Panorama

Volle Brüste, große Füße, starker Hals Die weibliche Anti-Barbie kommt

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So sieht Lammily aus.

(Foto: Nickolay Lamm)

Manchmal werden Visionen schneller wahr, als es selbst die Visionäre für möglich halten. So geht es gerade dem Künstler Nickolay Lamm. Er schuf den Prototyp einer normal aussehenden Barbie und wird seitdem von Anfragen überhäuft.

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Eine gesunde junge Frau als Rollenvorbild.

(Foto: Nickolay Lamm)

Eine Barbie-Puppe, die einer gut aussehenden durchschnittlichen 19-Jährigen entspricht, das war die Idee des US-Künstlers Nickolay Lamm. Im vergangenen Sommer stellte er seine Durchschnitts-Barbie als Kunstprojekt auf dem Blog MyDeals.com vor. Die von ihm entworfene Puppe basierte auf Computermessungen realer Frauen um die 20. Dabei wurden unter anderem Größe, Gewicht und Taillenumfang erfasst. Lamm erstellte ein 3D-Modell, das er anschließend mit Photoshop bearbeitete, bis es wie eine Barbie aussah.

Im Vergleich wird deutlich: Eine natürliche junge Frau ist kleiner als ihr Spielzeug-Pendant, hat weibliche Kurven, vollere Brüste und sogar größere Füße. Lamm zeigte seine realistische Barbie und betonte dabei immer wieder, dass er finde, sie sehe ziemlich gut aus. Und das, obwohl oder gerade weil sie durchschnittlich ist. Nach den unzähligen Medienberichten, die auf diese Aktionen folgten, wurde er danach immer wieder gefragt, wo es die Puppen zu kaufen gibt.

Er fragte zurück: "Wenn es eine geringe Wahrscheinlichkeit gibt, dass die jetzige Barbie einen schlechten Einfluss auf Kinder hat, und es dann eine gäbe, die auch mit normalen Proportionen gut aussieht: Was hindert Mattel daran, so eine herzustellen?" Auf seine Frage bekam er keine Antwort von dem Spielzeugkonzern. Stattdessen begann er sich selbst zu fragen: "Was hindert mich daran, diese Puppe herzustellen?"

Eine Idee wird Realität

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Die echte Barbie und echte Proportionen.

(Foto: Nickolay Lamm/mydeals.com/blog/what-if-barbie-looked-like-a-real-woman/post)

Seitdem verfolgt er das Ziel, eine Barbie mit lebensechten Proportionen auf den Markt zu bringen. "Lammily" soll sie heißen und zeigen, dass normal beziehungsweise durchschnittlich zu sein schön ist. Dafür hat sich Lamm unter anderem mit dem früheren Vizepräsidenten von Mattel, Robert Rambeau, zusammengetan. Rambeau beriet ihn beispielsweise bei der Auswahl eines Herstellers. Seit dem 5. März werden per Crowdfunding die Kosten für eine erste Produktion gesammelt. Damit sollen die Kosten für den Werkzeug- und Formenbau gedeckt und die Mindestbestellmenge des Herstellers erfüllt werden.

In den ersten zwei Wochen kamen schon über 450.000 US-Dollar zusammen, es hätte nicht viel gefehlt und Lamm hätte sein Crowdfunding-Ziel von 95.000 US-Dollar schon nach einem Tag erreicht. 12.500 Menschen haben sich bereits für die erste Produktion vorangemeldet. Im November sollen die Puppen auf den Markt kommen. Sie werden nicht im Einzelhandel verkauft, sondern direkt verschickt. In den USA wird die Puppe 25 Dollar kosten, für den internationalen Versand nach Deutschland kämen noch einmal 13 Dollar hinzu.

Gesunde, starke Frau

Lamm beschreibt seine "Lammily" als fitte und starke Person, die stilvoll gekleidet sei und nur sehr wenig Make-up trage. "Die Puppe wird nach typischen menschlichen Körperproportionen gemacht." Das heißt auch: Sie hat Handgelenke, Ellbogen, Knie und Füße.

Das alles sind Details, die eine Barbie nicht hat. Mit ihrem dünnen Hals wäre es unmöglich, ihren Kopf zu heben. Ihre dünnen Handgelenke könnten nichts Schweres heben, ihre Knöchel sind so schmal, dass sie auf allen vieren gehen müsste, da sie ihr Gewicht nicht aushalten. Stattdessen weist sie einen Körperbau auf, mit dem sie als Frau nicht überleben könnte.

Barbies Taille ist so dünn, dass sie nur Platz für eine halbe Leber und ein paar Zentimeter Darm hätte. Ihre Beine sind 50 Prozent länger als ihre Arme. Bei normalen Frauen liegt dieser Wert bei nur 20 Prozent. Wegen der unnatürlichen Haltung drohen ihr außerdem Arthrose und Bandscheibenvorfall. Barbie hätte bei einer Größe von 174 Zentimetern nur ein Gewicht von 55 Kilogramm. Deshalb wäre sie unfruchtbar, weil sie mit ihrem Untergewicht kaum weibliche Geschlechtshormone produzieren könnte. Die durchschnittliche US-amerikanische Frau ist 163 Zentimeter groß und wiegt 83 Kilogramm.

Eine Frau mit den genau gleichen Maßen wie Barbie zu finden ist noch unwahrscheinlicher als ein Gewinn im Lotto. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 1 zu 4,3 Milliarden. Die Wahrscheinlichkeit, eine Frau wie Lammily zu treffen, ist dagegen ungleich größer. Lamms Hoffnung ist, dass Mädchen künftig mit einer Puppe spielen, die wie eine durchschnittliche Frau aussieht. Und dass sie damit auch ihre eigene Schönheit besser wahrnehmen können.

Quelle: ntv.de