Panorama

Loveparade Ein Trauma, das nicht vergeht

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Kurz vor dem Unglück stehen Menschen dichtgedrängt an einem Tunnelausgang in Duisburg.

(Foto: dpa)

Die Loveparade-Katastrophe sorgt bei der ersten Tagung der Selbsthilfeorganisation erneut für große Diskussionen. Fest steht: Opfer, Hinterbliebene und die Bürger der Stadt wollen Aufklärung.

Die Loveparade hat das Leben seiner Familie verändert. "Bei uns zu Hause sind die Folgen dieser Katastrophe täglich sichtbar", sagt Jürgen Hagemann. Seine 17 Jahre alte Tochter hat bei der Massenpanik am 24. Juli 2010 Quetschungen erlitten. Körperlich sei sie längst wieder fit, doch ihre Seele habe Narben davon getragen, berichtet der Vater.

Hunderte Opfer wünschen sich Aufklärung - der Verein Massenpanik Selbsthilfe hat deshalb am Samstag in Duisburg eine Gesprächsrunde organisiert. Etwa 100 Menschen diskutierten stundenlang den tragischen Verlauf der Massenparty, in deren Folge 21 Menschen starben, über Verantwortung, Planungsfehler, über die Opfer und Hinterbliebenen.

Die Tagung vorbereitet hatte Lothar Evers, der einen eigenem Analyse-Blog zur Loveparade hat (dokunews.org). "Auch heute sind wir weit davon entfernt die Ereignisse zu verstehen", sagt Evers. Deshalb habe er Dokumente gesammelt, Videos gesichtet und Tonaufnahmen analysiert. Evers skizzierte mögliche Planungs- und Konzeptionsfehler der tragischen Massenparty. Dazu sagt Sprecher Hagemann: "Die Loveparade-Katastrophe war keine Verkettung unglücklicher Umstände, sondern eine Verkettung von Fehlern."

Für ihn ist die Aufarbeitung der Loveparade irgendwie auch die Überwindung eines Alptraums: "So ein Trauma vergeht aber nie, das bleibt lebenslänglich", meint Hagemann. Seine Tochter meidet mittlerweile den Bus, die Bahn und große Veranstaltungen. "Unseren Besuch auf dem Weihnachtsmarkt mussten wir abbrechen", sagte Hagemann. Andere Opfer haben Job oder Ausbildungsstelle verloren. "Der Weg zurück ins Leben war für viele hart und steinig", sagt Hagemann.

Gibt es Probleme, können sich Opfer und Hinterbliebene an Wolfgang Riotte, den Ombudsmann für die Loveparade-Opfer der nordrhein-westfälischen Landesregierung, wenden. "Meine Hauptaufgabe ist es, zu vermitteln", sagt Riotte. Ein immer wiederkehrendes Thema sind
Versicherungen: Bei der Kostenübernahme gebe es zum Teil Probleme mit den Krankenversicherungen. Für psychisch belastete Jugendliche sei es zum Beispiel schwierig, Lebensversicherungen abzuschließen. Das seien Spätfolgen über die niemand nachdenke, sagt Hagemann.

Quelle: ntv.de, Andreas Sträter, dpa