Panorama

Heroin, Kokain, Crack Drogen-Abhängigkeit altert mit

Beobachtungen der EU zeigen, dass Konsumenten harter Drogen immer älter werden. Nicht, weil sie später anfangen damit - sondern weil sie die Sucht nicht mehr loswerden. Befürchtet wird eine Welle an Erkrankten, die auf geriatrische Kliniken zurollt.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Früher hörten die meisten Europäer mit 30 auf, Drogen zu nehmen - heute sind immer mehr Drogenkonsumenten über 40. "Der Drogenmissbrauch ist kein Jugendphänomen mehr", sagte der Leiter der EU-Drogenbeobachtungsstelle, Wolfgang Götz.

Etwa jeder fünfte Drogenkonsument, der sich in Europa in Behandlung gibt, ist inzwischen älter als 40, in manchen Ländern ist es fast jeder dritte.

Grund dafür sei die alternde Bevölkerung, sagte der Behördenchef. In den 80er Jahren seien viele junge Leute an Heroin geraten und nicht mehr davon losgekommen - diese langjährigen Konsumenten seien älter geworden und ließen heutzutage das Durchschnittsalter der Drogenkonsumenten steigen.

"Damals gab es eine Heroinepidemie, weil die Droge in Mode war", sagte Götz. Es gebe keine Hinweise darauf, dass heutzutage Ältere ohne Drogenerfahrung vermehrt zu Rauschgiften griffen.

Auf die Gesellschaft sieht der Experte eine Kostenlawine zurollen. Die Behandlung von Älteren sei teuer, weil sie besondere Therapien benötigten. "Ein 40-jähriger Heroinabhängiger braucht eine Behandlung wie ein 60-Jähriger, weil sein Körper so schnell gealtert ist", sagte der Behördenchef. Viele hätten eine lange Drogenkarriere mit Entzug und Gefängnis hinter sich. Oft seien sie mit HIV oder Hepatitis infiziert und alkoholabhängig. "Da reicht es nicht, eine Ersatzsubstanz zu geben", sagte Götz. "Da ist die Geriatrie gefragt." Die Entzugskliniken in Europa seien meist auf Jugendliche eingerichtet - das Angebot gehe an den Älteren vorbei.

Prävention ist Ländersache

Drogenproduzenten werden dabei immer erfinderischer: 2009 wurden in Europa so viele neue Drogen beschlagnahmt wie nie zuvor. "Die Dealer wollen Geld verdienen, deshalb ist so viel Innovation auf dem Markt", sagte Götz. An erster Stelle des europaweiten Drogenkonsums steht aber nach wie vor Cannabis, mit dem sich jährlich etwa 23 Millionen Menschen berauschen. Der Konsum sei aber rückläufig. Rund 14 Millionen Europäer nehmen Kokain, zwei Millionen Amphetamine. Vor allem in Ballungszentren ist zudem Crack weiter im Kommen - eine hochgradig aufputschende Verbindung aus Kokain und Natron, die in kleinen Pfeifen geraucht wird.

Die EU-Drogenbeobachtungsstelle mit Sitz in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon liefert Daten und Statistiken. Die Prävention und Bekämpfung der Drogenprobleme liegt dagegen in den Händen der Mitgliedsstaaten.

Quelle: n-tv.de, dpa

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