Panorama

Angebliches Opfer wird belehrt Erfolg für Kachelmanns Anwalt

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So sieht der Gerichtszeichner die Szenerie während der Aussage der Radiomoderatorin.

REUTERS

Im Prozess gegen Jörg Kachelmann wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung beginnt die Vernehmung des mutmaßlichen Opfers. Die 37-Jährige sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Nur wenig dringt nach außen. Kachelmanns Anwalt setzt sich jedoch durch.

Der zehnte Tag im Prozess gegen den ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann begann wie etliche zuvor - mit viel Verspätung. Und erneut wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Diesmal, um die 37-jährige Radiomoderatorin, die Kachelmann der Vergewaltigung bezichtigt, während ihrer Aussagen schützen. Gleichwohl erlebten die deshalb enttäuschten Zuschauer noch eine satte Überraschung: Die Mannheimer Richter ruderten mit Blick auf einen gegen das Gericht gestellten Befangenheitsantrag heftig zurück und ermöglichten Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock damit einen Punktsieg.

Wie schon am vergangenen Mittwoch beantragte Birkenstock zu Verhandlungsbeginn, dass die Nebenklägerin über ihr spezielles Zeugnisverweigerungsrecht belehrt werden müsse. Der Anwalt geht davon aus, dass Kachelmann seine damalige Freundin nicht vergewaltigt und die Frau deshalb bei der Anzeigenerstattung gelogen habe. Sollte sie die Beschuldigung nun vor Gericht wiederholen, mache sie sich womöglich strafbar wegen "falscher Verdächtigung".

In solchen Fällen schreibt Paragraph 55 der Strafprozessordnung die Belehrung von Zeugen darüber vor, dass sie die Aussage verweigern können, falls sie sich dabei der Gefahr aussetzen, "wegen einer Straftat oder einer Ordnungswidrigkeit verfolgt zu werden". Diese Belehrung hatte der Vorsitzende Richter Michael Seidling vergangene Woche schlichtweg und ohne Begründung verweigert. Damit handelte er sich und seine beiden Kollegen einen Befangenheitsantrag Birkenstocks ein. Begründung: Das Gericht schließe anscheinend von vornherein aus, dass die Frau lügen könnte.

Versäumnis eingeräumt

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Sie war eines von Kachelmanns "Lausemädchen".

(Foto: dpa)

Nun zeigte sich ein gewandelter Vorsitzender. Seidling entsprach nicht nur Birkenstocks Antrag zur Belehrung und nahm damit die Luft aus dem Befangenheitsantrag. Der ansonsten so wortkarge Vorsitzende Richter erklärte zudem umfänglich, dass er die Nebenklägerin ja erst zu ihrem Lebenslauf befragen und erst dann speziell belehren wollte, wenn es um das eigentliche Tatgeschehen gehe. "Die Kammer hat leider versäumt", sagte Seidling mit Blick auf den Befangenheitsantrag von vergangener Woche, "ihren Standpunkt zu Paragraph 55 zu erläutern."

Die Vernehmung der Radiomoderatorin, die in schwarzen Röhrenjeans, hochhackigen Schuhen und lila Schal erschien, wird das Gericht vermutlich noch bis in die kommende Woche hinein beschäftigen. Am ersten Tag machte sie angeblich lediglich Angaben zu ihrer Person und ihrem Lebenslauf, noch nicht zu den Vorwürfen gegen Kachelmann. Bei ihrer Aussage hinter verschlossenen Türen wird die Nebenklägerin mit einer Videokamera gefilmt und ihr Gesicht auf einer zwei Mal zwei Meter großen Leinwand gezeigt. Dies soll mehreren Gutachtern ermöglichen, aus ihrer Mimik und ihren Reaktionen Rückschlüsse auf den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen zu ziehen.

Blut und Sperma

Wenn die Anhörung der 37-Jährigen abgeschlossen ist, wird den bisherigen Plänen zufolge ein Experte des Bundeskriminalamts dazu befragt, ob DNA-Spuren auf einem kleinen Messer, das Kachelmann der Frau an den Hals gehalten haben soll, dem Wetterexperten zuzuordnen sind. Zudem soll der Beamte über die Anordnung von zahlreichen Sperma-, Sekret- und Menstruationsblutspuren berichten, die auf dem Bett und einem Sofa der Frau gefunden wurden.

Hier will die Verteidigung, die mittlerweile fünf Sachverständige aufgeboten hat, dann einhaken. Birkenstock zufolge soll der Rechtsmediziner Steven Paul Rand beweisen, dass die DNA-Spuren am Messer keinesfalls von Kachelmann stammen. Und er werde nachweisen, dass das Spurenbild auf dem Bettlaken nicht für eine Vergewaltigung spreche, sondern vielmehr die Darstellung Kachelmanns eines "einvernehmlichen, variantenreichen Geschlechtskontakts" stütze, sagte der Anwalt, der auf einen weiteren Punktsieg hofft.

Quelle: n-tv.de, AFP

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