Panorama

Entführung vor 60 Jahren Eichmann: Israel zeigt Spionage-Ausrüstung

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In dieser unscheinbaren Ledertasche war die Kamera versteckt, mit der ein israelischer Agent Adolf Eichmann heimlich fotografierte.

(Foto: picture alliance/dpa)

60 Jahre nach der spektakulären Entführung von Adolf Eichmann in Argentinien zeigt der israelische Geheimdienst erstmals die Ausrüstung, die Agenten dafür nutzten, den NS-Verbrecher heimlich zu fotografieren. Auch eine der Aufnahmen wird freigegeben.

Der israelische Inlandsgeheimdienst hat 60 Jahre nach der Entführung des NS-Verbrechers Adolf Eichmann neue Details zu der Kommandoaktion veröffentlicht. Schin Bet gab erstmals ein Foto heraus, das die dunkle Ledertasche zeigt, von der aus Eichmann vor seiner Entführung in Argentinien mit versteckter Kamera fotografiert wurde. An einer Stirnseite der Tasche ist ein dafür gestochenes kleines Loch zu erkennen. Das Bild stamme aus dem Schin-Bet-Archiv und sei nun zum ersten Mal gezeigt worden, hieß es. Der Geheimdienst veröffentlichte auch eine Seite aus der Fahndungsakte, in der Eichmann erstmals mit einem heimlich aufgenommenen Foto dokumentiert worden war.

Flucht mit Unterstützung

Eichmann war unter den Nationalsozialisten an zentraler Stelle für die Ermordung von Millionen Juden verantwortlich. Im Frühjahr 1945 geriet der NS-Verbrecher auf der Flucht in US-Kriegsgefangenschaft. Er gab sich als Obergefreiter der Luftwaffe Adolf Barth aus, aber seine SS-Mitgliedschaft flog wegen seiner Blutgruppentätowierung auf.

Eichmann kam allerdings mit der Behauptung, er sei SS-Untersturmführer Otto Eckmann davon und wurde nicht enttarnt. Mithilfe eines ehemaligen SS-Offiziers gelang ihm die Flucht und er tauchte zunächst in Deutschland mit gefälschten Papieren unter. 1948 ging er nach Südtirol, 1950 gelang ihm mit Unterstützung deutsch-katholischer Kreise die Flucht nach Argentinien, wo er sich zunächst als Ricardo Klement niederließ, später aber wieder den Nachnamen Eichmann nutzte.

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Eine Akten-Seite mit einem der Fotos, die mit Hilfe der versteckten Kamera aufgenommen wurden.

(Foto: picture alliance/dpa)

KZ-Überlebender erkannte Eichmann

Auf die Spur kam man dem NS-Verbrecher, nachdem ihn ein KZ-Überlebender in Buenos Aires erkannt hatte. Dieser informierte 1957 den hessischen Generalstaatsanwalt und späteren Ankläger im Auschwitz-Prozess Fritz Bauer, der wiederum die israelische Regierung in Kenntnis setzte.

In Zusammenarbeit mit dem Schin Bet entführte schließlich ein Kommando des Auslandsgeheimdienstes Mossad Eichmann im Mai 1960 nach Israel. Dort wurde ihm der Prozess gemacht, 1962 wurde er zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Entführung löste erhebliche diplomatische Verwicklungen zwischen Argentinien und Israel aus.

Quelle: ntv.de, kwe/dpa