Panorama

"Judentum lebt weiter" Erste Rabbinerin übernimmt Amt

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Bei der Feier mit rund 300 Gästen erhielt die 32-jährige Alina Treiger eine Tora-Rolle.

(Foto: dpa)

Die erste nach dem Holocaust in der Bundesrepublik ordinierte Rabbinerin ist in Oldenburg offiziell in ihr Amt eingeführt worden. Die aus der Ukraine stammende Alina Treiger bekam ihre Weihe im November in Berlin. Ihre Ordination hatte bundesweit Beachtung gefunden. Seither betreut sie die jüdische Gemeinden in Oldenburg und Delmenhorst, die insgesamt gut 500 Mitglieder haben.

Treiger studierte am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam. Neben der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg ist es das einzige wissenschaftliche Ausbildungsinstitut für Rabbiner in Mitteleuropa. Dort wird das reformorientierte Judentum vertreten, das als weltweit stärkste Richtung innerhalb der Glaubensgemeinschaft gilt. Anders als bei den orthodoxen Juden dürfen hier auch Frauen Ämter übernehmen.

Treiger ist mit einem früheren Kommilitonen verheiratet und spricht fünf Sprachen: Deutsch, Ukrainisch, Russisch, Hebräisch und Englisch. "Ich wünsche mir, dass die jüdischen Gemeinden sich nicht nur über die schrecklichen historischen Erfahrungen definieren, über Shoa, Verfolgung und Pogrome", hatte Treiger kurz vor ihrer Ordination in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa gesagt. "Das Judentum lebt weiter. Und wir sollten mit dem Reichtum unseres Wissens, unserer Kultur und unserer Musik ein lebendiger Ansprechpartner in Deutschland sein."

Zur Amtseinführung übermittelte der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Jan Janssen, Segenswünsche an Treiger. "Wir wollen mit ihr den Dialog fortsetzen und weiter voneinander lernen", sagte er.

Quelle: ntv.de, dpa