Panorama

Ärzte dürfen einreisen Erste Cholera-Fälle in Birma

Im Katastrophengebiet von Birma gibt es die befürchteten ersten Cholera-Fälle. Das berichteten Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes aus der Küstenstadt Labutta im Irrawaddy-Delta. "Die Menschen konnten nur aus Brunnen trinken, in denen das Wasser durch die Flutwelle versalzen und stark verschmutzt ist", teilten die Helfer mit.

Einreiseerlaubnis für Ärzte

Unterdessen erlaubt die Militärregierung offenbar mehr als hundert Ärzten die Einreise. Die in Thailand wartenden Mediziner erhielten Visa und Einreisegenehmigungen, sagte EU-Entwicklungskommissar Louis Michel in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Zu der Nationalität der Ärzte machte Michel keine Angaben. "In dieser Hinsicht ist nun Bewegung in die Sache gekommen", sagte Michel.

Zudem sollen erstmals ausländische Diplomaten mit dem Hubschrauber in einige Regionen des von dem Sturm besonders schwer betroffenen Süden des Landes gebracht werden. Dies kündigte ein Vertreter der britischen Botschaft an. Darunter sollte auch Michel sein, der aber für diesen Tag bereits seine Abreise geplant hat.

Junta nicht gesprächsbereit

Michels Versuche, die Junta von einer umfassenden Öffnung des Landes für ausländische Hilfe zu überzeugen, blieben zunächst ohne Erfolg. Bisher hätten ihm die Behörden lediglich mitgeteilt, seine Bitten nach Einreisegenehmigungen für mehr ausländische Helfer zu prüfen, sagte Michel. Er sprach weder mit Juntachef Than Shwe, noch kamen erhoffte Gespräche mit dem Regierungschef oder dem Außenminister zustande.

Bitte um Spenden

Die Aktion Deutschland Hilft (ADH) bat dringend um weitere Spenden für die Opfer des Zyklons. ADH-Geschäftsführerin Manuela Roßbach sagte in Berlin, bei ihrer Organisation seien bislang 1,95 Millionen Euro eingegangen. Dies sei angesichts der dramatischen Lage bei weitem nicht ausreichend. Unter dem Dach von ADH sind verschiedene Hilfsorganisationen wie Malteser, Johanniter und World Vision vereint.

Die Spenden für die Zyklon-Opfer in Birma kommen nach Angaben der Hilfsorganisationen trotz der massiven Behinderung durch die Militärjunta bei den Betroffenen an. Roßbach wies darauf hin, dass vier der Hilfsorganisationen bereits vor der Katastrophe im Land waren und daher direkt danach auch hätten helfen können. Die Organisationen, die neu einreisen wollten, hätten allerdings Probleme, räumte die Geschäftsführerin ein.

Flugzeug aus Deutschland gelandet

In der birmanischen Hafenmetropole Rangun landete erneut ein Hilfsflugzeug aus Deutschland. Es hatte sechs mobile Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung sowie Duschen und Toiletten an Bord, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mitteilte. Mit den Anlagen können täglich 225.000 Liter Trinkwasser aufbereitet und rund 15.000 Menschen versorgt werden. Zudem sollen Decken. Kochgeschirr, Zelte und Reinigungstabletten für Wasser verteilt werden.

Tropische Regenfälle haben unterdessen die Lage weiter verschärft. Die Niederschläge bremsten die Hilfsbemühungen. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wiesen darauf hin, dass weitere Niederschläge zahlreiche Menschen erneut zur Flucht zwingen und die Gefahr von Seuchen erhöhen können.

In dem von der Militärregierung gegen ausländische Helfer streng abgeschirmten Land sind derzeit 200 hauptamtliche und mehr als 10.000 freiwillige einheimische Rot-Kreuz-Helfer im Einsatz. Nur 17 ausländische Kräfte konnte das Internationale Rote Kreuz bisher nach Birma bringen, darunter einen Deutschen.

Langsame, spärliche Hilfe

Nach Berichten der Vereinten Nationen kommt die Hilfe für die Zyklon-Opfer noch immer viel zu langsam und spärlich an. Die Regierung habe nur sechs Helikopter im Einsatz, um das Katastrophengebiet von der Größe Österreichs zu beliefern, sagte Steve Marshall, Sprecher der UN-Büros in Birma, in Bangkok.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will den Druck auf die Militärjunta in Birma erhöhen, internationale Hilfe für die verwüsteten Regionen anzunehmen. Sein UN-Nothilfekoordinator, John Holmes, wird am Sonntag in Rangun eintreffen, wie Bans Sprecherin Michle Montas bestätigte. Mittlerweile steht auch der Termin für eine geplante hochrangige Geberkonferenz fest. Sie solle am 24. und 25. Mai in Südostasien stattfinden, so Montas.

Auch deutsche Politiker bemühten sich erneut um eine Verbesserung der Lage für die Menschen. Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz rief die Junta auf, die internationale Hilfe nicht weiter zu behindern. Die dortigen Machthaber hätten eine Verantwortung für die eigene Bevölkerung, mahnte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags in Berlin. Er sei "außerordentlich enttäuscht" darüber, dass sich der UN-Sicherheitsrat - vor allem wegen des Widerstands aus China - bis heute nicht mit der Frage beschäftigt habe.

Vor allem Kinder leiden

Große Sorgen um die eine Million Kinder im Katastrophengebiet macht sich das Kinderhilfswerk UNICEF. Immer mehr litten neben Durchfall auch an Haut- und Atemwegserkrankungen, hieß es. UNICEF hat in Notaufnahmelagern für Flüchtlinge inzwischen 14 Kinderschutzzonen eingerichtet. Dort werden Waisen betreut und Kinder, deren Eltern sich nicht um sie kümmern können.

Nach Angaben der Welthungerhilfe versuchen immer mehr Verzweifelte aus abgelegenen Ortschaften, auf der Suche nach Nahrungsmitteln mit Booten die größeren Städte zu erreichen. Viele Menschen haben dort zwei Wochen nach der Katastrophe noch keinerlei Hilfe erhalten. Die Welthungerhilfe will jetzt auch Boote einsetzen, um diese Menschen zu erreichen.

Die Zahl der Toten hat nach amtlichen Angaben fast 78.000 erreicht. Das staatliche Fernsehen meldete weiter, 56.000 Menschen darüber hinaus noch vermisst. Die Hilfsorganisationen schließen nicht aus, dass 130.000 Menschen umgekommen sein könnten.

Quelle: n-tv.de

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