch auf dem Capitol in Washington geflattert hatte. Auch er war ein Deutsch-Amerikaner, dessen Vorfahren Mitte des 18. Jahrhunderts aus dem Odenwald nach Pennsylvania ausgewandert waren.

Dieses Jahr sagte sogar ein gebürtiger Deutscher, der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger zu, als Grand Marshall die Parade anzuführen. Ursprünglich wollte auch Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl als Ehrengast die Fifth Avenue hinaufmarschieren. Aber wegen einer anstehenden Knieoperation sagte er ab. Seinen Platz nimmt der deutsche Botschafter in Washington, Klaus Scharioth, ein.

Die Stadt New York ist der Steuben-Parade ebenfalls wohl gesonnen, geht es doch sehr viel gesitteter als beispielsweise bei den lauthals feiernden Puertoricanern zu. Bürgermeister Michael Bloomberg ernannte beim offiziellen Empfang im New Yorker Goethe-Institut den September zum Monat der deutsch-amerikanischen Freundschaft und freute sich über die vielen deutschen Touristen, die nach New York kommen.

Drei Stunden, 50 Gruppen

Und das sind nicht wenige: Zum 50. Jubiläum wird die Parade größer als je zuvor und soll mindestens drei Stunden dauern. 50 Gruppen reisen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an und werden es inklusive Entourage auf 5000 Gäste bringen. Erwartet werden Zehntausende Zuschauer.

Zum ersten Mal mit dabei sind die "Langen Kerls" aus Potsdam in historischen Uniformen, auch Fasnachts-Vereine mit Guggemusik aus dem süddeutschen Raum sind erstmals vertreten. Mit einem bunten kulturellen Rahmenprogramm, das vier Wochen lang rund um die Parade organisiert ist, soll den Amerikanern gezeigt werden, was Deutschland außer Schuhplattlern noch zu bieten hat.

Quelle: n-tv.de