Panorama

Loveparade-KatastropheDokumente belasten Sauerland

07.08.2010, 11:38 Uhr

Nach dem tragischen Unglück von Duisburg ist die Frage nach der Verantwortung noch immer nicht geklärt. Allerdings gibt es einem Medienbericht zufolge neue Hinweise, die Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland in Bedrängnis bringen. Ein anderer Verantwortlicher räumt derweil erstmals öffentlich ein, Fehler gemacht zu haben.

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Unter Druck: Adolf Sauerland. (Foto: dpa)

Auch zwei Wochen nach dem Unglück bei der Loveparade dauern die Mutmaßungen über die Verantwortung für die Massenpanik mit 21 Toten an. Wie der "Spiegel" berichtete, soll Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) über Planungsprobleme vor der Loveparade informiert gewesen sein. Laut "Focus" soll die frühere NRW-Regierung im Genehmigungsverfahren für die Loveparade Druck auf die Stadt ausgeübt haben.

Laut "Spiegel" schrieb die städtische Untere Bauaufsicht am 14. Juni, knapp sechs Wochen vor der Loveparade, an den Veranstalter einen Brandbrief, den in Kopie auch Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland erhalten haben soll. In dem Schreiben wies die Bauaufsicht dem Bericht zufolge darauf hin, dass am 14. Juni weder ein Lageplan des Loveparade-Geländes noch ein "zielorientiertes Brandschutzkonzept" für die Techno-Parade vorgelegen habe. Auch eine Endfassung des Sicherheitskonzepts habe es zum damaligen Zeitpunkt nicht gegeben. Das Magazin berief sich dabei auf vertrauliche Anhänge zum Zwischenbericht über die Loveparade-Katastrophe, den die Stadt am Mittwoch vorgelegt hatte.

Derweil räumte erstmals ein Verantwortlicher der Duisburger Loveparade öffentlich einen Fehler ein. "Ich hätte dringlicher auf die Probleme hinweisen müssen" sagte der Psychologe Carsten Walter dem Magazin "Spiegel". Walter sollte während der Veranstaltung als sogenannter Crowd-Manager die Besucherströme auf dem Veranstaltungsgelände regulieren.

"Hatte keine Entscheidungskompetenz"

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21 Menschen starben bei der Tragödie während der Loveparade in Duisburg, mehr als 500 wurden verletzt. Die Verantwortung dafür hat noch niemand übernommen. (Foto: dpa)

Schon Stunden bevor am 24. Juli 2010 die 21 Opfer von den Menschenmassen erdrückt wurden, habe er das Gefühl gehabt, dass bei der Veranstaltung etwas schieflaufe, sagte Walter weiter. Er habe aber nicht die Entscheidungskompetenz gehabt, das Gelände abzuriegeln.

Der Psychologe erhob zugleich schwere Vorwürfe gegen die Polizei. So hätten er und ein Beamter "geschätzte 45 Minuten" benötigt, die Polizeiführung zu erreichen. Das Problem sei gewesen, dass der Polizist kein Funkgerät gehabt habe und das Handynetz überlastet gewesen sei. Damit widersprach er der Darstellung der Polizei im Düsseldorfer Landtag. Walter berichtete auch davon, dass er im Gedränge selbst Todesangst gehabt habe.

Landesregierung in der Kritik

Unterdessen werden im Genehmigungsverfahren zu dem Unglück auch Vorwürfe gegen die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen unter dem früheren Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) laut. Einem Medienbericht zufolge soll die Landesregierung Druck auf die Stadt Duisburg ausgeübt haben. Das berichtet das Magazin "Focus" unter Berufung auf ein Besprechungsprotokoll zum ersten Planer-Treffen für die Techno-Party am 2. Oktober 2009.

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Tausende Menschen gedachten der Opfer in einer bewegenden Trauerfeier eine Woche nach dem Unglück. (Foto: dpa)

Demnach betonte der städtische Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe, dass Rüttgers "in der Vergangenheit bereits eine Aussage getroffen habe, dass die Loveparade in Duisburg stattfinden sollte". Eine Absage könne daher "lediglich aus gravierenden Sicherheitsbedenken erfolgen".

Anfang März 2010 hielt das Ordnungsamt dem "Focus" zufolge laut einem weiteren Protokoll "die Durchführung der Veranstaltung" auf dem alten Güterbahnhof "nicht für möglich", konnte sich aber nicht durchsetzen. Sorgen bereitete demnach das Fluchtkonzept über die schmalen Tunnel, die auf das Festgelände führten. Am 20. Juni hätten die Behörden moniert, die Pläne der Veranstalter würden gegen die Verordnung für den Betrieb von Sonderbauten verstoßen.

Lopavent drängte auf "Sondernutzungserlaubnis"

Kurz vor Beginn der Loveparade erhöhte der Veranstalter der Loveparade, Rainer Schaller, dem Bericht zufolge den Druck auf das Duisburger Rathaus. Das Bauamt hatte demnach am 14. Juli wichtige Unterlagen eingefordert, darunter ein Sicherheitskonzept. Fünf Tage später habe sich eine Anwaltskanzlei im Auftrag von Schallers Firma Lopavent gemeldet und auf die Erteilung einer „Sondernutzungserlaubnis“ gedrängt.

Dabei warnten die Juristen vor einer Absage des Mega-Events und wiesen auf die „immensen wirtschaftlichen aber auch ideellen Schäden für Veranstalter, die Metropole Ruhr und die Stadt Duisburg“ hin. Am 21. Juli gab die Stadt grünes Licht für die Veranstaltung.

Quelle: fma/dpa/AFP