Panorama

Vier weitere Thrombosefälle EMA überprüft Johnson-&-Johnson-Impfstoff

237479806.jpg

Der Impfstoff von Johnson & Johnson soll in der EU ab 19. April ausgeliefert werden.

(Foto: picture alliance / Pacific Press)

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson ist in der EU bereits zugelassen, wird bisher aber nur in den USA eingesetzt. Dort stellen die Behörden wie schon beim Wirkstoff von Astrazeneca fest, dass in mehreren Fällen seltene Blutgerinnsel auftreten. Einer der Fälle endet tödlich.

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) prüft, ob Impfungen mit dem Corona-Vakzin des US-Herstellers Johnson & Johnson für vier weitere Fälle seltener Blutgerinnsel verantwortlich sind. Wie die EMA mitteilt, wurden drei Thrombose-Fälle seltener Blutgerinnsel in den USA gemeldet und ein weiterer im Rahmen einer klinischen Studie an einem nicht näher genannten Ort. Einer der Fälle verlief demnach tödlich. Die EMA gab außerdem bekannt, dass sie fünf Fälle des sogenannten Kapillarlecksyndroms überprüft, die im Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung stehen könnten.

Der Wirkstoff von Johnson & Johnson wird bisher nur in den USA eingesetzt. In der EU ist der Impfstoff seit Mitte März ebenfalls zugelassen, wird aber noch nicht genutzt. Die Auslieferung soll nach Angaben der EU-Kommission am 19. April beginnen. Insgesamt sollen im zweiten Quartal 55 Millionen Dosen geliefert werden. Anders als bei den anderen Impfstoffen ist hier nur eine Impfspritze für einen umfassenden Schutz nötig.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist der zweite, bei dem die EMA einen Zusammenhang mit seltenen Fällen von Blutgerinnseln in Hirnvenen untersucht. Beim Wirkstoff von Astrazeneca hatten die Experten nach allein 31 Verdachtsfällen in Deutschland zwar einen Zusammenhang zwischen Impfstoff und Thrombosen hergestellt, dies trete allerdings sehr selten auf. Die Häufigkeit gemeldeter Zwischenfälle mit Blutgerinnseln im Gehirn treten nach EMA-Angaben mit ungefähr 1 je 100.000 auf. Die Arzneimittelbehörde empfiehlt den Einsatz von Astrazeneca daher uneingeschränkt. Der Nutzen des Wirkstoffes sei höher zu bewerten als die Risiken, hieß es.

Mehrere Staaten sind dieser Empfehlung nicht gefolgt. Unter anderem Deutschland hat sich entschieden, das Vakzin nur noch älteren Menschen ab 60 Jahren zu impfen. Jüngere Menschen, denen bereits eine Dosis gespritzt wurde, soll als zweite Dosis ein anderes Vakzin gegeben werden.

Vektorimpfstoffe betroffen

Mehr zum Thema

Bei den Mitteln von Johnson & Johnson handelt es sich wie bei dem von Astrazeneca um sogenannte Vektorimpfstoffe. Sie brauchen als Grundlage einen Virus, um Informationen in den Körper zu schleusen. Bei Johnson & Johnson ist es ein unschädlich gemachtes menschliches Schnupfenvirus. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt.

Die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna dagegen sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. "m" steht für messenger (Bote), "RNA" für Ribonukleinsäure. Hier ist die mRNA die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers. Sie gelangt mithilfe winziger Fetttröpfchen in die Körperzellen. Diese stellen dann ebenfalls das Virusprotein her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

Quelle: ntv.de, chr/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.