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Telefonate des MH370-Piloten Ermittler suchen anonyme Anruferin

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Eine japanische Maschine wartet in Perth darauf, sich an der Suche nach der malaysischen Boeing 777 zu beteiligen.

imago/Xinhua

Kurz vor dem Start erhält der Chefpilot des Flugs MH370 einen Anruf von einer Frau, deren Identität ungeklärt ist. Die Ehefrau des Piloten haben die Ermittler bis heute nicht verhört. Die Festplatte seines Flugsimulators wird mittlerweile von FBI-Spezialisten untersucht.

Bei der Suche nach den Hintergründen für das rätselhafte Verschwinden der Passagiermaschine der Fluggesellschaft Malaysia Airlines sind Ermittler auf ein Telefonat gestoßen, das der Pilot des Flugzeugs kurz vor dem Start geführt haben soll.

Die britische Zeitung "Mail on Sunday" berichtet, kurz vor dem Abflug der Boeing 777 in der Nacht vom 7. auf den 8. März sei Zaharie Ahmad Shah von einer bislang unbekannten Frau angerufen worden. Das Gespräch habe zwei Minuten gedauert. Auffällig an dem Telefonat ist dem Blatt zufolge, dass die Frau eine Sim-Karte nutzte, die zuvor unter falschem Namen gekauft worden war.

Das Telefonat sei eines der letzten gewesen, die Zaharie vor dem Abflug geführt habe. Alle anderen Gesprächsteilnehmer hätten die Ermittler schon vernommen.

Kein Anzeichen für Terror-Hintergrund

Wer in Malaysia eine Sim-Karte kaufe, müsse auf einem Fragebogen seinen Namen sowie die Nummer seines Ausweises oder seines Reisepasses angeben, so die Zeitung. Diese Vorschrift sei Teil von Anti-Terror-Maßnahmen, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingeführt worden seien.

Die fragliche Sim-Karte wurde laut "Daily Mail" in einem Laden in Kuala Lumpur gekauft. Die Kundin habe dazu eine "falsche Identität" benutzt. Diese Entdeckung lasse befürchten, dass es eine Verbindung zwischen Zaharie und Terrorgruppen gebe.

Allerdings gibt es für einen terroristischen Hintergrund bislang keinerlei Anzeichen. Der Flugsimulator, den Zaharie zuhause installiert hatte, mag auf den ersten Blick an die Terrorpiloten vom 11. September erinnern. Die mussten das Fliegen jedoch erst lernen. Für Zaharie, der in 33 Dienstjahren auf 18.365 Flugstunden kam, gilt das sicher nicht. Auch aus der Tatsache, dass am 3. Februar Daten auf dem Flugsimulator gelöscht wurden, konnte bislang kein begründeter Verdacht konstruiert werden.

Zaharie trainierte Landungen auf Diego Garcia

Der Zeitung zufolge untersuchen Experten des FBI derzeit in den USA die Festplatte des Flugsimulators, um die gelöschten Daten zu rekonstruieren. Laut "Mail on Sunday" trainierte Zaharie mit seinem Flugsimulator unter anderem Landungen auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Diego Garcia. Die Basis liegt südlich der Malediven mitten im Indischen Ozean.

Zaharie war Mitglied der oppositionellen Gerechtigkeitspartei, deren Fraktionschef Anwar Ibrahim am Tag vor dem Flug von MH370 unter dem Vorwurf der Homosexualität zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Parteifreunde sagten allerdings, das Urteil habe Zaharie nicht sonderlich aufgeregt. Ohnehin blieb Anwar zunächst auf freiem Fuß, da seine Anwälte in Berufung gingen. Vor allem aber: Die Gerechtigkeitspartei wird von der malaysischen Regierung zwar als Bedrohung gesehen. Eine Terrorgruppe ist sie jedoch nicht.

Selbst die Behörden in Malaysia, die sonst jede Gelegenheit nutzen, die Gerechtigkeitspartei zu verunglimpfen, rieten dazu, den Bericht der "Mail on Sunday" mit Vorsicht zu behandeln, wie der Korrespondent des australischen "Sydney Morning Herald" schreibt.

Erst jetzt soll Ehefrau befragt werden

Die "Mail on Sunday" berichtete außerdem, die Ermittler würden demnächst Zaharies Ehefrau befragen. Dies sei bisher "aus kulturellen Gründen" nicht geschehen. "Es gilt in Malaysia als unpassend, Menschen, die einen schrecklichen Verlust erlitten haben, dem Stress einer intensiven Befragung auszusetzen", sagte ein Behördenvertreter der Zeitung.

FBI-Agenten, die vor Ort zusammen mit der malaysischen Polizei arbeiteten, hätten dieses Vorgehen jedoch kritisiert. Dass Zaharies Frau nun befragt werden soll, geht offenbar auf den Druck des FBI zurück. Das Paar habe mit seinen drei Kindern unter demselben Dach gelebt, sei aber getrennt gewesen. "Wenn wir den Chefpiloten aus der Untersuchung streichen wollen, müssen wir sie detailliert befragen, um herauszufinden, wie sein Gemütszustand war", sagte ein Sprecher aus dem Umfeld des FBI-Teams.

Quelle: n-tv.de, hvo

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