Panorama

Insel Hiddensee ist abgeschnitten "Eine Luftbrücke einrichten"

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Reederei Hiddensee: Mit dem harten Winter nicht gerechnet?

(Foto: dpa)

Die Ostsee-Insel Hiddensee bei Rügen ist auf normalem Wege nicht mehr erreichbar. Jetzt werden Grundnahrungsmittel knapp: Brot, Eier und Gemüse sind ausverkauft. n-tv.de hat mit einem Bewohner gesprochen.

n-tv.de: Herr König, hungern Sie?

Stefan König: Nein, ich hungere nicht. Niemand hungert. (lacht)

Sind Sie bereits zu Fuß nach Rügen gegangen?

Das kann man machen, ist aber relativ gefährlich. Hoher Schnee und Ostsee-Wasser auf dem Eis machen es ziemlich anstrengend. Ein Bekannter ist von Schaprode (Rügen, Anm. d. Red.) nach Neuendorf (Hiddensee) hinübergelaufen und hat eineinhalb Stunden gebraucht - mit Gepäck allerdings. Normalerweise dauert es etwa 30 Minuten.

Muss der Inselpolizist den Supermarkt bald vor Plünderern schützen?

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Wenn die Fähre nicht fährt...

(Foto: dpa)

(lacht) Nein. Hier gibt es auch keine Tausend Einwohner mehr, im Winter sind noch etwa 600 bis 700 Menschen hier. Brot, Eier und Frischwaren sind alle. Das liegt aber nicht am Eis, sondern an der Reederei. Das einzige Schiff, das Fährschiff "Vitte", ist aus den 1960er Jahren und hat seit Freitag einen Maschinenschaden. Dafür gibt es keine Reserve - nur neue Touristendampfer, die nicht für Eis ausgelegt sind. Die Reederei hat mit einem solch harten Winter nicht gerechnet.

Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt ist das Eis zwischen Rügen und Hiddensee inzwischen bis zu 24 Zentimeter dick. Aus Stralsund ist jetzt ein eisbrechendes Schiff unterwegs. Kommt es durch?

Heute bislang nicht. Es gibt auch einen großen Eisbrecher, aber dessen Einsatz ist wohl zu kostspielig. Zu DDR-Zeiten haben sie es aber geschafft, und 1996/97 ebenfalls.

Durch die Witterung bleiben die Touristen aus - was bedeutet das für Sie und die Inselbewohner?

Das ist nicht gravierend. Über den ganzen Winter sind das vielleicht 100 Personen, die es auf die Insel verschlägt. Silvester war viel problematischer - da waren eine Menge Touristen da, die nach Neujahr nicht mehr wegkamen.

Da es nur eine Reederei gibt, ...

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Die "Vitte" verbindet Hiddensee normalerweise mit Rügen.

(Foto: dpa)

... wird irgendwann der Hubschrauber kommen. Die Fahrrinne wird normalerweise pro Tag fünf bis sechs Mal durchfahren, die ist jetzt natürlich zu. Ab Donnerstag könnte es brenzlig werden, dann werden sie eine Luftbrücke einrichten müssen. Afghanistan versorgen sie auch aus der Luft, jeden Tag gehen Flieger von Neubrandenburg nach Asien. Da können sie ruhig mal einen kleinen Hubschrauber hier herüber schicken (lacht).

Sie machen sich keine Sorgen, dass es stürmen könnte und auch die Versorgung aus der Luft unmöglich wird?

Nein, es gibt nicht viel Wind momentan. Die Reederei hat den Versorgungsauftrag angenommen und muss sich jetzt etwas einfallen lassen.

Während des harten Winters 1996/97 sind die Menschen einfach mit dem Auto übers Eis gefahren.

Das ist nicht mehr möglich. Der Hafen in Schaprode wurde umgebaut, man kommt nicht mehr vom Land aufs Eis. Außerdem reicht der Schnee teilweise bis zur Wade und darunter steht das Wasser. Da ist kein Durchkommen - nur für einen Traktor vielleicht.

Quelle: ntv.de, Mit Stefan König sprach Roland Peters