Panorama

Ermordete Muslime in den USA Erdogan fordert Reaktion von Obama

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Trauende tragen den Sarg eines Opfers - Tausende Menschen trauerten mit den Angehörigen.

(Foto: AP)

In den USA werden drei Muslime erschossen - von einem erklärten Religionsgegner. Der Vater zweier Opfer ist sich sicher, dass der Täter aus Hass gegen Muslime handelte. Der türkische Präsident Erdogan will, dass sich Obama klar positioniert.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat US-Präsident Barack Obama dazu aufgefordert, den Mord an drei Muslimen in der Stadt Chapel Hill zu verurteilen. "Ein Terrorist, ein Mörder" habe das Ehepaar und die Schwester der Frau im US-Bundesstaat North Carolina getötet, sagte er bei einem Besuch in Mexiko-Stadt. "Herr Obama, warum schweigen Sie?" Erdogan fügte hinzu: "Wenn Antisemitismus ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, warum ist dann Islamophobie kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit?"

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung sind die drei ermordeten muslimischen Studenten derweil beigesetzt worden. Zur Beerdigung versammelten sich mehr als 5000 Menschen in Raleigh im Bundesstaat North Carolina. Unter Muslimen wurde Kritik an der zurückhaltenden Berichterstattung der Medien über das womöglich rassistisch motivierte Verbrechen laut.

Schütze soll Frauen schon zuvor belästigt haben

Der 23-jährige Student und die beiden 21 und 19 Jahre alten Frauen waren am Mittwoch von einem 46-jährigen Nachbarn in der Universitätsstadt Chapel Hill erschossen worden. Der Schütze stellte sich anschließend der Polizei, die zunächst von einem Streit um Parkplätze zwischen den Nachbarn sprach. Auf seiner Facebook-Seite bezeichnete sich der Schütze aber als überzeugter Atheist und äußerte scharfe Kritik an Religionen im Allgemeinen, wobei er neben Mormonentum und Christentum auch den Islam angriff.

"Wir sind uns eindeutig sicher, dass unsere Töchter wegen ihrer Religion angegriffen wurden", sagte der Vater der beiden ermordeten Frauen, Mohammad Abu-Salha, inmitten weinender Angehöriger bei den Vorbereitungen der Beisetzung. "Dies war kein Parkplatzstreit - diese Kinder wurden mit Schüssen in den Hinterkopf hingerichtet." Bei der Tat handele es sich offenkundig um ein "Hass-Verbrechen" und er werde nicht einfach stillhalten, sagte der Vater.

Seinen Angaben zufolge hatte der Schütze seine Tochter Yusor früher schon bedrängt. Demnach war er mit einer Pistole am Gürtel vor ihrer Tür erschienen, um sich wegen des Parkplatzes zu beschweren. Die Polizei schloss kein Motiv aus, ging aber zunächst von einem Nachbarschaftsstreit aus. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem "isolierten Fall" ohne weiterreichende Bedeutung. Die US-Bundespolizei FBI, die sich öfter mit Hassverbrechen befasst, eröffnete am Donnerstag parallele Ermittlungen.

"Hässliches Gesicht der Islamophobie"

Muslimische Einwohner von Chapel Hill äußerten die Sorge, dass sich durch das Verbrechen die Spannungen verschärfen. "Es schürt bereits die Angst. Ich habe Dutzende Anrufe erhalten", sagte der Direktor des Rats für Amerikanisch-Islamische Beziehungen, Nihad Awad. Der Bruder des getöteten Studenten, Farris Barakat, hatte zuvor zur Ruhe aufgerufen. "Bekämpft Feuer nicht mit Feuer", sagte Barakat bei einer Gedenkfeier vor der Beerdigung.

Unter Muslimen wurde Kritik an der vorsichtigen Berichterstattung der Medien laut. Der Generalsekretär der internationalen Union der islamischen Gelehrten in Katar, Ali al-Karadaghi, kritisierte das Schweigen der "internationalen Medien" angesichts dieses "Terrorangriffs". "Werden sich die Staatsführer der ganzen Welt im Gedenken versammeln?", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter in Anspielung auf die riesige Trauerfeier für die Opfer der islamistischen Anschläge von Paris im Januar.

Auch Ibrahim Nehm, der Assistent von Ägyptens Großmufti, sprach von einem "Terrorangriff", der "das hässliche Gesicht der Islamophobie" enthülle. Im Internet wurde kritisiert, dass die US-Medien erst spät über ein mögliches rassistisches Motiv berichtet hätten, während bei Angriffen von Muslimen schnell über islamistische Motive spekuliert werde.

Quelle: ntv.de, fma/AFP