Panorama

Franziskus undercover in Rom? Die nächtlichen Aktivitäten des Papstes

RTX15UMG.jpg

Franziskus will die Kirche den Menschen näher bringen, er will vor allem die Ausgegrenzten wieder mit ins Schiff holen.

(Foto: REUTERS)

Was macht Franziskus eigentlich, wenn es dunkel wird? Gerüchten zufolge verbringt er die Nächte nicht immer hinter den Mauern des Vatikans, sondern zieht auch mal durch die finsteren Gassen Roms. Es wäre nicht die erste Überraschung, für die der Papst sorgt.

Papst Franziskus sorgte schon für einige Überraschungen, trotz seiner erst kurzen Amtszeit. Meist bekommt die Öffentlichkeit sofort Wind davon, wenn er zum Beispiel inhaftierten Jugendlichen die Füße wäscht oder persönlich bei notleidenden Gläubigen anruft. Nun kursieren Gerüchte über nächtliche Aktivitäten des Kirchenoberhaupts: Schleicht sich der Papst heimlich aus dem Vatikan?

Das Gemunkel begann mit einem Interview, das Erzbischof Konrad Krajewski vor einigen Tagen italienischen Journalisten gab. Krajewski ist seit August der Chef des vatikanischen Almosenbüros - er ist direkt dem Papst unterstellt und unterstützt in seinem Namen Bedürftige. Unter anderem verteilt er in Rom Almosen an Obdachlose und Arme.

Als Papst Franziskus ihn mit dieser Aufgabe betraute, habe er zu Krajewski gesagt: "Du kannst deinen Schreibtisch verkaufen, du brauchst ihn nicht. Du musst rausgehen aus dem Vatikan. Warte nicht, bis die Leute klingeln. Du musst rausgehen und nach den Armen schauen", zitiert die US-Ausgabe der "Huffington Post" Krajewski. Jeden Morgen bekomme er seine Anweisungen - ein Bündel mit Briefen, die Franziskus von Menschen erhalten habe, die Hilfe bräuchten. Immer wieder komme es vor, dass Franziskus handschriftlich auf die Briefe schreibe: "Du weißt, was zu tun ist", oder "Geh und rede mit ihnen".

Und dann ließ der päpstliche Almosenier Krajewski auch noch folgenden Satz fallen: "Wenn ich zum Papst sage: 'Heute Abend verlasse ich den Vatikan, um den Armen zu helfen', dann antwortet er mir: 'Ich komme mit dir'." Als die Journalisten ihn auf diese Aussage festnageln wollten, wich der Erzbischof ihren Fragen aus: Man habe schnell erkannt, was für ein Sicherheitsproblem es sei, wenn der Papst ihn bei solchen Touren begleite.

Offenbar hatte die ausweichende Antwort des Almosenbeauftragten einen Grund. Nach Informationen der "Huffington Post" bestätigen Mitglieder der päpstlichen Schweizergarde, dass der Papst sich tatsächlich nachts aus dem Vatikan wagt, um obdachlose Frauen und Männer zu treffen. Er sei dabei als normaler Priester gekleidet. Auch italienische Medien berichten von mindestens einem nächtlichen Streifzug des Papstes. Der Vatikan bestreitet die Angaben.

Franziskus wäre nicht der Erste

Die Gerüchte passen jedoch zu dem, was man über Franziskus weiß. Er tritt nicht erst seit seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt als Kämpfer für die Armen auf. Franziskus ging bereits als Erzbischof von Buenos Aires abends auf die Straße, um mit den Obdachlosen das Abendmahl zu feiern und mit ihnen gemeinsam zu essen. Er wolle den Menschen zeigen, dass sie nicht vergessen sind, hieß es damals.

Als Papst gestaltet sich dies nun etwas schwieriger. Doch anscheinend ist der Argentinier nicht daran zu hindern. Und er wäre auch nicht der erste Papst, der immer mal wieder aus der kleinen, abgeschotteten Welt des Vatikan ausbricht. Papst Johannes Paul II. soll mehr als hundert Mal heimlich Skifahren gegangen sein. Auch er soll sich zudem Angaben des damaligen italienischen Innenministers zufolge nachts mit Bettlern auf den Straßen Roms unterhalten haben. Und der emeritierte deutsche Papst Benedikt XVI. entschloss sich offenbar einmal spontan, eine Kunstausstellung zu besuchen.

Es wäre also nicht überraschend, wenn die jüngsten Gerüchte über die nächtlichen Aktivitäten des Papstes zuträfen. Es passt zu Franziskus' Linie, die er auch in dem kürzlich veröffentlichten Schreiben "Evangelii Gaudium" deutlich machte. Doch der Vatikan wird sich davor hüten, solche Gerüchte zu bestätigen, schon allein aus Gründen der Sicherheit. Das jedoch macht sie nicht weniger glaubwürdig.

Quelle: n-tv.de