Panorama

"Schweres Leid" EKD entschuldigt sich bei Opfern

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Schneider erkennt das große Leid an.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und das Diakonische Werk haben ehemalige Heimkinder um Verzeihung für Leid und Unrecht gebeten. EKD-Präses Nikolaus Schneider und Oberkirchenrat Johannes Stockmeier vom Diakonischen Werk sprachen von einem "Versagen der evangelischen Heimerziehung in den Nachkriegsjahren". Damit erkennen beide Institutionen nach eigenen Aussagen "das schwere Leid an, das Kinder und Jugendliche auch in den Heimen in evangelischer Trägerschaft erfahren haben".

Viele Heimkinder in der Bundesrepublik und der DDR waren bis in die 70er oder 80er Jahre hinein Prügel, Demütigungen und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Die Heime wurden von unterschiedlichen Institutionen getragen, nicht nur von der Kirche. Experten gehen von schätzungsweise 800.000 Heimkindern in Westdeutschland (1945 bis 1975) und 120.000 Heimkindern in der DDR (1945 bis 1989) aus.

Schneider sagte, der Prozess der Aufarbeitung sei auch ein Ausdruck dessen, "dass wir unser Versagen erkannt haben". Die Bitte um Verzeihung für das Leid der Heimkinder ist ein Ergebnis des Runden Tisches Heimerziehung, der 2010 Vorschläge zur Aufarbeitung erarbeitet hatte.

Die Runde hatte sich unter anderem auf die Einrichtung einer Stiftung verständigt, die vom Bund, den westdeutschen Bundesländern und den beiden großen christlichen Kirchen mit insgesamt 120 Millionen Euro ausgestattet wird. Das Geld soll an Hunderttausende ehemalige Heimkinder fließen, die bis in die 70er Jahre geschlagen, schikaniert und zum Teil sexuell missbraucht wurden. Zudem mussten sie oft schwere körperliche Arbeiten leisten, für die sie nur minimal entlohnt wurden.

Quelle: ntv.de, dpa