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Beiträge des Moderators gelöscht Domian wirft Facebook Zensur vor

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Seit 1995 läuft die Telefon-Talkradio-Sendung von Jürgen Domian im WDR.

(Foto: dpa)

Jürgen Domian kritisiert auf seiner Facebook-Seite die katholische Kirche. Dann werden die Kommentare plötzlich gelöscht. Der Talkmoderator ist empört und wittert Einflussnahme durch die Kirche. Facebook spricht von einem Fehler.

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Auf seiner Facebook-Seite kommentierte Domian den Vorfall.

Facebook hat Beiträge des WDR-Moderators und Talkmasters Jürgen Domian gelöscht und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. "Ich bin äußerst verärgert und fassungslos", schreibt Domian auf seiner Facebook-Seite. Eine Sprecherin des Sozialen Netzwerks entschuldigte sich inzwischen und bezeichnete die Löschung als bedauerlichen Fehler.

Domian hatte unter anderem einen kritischen Eintrag zum Auftritt des Katholiken Martin Lohmann bei der Talksendung von Günter Jauch verfasst. Dem Moderator zufolge endeten seine Anmerkungen "nach ein paar kritischen Fragestellungen" mit den Sätzen: "Manche Menschen wachsen mit und in ihrem Amt. Und so werden wir uns vielleicht noch über Franziskus wundern. Hoffen wir es! Geben wir ihm eine Chance! In einem halben, spätestens einem Jahr wissen wir mehr."

Auch Einträge über die Homo-Ehe seien verschwunden, erklärte Domian. Die Texte "hätten in jeder Zeitung stehen können", meint der Moderator. "Mit Meinungsfreiheit hat das nun rein gar nichts mehr zu tun." Der Kritik, die er auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, schlossen sich mehr als 20.000 Personen mit einem Klick auf den "Gefällt mir"-Button an.

"Entschuldige bitte, Domian!!!"

Seine Äußerungen zu der Jauch-Sendung hätten vor der Löschung immerhin 1,1 Millionen Menschen gelesen, schrieb Domian. Der Eintrag zum neuen Papst sei "völlig harmlos" gewesen. "Offensichtlich haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist", mutmaßte der Moderator. Nutzer können bei Facebook unliebige oder beleidigende Kommentare melden, die das Netzwerk dann überprüft.

Das zuständige Team von Facebook schaue sich "Hunderte von Tausenden von Reports zu Inhalten jede Woche an", erklärte eine Sprecherin. Die Melde-Systeme seien dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hass-Reden und Mobbing zu schützen. Es sei "bedauernswert", wenn dabei Fehler gemacht werden. "Und wir wissen, dass dies frustrierend sein kann, wenn wie in diesem Fall, solch ein Fehler passiert", erklärte sie. "Entschuldige bitte, Domian!!!"

Facebook werden hin und wieder übereifrige Löschaktionen vorgeworfen. So verschwand im Sommer 2012 eine Titelseite des "Zeit-Magazin", die einen nackten Mann zeigte, von der zugehörigen Facebook-Seite. Nutzer kritisierten, dass Seiten von Rechtsextremen teilweise bestehen dürften. So unterhält die rechtsextreme Partei NPD eine Facebook-Präsenz. Nutzer versuchten in der Vergangenheit wiederholt, Facebook durch massenhafte Beschwerden zum Löschen der NPD-Seite zu bewegen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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